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Wie Heilpflanzen die Venen stärken

Die Neigung zu Venenbeschwerden wie schweren, geschwollenen Beinen, Kribbeln und Schmerzen ist vielen in die Wiege gelegt. Neben Gymnastik und Kompressionsstrümpfen haben verschiedenste pflanzliche Arzneimittel gezeigt, dass sie Abhilfe schaffen können.

Venenschwäche verläuft schleichend und lässt sich nicht rückgängig machen. Grundlage des Problems ist eine meist ererbte Schwäche des Bindegewebes. Werden die Beinvenen ständig belastet, beispielsweise durch Übergewicht oder einen Beruf, in dem man den ganzen Tag stehen muss, erlahmen die Gefäßwände mit der Zeit. Die Venenklappen, die für einen reibungslosen Abtransport des Blutes sorgen sollen, schließen nur noch ungenügend. Folge: Das Blut versackt in den Beinen. Zudem werden die Gefäßwände durchlässig für Flüssigkeit, die sich im Gewebe einlagert.

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Arzneimittel aus Rosskastanie, rotem Weinlaub, japanischem Schnurbaum oder Mäusedorn spielen eine Hauptrolle, wenn es darum geht, die damit einhergehenden Beinbeschwerden zu bekämpfen und die löchrigen Venenwände abzudichten. Die Wirkung der gegen Venenschwäche eingesetzten Pflanzen konnten viele wissenschaftliche Studien belegen.

Gefäßwände werden abgedichtet

Extrakte aus Rosskastaniensamen sind wohl am besten erforscht. Sie enthalten ein Wirkstoffgemisch, das Fachleute Aescin nennen. Von der früher oft empfohlenen Methode, Rosskastanienpräparate als Salben oder Gele äußerlich aufzutragen, halten Fachleute heute nicht mehr viel. Wie man mittlerweile weiß, sind die Wirkstoffmoleküle zu groß, um durch die Haut hindurch die Venen zu erreichen. Die Salben entfalten ihren wohltuenden Effekt eher durch die Massage der Beine beim Einreiben.

Wird der Extrakt dagegen in Form von Tabletten oder Kapseln eingenommen, gelangt der Wirkstoff problemlos an den Ort des Geschehens. Der Körper baut ihn sogar in die Gefäßwand ein und sorgt dafür, dass bestimmte Enzyme, die das Bindegewebsgerüst aufweichen, blockiert werden. So verringert er den unerwünschten Übertritt von Flüssigkeit ins Gewebe.

Inhaltsstoffe des roten Weinlaubs erreichen das gleiche Ziel auf andere Weise. Innerlich angewendet, lagern sie sich an die Gefäßinnenwände, dichten dort entstandene Lücken ab und bremsen überdies Entzündungsvorgänge. So nehmen Beinödeme und die Beschwerden deutlich ab.

Vielfalt an wirksamen Pflanzen

Auch Präparate aus Mäusedorn oder dem japanischen Schnurbaum unterstützen, dass eingelagertes Wasser aus dem Beingewebe abfließt. Das Oxerutin aus dem Schnurbaum wirkt dabei ganz ähnlich wie der Extrakt des Roten Weinlaubs. Die Wirkstoffe aus dem Mäusedorn sollen, ähnlich wie bestimmte körpereigene Botenstoffe, dafür sorgen, dass sich die Venen zusammenziehen, und so den Blutfluss verbessern.

Ein weiterer pflanzlicher Extrakt, der die Venenfunktion stärkt, ist hierzulande noch recht unbekannt und bisher nur als Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt. Er wird aus der Rinde der Strandkiefer gewonnen, die im Mittelmeerraum wächst. Der Extrakt enthält ebenso wie das rote Weinlaub und Buchweizenkraut sogenannte Flavonoide, die die Gefäßwände stärken und abdichten. Verschiedene kleinere Studien zeigten, dass er ebenfalls Beinödeme ausschwemmt und die Symptome der Venenschwäche lindert.

Alle pflanzlichen Präparate haben gemeinsam, dass sie nicht nur allein eingesetzt werden können. Besonders gut ergänzen sie eine Therapie mit Kompressionsstrümpfen, die der Arzt meist zuerst verschreibt. Auf diese Weise lässt sich das Fortschreiten der Venenschwäche deutlich verlangsamen.

Apotheker Rüdiger Freund

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