Wissen
Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems. Sie wird zumeist im Alter zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr festgestellt, selten im Kindes- oder Jugendalter oder nach dem 60. Lebensjahr.
MS gehört zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Weltweit sind rund 2,5 Millionen Menschen an MS erkrankt. Die Häufigkeit zeigt regionale Unterschiede: Je weiter entfernt vom Äquator, umso höher ist der Anteil der MS-Patienten. In Nordeuropa liegt die Erkrankungshäufigkeit bei 100 Patienten pro 100.000 Einwohnern. Frauen erkranken doppelt so häufig wie Männer.
In Deutschland schätzt man die Erkrankungshäufigkeit auf rund 150 Patienten pro 100.000 Einwohner, was bundesweit rund 122.000 MS-Patienten entspricht.
Ähnlich wie Elektrokabel von der Isolierung sind Nervenfasern (auch Axone genannt) von einer Hülle umgeben, der sogenannten Myelinscheide. Bei der Multiplen Sklerose kommt es durch Entzündungsreaktionen zu herdförmigen Zerstörungen dieser Myelinscheide und – weniger ausgeprägt – zu einer Schädigung der Nervenfaser selbst. Die Folge ist eine Beeinträchtigung der Reizweiterleitung.
Experten gehen davon aus, dass es sich bei Multipler Sklerose um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der sich die körpereigene Abwehr gegen Nervenfasern richtet. Genetische Faktoren spielen eine Rolle. In 15 Prozent der Fälle beobachtet man eine familiäre Häufung. Viren und andere Krankheitserreger sowie Umwelteinflüsse tragen eventuell dazu bei, dass sie ausbricht. Die ursächlichen Mechanismen, die zu der Krankheit führen, sind – trotz zahlreicher Bemühungen der Forschung – bis heute nicht bekannt.
Die Krankheit verläuft schubförmig, wobei man verschiedene Verlaufsformen unterscheidet:
MS-Patienten leiden unter einer Vielzahl von Symptomen. Diese sind von Patient zu Patient sehr unterschiedlich ausgeprägt, weswegen man MS auch die "Krankheit mit den 1000 Gesichtern" nennt. Ihre Entwicklung lässt sich individuell praktisch nicht vorhersagen, was die Patienten sehr belastet. Häufige Krankheitszeichen sind:
Multiple Sklerose ist derzeit nicht heilbar. Anwendung findet dreistufiges Therapiemodell, das den individuellen Krankheitsverlauf berücksichtigt. Es besteht aus einer
Zur Behandlung von akuten Schüben kommen Glukokortikoide, also Verwandte des körpereigenen Kortisons zum Einsatz. Diese wirken entzündungshemmend und unterstützen die schnellere Rückbildung der Symptome. In der Regel werden sie in einer Infusion gegeben. Verfehlen sie die gewünschte Wirkung, kann ein beeinträchtigender akuter Schub auch mit Hilfe einer Blutwäsche (Plasmapherese) behandelt werden.
Als Basistherapie werden überwiegend Beta-Interferone oder Glatirameracetat verwendet. Diese Medikamente können Schübe verhindern und wirken sich wahrscheinlich langfristig positiv auf den Krankheitsverlauf aus. Patienten spritzen sie sich zumeist selbst. Andere Medikamente, wie Mitoxantron oder Natalizumab, wirken zumeist stärker als die Basismedikamente, haben jedoch auch häufiger schwere, zum Teil lebensgefährliche Nebenwirkungen.
Die "Krankheit mit den 1000 Gesichtern" benötigt häufig eine Vielzahl weiterer therapeutischer Maßnahmen. Dazu gehören zum Beispiel Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie oder auch Psychotherapie. Sie können durch die zusätzliche Einnahme von Medikamenten zur Behandlung von Symptomen zum Beispiel von Blasenstörungen oder Depressionen ergänzt werden.
Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.
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