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Hirnhaut- und Lungen-Entzündung durch Bakterien

Im Nasen-Rachen-Raum vieler Kinder und Erwachsener siedeln ungeliebte Untermieter: Meningokokken und Pneumokokken. Warum diese Bakterien bei manchen Kindern plötzlich schwere Krankheiten auslösen und bei anderen nicht, ist bisher unbekannt.

Beide Krankheitserreger sind weltweit verbreitet. In Deutschland erkranken 700 bis 800 Menschen pro Jahr an einer Meningokokken-Infektion, die schwerre Organerkrankungen hervorrufen kann, unter anderem eine Hirnhautentzündung. Dabei werden etwa 75 Prozent der Erkrankungen durch die Serogruppe B, etwa ein Fünftel durch Serogruppe C und wenige durch Serogruppe A ausgelöst.

Pneumokokken-Erkrankungen kommen sehr häufig vor. In Deutschland ziehen sich zum Beispiel jedes Jahr schätzungsweise 50 000 Kinder unter fünf Jahren außerhalb des Krankenhauses eine Pneumokokken-Lungenentzündung zu, geschätzte 90 000 eine durch die Keime ausgelöste Mittelohrentzündung.

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In wenigen Stunden schwer krank

Meningokokken-Infektionen werden durch das Bakterium Neisseria meningitidis ausgelöst und sind sehr gefährlich. Innerhalb von 24 Stunden kann sich die Krankheit von leichtem Schnupfen zum lebensbedrohlichen Organversagen verschlechtern. Eine invasive Infektion führt im einfachsten Fall zur Blutvergiftung. Sie kann folgenlos abheilen. Im schlimmsten Fall gelangen die Neisserien aber mit dem Blut in andere Organe und/oder beeinflussen die Blutgerinnung. Folgen sind Blutungen und Blutgerinnsel in allen Organen, oft schießen plötzlich rote Flecken in die Haut ein. Es kommt zum Herz-Kreislauf- und Organversagen, besonders von Nieren und Leber.

Rund zehn Prozent der Patienten in Deutschland versterben, weitere zehn Prozent behalten schwere bleibende Schäden zurück. Bei den Überlebenden müssen die durch Blutgerinnsel abgestorbenen Teile der Gliedmaßen möglicherweise oft entfernt werden, abgestorbene Haut hinterlässt Narben. Bei rund der Hälfte der invasiven Infektionen steht die Hirnhautentzündung im Vordergrund. Behandelt wird mit Antibiotika, allerdings ist es dafür oft zu spät. Mindestens ebenso wichtig ist die Behandlung von Gerinnungsstörung, Schock und Organversagen.

Bessere Chancen durch Früherkennung

Zu den bekannten, deutlichsten Krankheitszeichen einer Meningokokken-Infektion gehört der steife Nacken. Der Rücken ist dann nach hinten gebogen, der Kopf bohrt sich geradezu in das Kissen. Ebenso gehören Bewusstseinstrübung, Lichtempfindlichkeit, eine harte Fontanelle (bei Babys) und Hauteinblutungen, also rote Hautflecken, dazu. Diese treten jedoch erst nach 13 bis 22 Stunden auf, wie eine aktuelle Studie aus Großbritannien ergeben hat. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Krankheitszeichen zunächst wenig eindeutig. Manche Symptome, zum Beispiel die Hautflecken, können auch fehlen. Fast immer tritt aber Fieber auf. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind oder Sie selbst an Meningitis leiden, warten Sie nicht, bis rot-violette Hautflecken auftreten. Suchen Sie sofort einen Arzt oder eine Klinik auf!

Pneumokokken-Infektionen werden durch das Bakterium Streptococcus pneumoniae ausgelöst. Eine Mittelohr- oder Nasennebenhöhlen-Entzündung entsteht, wenn im Rahmen einer Virusinfektion die Schleimhäute anschwellen und die Ausführgänge dieser Höhlen verschließen. Pneumokokken können dann von der Abwehr des Körpers nicht mehr aus diesen Hohlräumen hinaustransportiert werden.

Zu einer Lungenentzündung kommt es, wenn vermehrt Pneumokokken in die Lunge gelangen. Auf dem Blutweg können die Bakterien in Hirnhäute, Knochen, Gelenke oder andere Organe verschleppt werden und dort zum Teil lebensbedrohliche Entzündungen auslösen. Etwa jedes zehnte betroffene Kind mit eine solchen invasiven Infektion stirbt daran. Taubheit und Hirnschäden sind typische Komplikationen der Hirnhautentzündung. In Deutschland treten pro Jahr in etwa 1 000 invasive Pneumokokken-Infektionen bei Kindern bis fünf Jahre auf. Behandelt wird mit Antibiotika.

Impfen beugt vor

Meningokokken und Pneumokokken werden durch Tröpfcheninfektion zum Beispiel beim Husten oder Niesen übertragen. Bei Meningokokken ist dafür sehr enger Kontakt notwendig. Kontaktpersonen werden vorbeugend mit Antibiotika behandelt. Eine Impfung für Säuglinge steht gegen die Meningokokken-Serogruppe C und gegen sieben häufige Pneumokokken-Serotypen zur Verfügung. Ab dem zweiten Lebensjahr können Kinder und Erwachsene auch gegen andere Serogruppen beziehungsweise Serotypen bei Pneumokokken geimpft werden.

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