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Knochen stärken

Alle zehn Jahre erneuert sich das menschliche Knochengerüst komplett. Es bleibt dabei stets stabil, wenn man das ein oder andere dafür tut.

Der Knochenabbau beginnt meist unbemerkt. Bereits ab einem Alter von 40 Jahren verschiebt sich das Gleichgewicht von Knochenauf- und -abbau, die Knochen beginnen, an Masse einzubüßen. Veranlagung, Ernährung und weitere Faktoren wie Bewegung spielen eine Rolle, in welchem Ausmaß und mit welcher Geschwindigkeit die Knochenmasse abnimmt. Etwa sechs Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer Osteoporose, schätzt der Deutsche Dachverband Osteologie. Vor allem Frauen sind betroffen, denn nach den Wechseljahren bilden sie weniger des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen, das auch für die Knochen wichtig ist. Aber auch einige Arzneimittel können – über längere Zeit eingenommen – den Knochenabbau beschleunigen. Zum Beispiel die sogenannten Glitazone, die bei Typ-2-Diabetes den Blutzucker regulieren, Protonenpumpenhemmer, die die Produktion der Magensäure drosseln, oder Cortison, das gegen Entzündungen hilft.

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Der Knochen lebt

Höchste Zeit, etwas für die Knochengesundheit zu tun. Bereits mit einfachen Mitteln lässt sich der Knochenaufbau unterstützen: So bildet der Körper selbst Vitamin D, wenn die Sonne ihn bescheint. Und bereits eine geringe sportliche Belastung spornt den Aufbau von Knochen und Muskulatur an. "Die positiven Effekte halten jedoch nur an, so lange man Sport treibt", betonte Professor Dr. med. Johannes Pfeilschifter, anlässlich des Fachpressegesprächs Osteologie in Frankfurt. "Wenn man aufhört, setzt der Abbau schnell wieder ein. Es gibt hier keinen Langzeiteffekt."

"Die Rolle des Vitamin D ist viel zu wenig bekannt", erläuterte der Essener Mediziner weiter. Der Körper benötigt es nach neueren Erkenntnissen nicht nur für den Einbau des Calciums in die Knochen. Es übernimmt auch Funktionen im Nervensystem und trägt dazu bei, Stürzen vorzubeugen. Denn es hilft, die Koordination der Bewegungen zu verbessern, um die im Alter so gefürchteten Oberschenkelhalsbrüche zu verhindern.

Zusätzlich benötigen die Knochen eines gesunden Erwachsenen rund 1000 Milligramm Calcium am Tag: ein Glas Milch, ein Joghurt und eine Scheibe Käse. Nicht immer schafft man es regelmäßig, sich im Freien zu bewegen und genügend Milchprodukte zu sich zu nehmen. "Zwanzig Minuten Sonne reichen nicht", betonte Pfeilschifter. Hier helfen Arzneimittel aus der Apotheke, einem Mangel vorzubeugen oder zu beheben. Der Apotheker berät gern, um die für den Einzelnen geeignete Dosierung herauszufinden.

Abbau aufhalten

Hat der Knochenabbau ein gewisses Maß überschritten, bleiben die Betroffenen zumeist von Schmerzen nicht verschont. Sie gilt es zu stillen. Denn heldenhaftes Ertragen aktiviert das Schmerzgedächtnis, was die Beschwerden zusätzlich verstärkt. Häufig führt dies dazu, dass der Patient nur noch mehr Schmerzmittel benötigt. Dazu kommt: Wer unter Schmerzen leidet, bewegt sich nicht gern. Bewegung kommt aber Muskeln und Knochen zugute.

Den Abbau der Knochen können auch Medikamente aufhalten. Hier stehen die sogenannten Bisphosphonate an erster Stelle, zum Beispiel Alendronat oder Risedronat, jeweils in Kombination mit Calcium. Ihre Nachteile: Der Körper kann sie nur schlecht aufnehmen, und sie können die Speiseröhre schädigen. Daher muss man sie eine Stunde vor dem Frühstück mit Leitungs(!)wasser einnehmen, aufrecht stehend oder sitzend, und man darf sich anschließend nicht wieder hinlegen. Inzwischen gibt es Zubereitungen, die nicht mehr täglich gegeben werden müssen. Das ebenfalls benötigte Calcium nimmt man zu einem späteren Zeitpunkt ein. Die früher verwendeten Fluoride und der Wirkstoff Calcitonin spielen in der heutigen Osteoporosebehandlung keine große Rolle mehr.

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