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Eisenspeicherkrankheit (Siderosen)

Was ist das? - Definition
Unter Eisenspeicherkrankheiten versteht man einen Krankheitskomplex, bei dem die Verarbeitung von Eisen im Körper gestört ist. Dabei kommt es zur Anhäufung von Eisen in den inneren Organen, vor allem der Leber. Bei Gesunden werden täglich ein bis zwei Gramm Eisen aufgenommen, bei Eisenspeicherkrankheiten sind es drei bis vier Gramm. Eisenüberladung führt zu schweren Organschäden.

Wie wird es noch genannt? - Andere Bezeichnungen
  • Hämosiderose
  • Hämochromatose
  • Bronze-Diabetes

Wie kommt es dazu? - Mögliche Ursachen
Es lassen sich primäre von sekundären Hämochromatosen abgrenzen:
  • Die primäre Hämochromatose ist eine der häufigsten Erbkrankheiten. Durch einen Gendefekt wird in den Darmzellen viel mehr Eisen aus der Nahrung aufgenommen, als benötigt wird. Dadurch können die Darmzellen die Blutkonzentration von Eisen nicht mehr bestimmen. Die Erkrankung tritt meist erst ab dem 4. Lebensjahrzehnt auf, Männer erkranken etwa zehn Mal so häufig wie Frauen.
  • Sekundäre Hämochromatosen sind nicht auf einen Gendefekt zurückzuführen:
  • Ist zu wenig Blut im Körper vorhanden, nimmt er manchmal mehr Eisen auf, als er benötigt.
  • Durch wiederholte Gaben von Fremdblut (Transfusionen) kann es zur Eisenüberladung kommen.
  • Leberkrankheiten führen im Endstadium zu erhöhter Aufnahme und Speicherung von Eisen.
  • Bei Alkoholkrankheit ist ebenfalls die Eisenaufnahme erhöht.

Wie macht es sich bemerkbar? - Symptome
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Leistungsminderung
  • Haarausfall.
Durch die Eisenablagerung in Organen kommt es zu weiteren Störungen:
  • starke Blähungen, Druck- und Völlegefühl im Oberbauch als Zeichen der Leberzirrhose.
  • Appetitlosigkeit und Übelkeit, was zu Gewichtsverlust führen kann.
  • Durst und vermehrtes Wasserlassen als Zeichen der Zuckerkrankheit.
  • Schwäche und Luftnot beim Treppensteigen oder Herzstolpern bei Beteiligung des Herzens.

Wie geht es weiter? - Verlauf und Komplikationen
Erst wenn der normale Eisengehalt des Körpers um das Fünffache überschritten wird, kommt es zu Krankheitserscheinungen. Eisen lagert sich dann in vielen Körpergeweben ab, was dort zu Funktionsstörungen führt.
  • Am schlimmsten ist die Leber betroffenen. Durch die exzessive Aufnahme von Eisen kommt es zur Entzündung und zum knotigen Umbau der Leber (Zirrhose). Leberzirrhose wurde als wichtigste Ursache für die Entstehung von Leberkrebs identifiziert.
  • Durch Eisen wird die Bildung des Hautfarbstoffs Melanin angestoßen. Es kommt zur Pigmentierung und Dunkelfärbung der Haut.
  • Auch in der Bauchspeicheldrüse kommt es zur Eisenablagerung und damit zur Zerstörung der Zellen, die Insulin produzieren. Insulinmangel führt zu Zuckerkrankheit (Diabetes).
  • Im Herzen führen Eisenablagerungen zu Rhythmusstörungen und Herzschwäche (Herzinsuffizienz).
  • Auch die Hormonproduktion ist gestört. Durch Fehlen von Geschlechtshormonen kann es zu Impotenz kommen.
  • Eisen kann sich in den Gelenken ablagern - meistens sind die Hände betroffen. Das führt zu Versteifungen (Arthrose) und Schmerzen.

Was kann noch dahinter stecken? - Krankheitsbilder mit ähnlichen Symptomen
Die oben genannten Symptome können für sich alleine für eine Vielzahl anderer Krankheiten sprechen. Weil die Hämochromatose sehr unterschiedlich verlaufen kann, wird die Diagnose oft erst spät gestellt. Eine gezielte Blutuntersuchung in Kombination mit einem Gentest kann die Diagnose Hämochromatose sichern.

Verhaltenstipps
  • Eine eisenarme Diät kann vom Arzt verordnet werden. Fleisch - besonders Innereien -, Getreideprodukte, Nüsse, Petersilie, Sojabohnen und Spinat enthalten viel Eisen.
  • Schwarzer Tee, zu den Mahlzeiten getrunken, vermindert die Eisenaufnahme.
  • Bei primärer Hämochromatose werden Aderlässe genutzt, um dem Körper im Blutfarbstoff gebundenes Eisen zu entziehen.
  • Bei sekundärer Hämochromatose können Medikamente verordnet werden, die Eisen binden.

Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

© ABDATA

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