Wissen

Akute Magenschleimhautentzündung

Was ist das? - Definition
Bei der akuten Magenschleimhautentzündung handelt es sich um eine Erkrankung des Magens, die durch vielfältige Ursachen ausgelöst werden kann und oft von einer Schädigung der Magenschleimhaut begleitet wird. Sie heilt häufig spontan aus.

Wie wird es noch genannt? - Andere Bezeichnungen
  • akute Gastritis

Wie kommt es dazu? - Mögliche Ursachen
Für die akute Magenschleimhautentzündung gibt es im Wesentlichen zwei Auslöser:
  • Stress: z.B. Verletzungen, Verbrennungen, Leistungssport wie extremer Langlauf ("Runner's stomach"), oder Notfallsituationen, wie Schock, Organversagen bzw. auch nach Operationen.
  • Von außen zugefügte Schäden: z.B. zu heiße bzw. zu kalte Nahrung oder exzessive Nahrungsaufnahme, massiver Alkoholgenuss, Medikamente (Schmerzmittel, Cortison), Lebensmittelvergiftungen.
Weitere sehr spezielle Auslöser können Bestrahlungen z.B. bei einer Krebserkrankung oder Verletzungen z.B. durch eine Magensonde sein.

Wie macht es sich bemerkbar? - Symptome
Die Betroffenen leiden häufig unter Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Druckgefühl im Oberbauch und unangenehmem Geschmack im Mund. Es entstehen Schäden in der Magenschleimhaut, die in schweren Fällen zu Magenblutungen und dann auch mal zu Bluterbrechen führen können.

Wie geht es weiter? - Verlauf und Komplikationen
Die akute Magenschleimhautentzündung heilt häufig spontan aus, eine medikamentöse Therapie ist meist nicht erforderlich. Wenn Alkohol oder bestimmte Medikamente die Ursache der Erkrankung sind, muss darauf verzichtet werden. Kurzfristiger Nahrungsverzicht und Schonkost sind sinnvoll. Zum Schutz der Magenschleimhaut können Medikamente, die Magensäure binden oder deren Produktion vermindern eingesetzt werden.
Eine häufige Komplikation sind Magenblutungen, die harmlos bis lebensbedrohlich sein können, sowie Magengeschwüre, die ihrerseits wieder die Gefahr von Magenblutungen und der Entwicklung von bösartigen Tumoren bergen.

Was kann noch dahinter stecken? - Krankheitsbilder mit ähnlichen Symptomen
Die verschiedenen Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt äußern sich größtenteils durch ähnliche Symptome. Beschwerden wie Übelkeit oder Druckschmerz im Oberbauch sind sehr allgemein und können keiner bestimmten Krankheit zugeordnet werden. Neben Magenschleimhautentzündung kommen z.B. ein Magengeschwür, Erkrankungen der Gallenblase oder auch ein verdorbener Magen als Ursache in Betracht.

Was rät die Großmutter? - Hausmittel und Verhaltenstipps
  • Zumindest für kurze Zeit sollte auf Nahrungsaufnahme verzichtet werden. Schonkost in der Genesungsphase und im Anschluss daran Verzicht auf besonders fettes oder scharf gewürztes Essen, sowie auf Alkohol, sind sinnvoll.
  • bei Übelkeit und gereiztem Magen hilft oft Tee, z.B. spezielle Magentee-Mischungen oder Kamillentee

Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

© ABDATA

Magenschleimhautentzündung (Gastritis): Behandlung

Bei einer Magenschleimhautentzündung (Gastritis) richtet sich die Behandlung vor allem danach, was die Gastritis ausgelöst hat und ob es sich um eine akut auftretende oder eine chronische, also länger anhaltende Gastritis handelt.

Generell gilt: Wenn Sie immer wieder oder anhaltend mit Beschwerden wie Magenschmerzen, Übelkeit oder anderen Verdauungsproblemen zu kämpfen haben, sollten Sie in jedem Fall Ihren Arzt aufsuchen!

Behandlung der akuten Magenschleimhautentzündung

Eine akute Magenschleimhautentzündung kann viele Ursachen haben – zu üppiges Essen, Nikotin, zu viel Alkohol, bestimmte Medikamente oder Lebensmittelvergiftungen durch Salmonellen sind nur einige davon. Eine akute Gastritis bildet sich in den meisten Fällen von allein zurück und bedarf häufig keiner speziellen Behandlung.

Die akute Magenschleimhautentzündung ist in der Regel nach einigen Tagen überstanden. Meist reicht es aus, für ein bis zwei Tage auf feste Nahrung zu verzichten und dann langsam mit Schonkost zu beginnen, etwa in Form von Zwieback und Haferschleim. Günstig ist, viele kleine Portionen über den Tag verteilt zu sich zu nehmen. Achten Sie auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr, am besten in Form von Tee oder Wasser. Zudem ist es wichtig, sich körperlich zu schonen. Manche Patienten empfinden Wärme als wohltuend, zum Beispiel in Form eines Wärmekissens.

Damit die Magenschleimhaut möglichst wenig belastet wird, sollten Sie zumindest für eine gewisse Zeit bestimmte Dinge meiden. Hierzu gehören vor allem

  • Alkohol
  • Nikotin
  • Kaffee
  • Schmerzmedikamente (v.a. sog. nicht-steroidale Antirheumatika wie Acetylsalicylsäure)
  • große Essensportionen, Scharfes, stark Gewürztes, Fettiges und Gebratenes

Nicht nur bei einer akuten, auch bei einer chronischen Magenschleimhautentzündung sind diese Maßnahmen empfehlenswert.

Wenn diese Verhaltensweisen nicht reichen, um die Beschwerden in den Griff zu bekommen, kann eine Behandlung mit Medikamenten hilfreich sein:

  • Protonenpumpenhemmer mit Wirkstoffen wie Omeprazol oder Pantoprazol binden überschüssige Magensäure und können so die Symptome lindern. Fragen Sie Ihren Arzt, ob diese Medikamente für Sie infrage kommen.
  • Auch sog. H2-Rezeptor-Antagonisten mit Wirkstoffen wie Famotidin der Ranitidin können bei einer Magenschleimhautentzündung nützlich sein. Sie reduzieren die Bildung von Magensäure.
  • Die rezeptfreien Antazida können in leichten Fällen helfen, indem sie Magensäure binden.
  • Übelkeit mit Brechreiz kann man mit verschiedenen Medikamenten bekämpfen, z.B. mit Arzneimitteln, die den Wirkstoff Dimenhydrinat enthalten.

Langfristige Maßnahmen

Wer immer wieder mit Gastritis zu kämpfen hat, sollte darüber nachdenken, langfristig den Lebensstil zu ändern.

Stellen Sie Ihre Ernährung um: Zu fettiges, scharfes oder üppiges Essen kann eine Entzündung begünstigen. Versuchen Sie selbst herauszufinden, was Sie gut vertragen. Eine spezielle Diät bei Gastritis gibt es nicht. Es kann zum Beispiel hilfreich sein, wenn Sie

  • viele kleine Mahlzeiten statt wenige große zu sich zu nehmen,
  • auf sehr scharfe oder stark gewürzte Speisen verzichten,
  • fette Nahrungsmittel meiden,
  • den Kaffeekonsum reduzieren,
  • schwer verdauliche Nahrungsmittel zu meiden, z.B. blähende Gemüse wie Kohl oder Bohnen und
  • sich beim Essen Zeit nehmen.

Verzichten Sie auf Alkohol und / oder Nikotin, wenn Sie merken, dass dies Ihrem Magen nicht bekommt.

Versuchen Sie, Stress zu reduzieren, indem Sie Phasen der Entspannung in Ihren Alltag einbauen.

Behandlung der chronischen Magenschleimhautentzündung

Eine chronische, also länger andauernde Gastritis kann verschiedene Ursachen haben. Ärzte unterscheiden

  • die Gastritis vom Typ A, die aufgrund einer Autoimmunreaktion entsteht,
  • die Gastritis vom Typ B, die durch das Bakterium Helicobacter pylori ausgelöst wird und
  • die Gastritis vom Typ C, die meist durch Medikamente entsteht.

Behandlung der chronischen Magenschleimhautentzündung vom Typ A

Bei der selten vorkommenden Magenschleimhautentzündung vom Typ A bildet das Immunsystem Abwehrstoffe gegen Zellen der Magenschleimhaut. Dies kann zu einer bestimmten Form der Blutarmut führen, die mit einem Mangel an Vitamin B12 einhergeht und auch als perniziöse Anämie bezeichnet wird. Der Körper kann das Vitamin nicht mehr aus dem Dünndarm aufnehmen. Zur Behandlung gehört daher meist, dass der Patient das fehlende Vitamin B12 über eine Infusion erhält. Darüber hinaus empfiehlt es sich, den Magen möglichst zu schonen, etwa durch viele kleine Essensportionen und den Verzicht auf scharfe oder stark gewürzte Speisen.

In der Regel kann die fehlgesteuerte Immunreaktion bei der Gastritis vom Typ A nicht ausgeschaltet werden. Manchmal kann eine Gastritis vom Typ A jedoch erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden, wenn zugleich das Bakterium Helicobacter pylori im Magen nachgewiesen wurde.

Behandlung der chronischen Magenschleimhautentzündung vom Typ B: Eradikationstherapie

In etwa 8 von 10 Fällen wird eine chronische Magenschleimhautentzündung durch das Bakterium Helicobacter pylori hervorgerufen. Ziel der Behandlung ist, das Bakterium zu beseitigen (sog. Eradikationstherapie = vollständige Beseitigung der Ursache). Meist besteht die Eradikationstherapie aus einer sogenannten Triple-Therapie: Dabei werden drei Medikamente miteinander kombiniert – zwei Antibiotika (z.B. mit den Wirkstoffen Clarithromycin und Amoxicillin) und ein säurehemmendes Medikament aus der Gruppe der Protonenpumpenhemmer. Nach sechs bis acht Wochen Behandlung wird der Arzt mithilfe einer Magenspiegelung oder eines Atemtests überprüfen, ob das Bakterium durch die Eradikationstherapie beseitigt wurde und die chronische Gastritis abgeklungen ist. Ist das nicht der Fall, kann der Arzt auf andere Antibiotika zurückgreifen und testen, ob diese besser wirken. Erweist sich Helicobacter pylori als besonders hartnäckig, kann es auch nötig sein, vier verschiedene Medikamente miteinander zu kombinieren.

Behandlung der chronischen Magenschleimhautentzündung vom Typ C

  • Eine Magenschleimhautentzündung vom Typ C wird meist durch Medikamente hervorgerufen – in vielen Fällen handelt es sich dabei um nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR). Dies sind bestimmte entzündungshemmende Schmerzmittel, die vor allem bei Rheuma zum Einsatz kommen.
  • Der Arzt wird abwägen, ob sein Patient das verursachende Medikament eventuell absetzen kann beziehungsweise ob es einen Ersatz für das Medikament gibt. In manchen Fällen verschreibt der Arzt auch einen Protonenpumpenhemmer, der überschüssige Magensäure bindet und somit die Beschwerden lindert.

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2016

Online-Informationen des Berufsverbands Deutscher Internisten e.V.: www.internisten-im-netz.de (Abrufdatum: 29.10.2016)

Magenschleimhautentzündung. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (30.6.2015)

Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre. Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 55, Robert Koch-Institut, Berlin 2013

Anzeige

Buchtipps der Redaktion von aponet.de:

"Blutwerte verstehen"
Was das Blut über die Gesundheit verrät. Dieses Buch kostet 11,90 Euro. Bestellungen über Apotheken oder hier.

"Kochrezepte bei Krebs – Genießen und gezielt ernähren während der Therapie"
Das Kochbuch hilft Betroffenen, Unsicherheiten in Bezug auf ihre Ernährung abzubauen und ihre Beschwerden mithilfe der richtigen Speisenauswahl zu lindern. Für 11,90 Euro über Apotheken oder hier bestellbar.

Apotheke finden

Tagsüber
Notdienst
Alle Inhalte
schließen