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Parodontitis nimmt Zähnen den Halt

Ein Haus braucht ein stabiles Fundament. So ist es auch mit unseren Zähnen. Die Zahnwurzel, das Bindegewebe und der Kieferknochen geben ihnen Halt. Dieser Halt geht durch eine Parodontitis verloren.

Ursache dafür ist eine durch Bakterien ausgelöste Entzündung des Zahnfleisches, die sich auf den Zahnhalteapparat ausweitet, bis die Zähne ins Wackeln geraten und ausfallen. Noch wenig bekannt ist, dass Parodontitis die Gesundheit des ganzen Menschen gefährdet. "Heute wissen wir, dass die Parodontitis Ausdruck einer Störung oder Erkrankung des Gesamtorganismus ist", erklärt Dr. Wolfgang Koch vom Verein Deutsche Parodontose Hilfe in Herne. "Zudem gibt es ein erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen."

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Bakterien leisten wichtige Arbeit

Grundsätzlich schaden die Bakterien in unserer Mundhöhle nicht. Sie leisten wichtige Arbeit, indem sie die Nahrung zerlegen und auf die Verdauung vorbereiten. Ihr Stoffwechsel hat aber eine Schattenseite: Es werden dabei Säuren ausgeschieden, die den Zahnschmelz attackieren. Diese Säuren bilden zusammen mit Milliarden von Bakterien sowie Bestandteilen unseres Speichels und zuckerhaltiger Nahrungsmittel einen gefährlichen Chemiecocktail: die sogenannte Plaque. Sie bedeckt nicht nur die Zahnoberflächen, wo sie Karies verursacht, sondern auch das Zahnfleisch. Die Erreger, die sich hier einnisten, versucht das Immunsystem, mittels einer Entzündungsreaktion loszuwerden. Dabei schwillt das Zahnfleisch an, rötet sich und beginnt zu bluten. Das erste Stadium der Parodontitis ist daher Zahnfleischbluten.

Wird die Plaque nicht entfernt, kann sich daraus Zahnstein entwickeln, der fest am Zahnfleischsaum haftet. Er schiebt das Zahnfleisch immer weiter zurück, bis die Zahnhälse frei liegen, und breitet sich auch unter dem Zahnfleisch aus. Das umliegende Gewebe lockert sich, und es entstehen Zahnfleischtaschen, in denen sich Speisereste ansammeln und Bakterien ungehindert vermehren können. Sie zerstören nicht nur das Bindegewebe, sondern sorgen – wenn nichts unternommen wird – schließlich für den Abbau des Kieferknochens. Dann droht der Verlust des Zahnes.

Es liegt nicht nur am Zähneputzen

"Früher glaubte man, dass die Parodontitis ein reines Hygieneproblem ist", informiert Koch. Heute weiß man, dass die Zahnpflege nicht die alleinige Ursache ist. Auch ist nur ein kleiner Teil der Bakterien, die in unserer Mundhöhle leben, für eine Parodontitis verantwortlich. Dass sie bei dem einen erheblichen Schaden anrichten, bei dem anderen nicht, hat vor allem mit der Immunabwehr zu tun. "Bei Patienten mit einer Parodontitis liegt meist eine allgemeine Immunschwäche vor", sagt Koch.

Diese kann verschiedene Ursachen haben. Beispielsweise spielen Lebensgewohnheiten eine große Rolle. Raucher haben ein 14-mal höheres Risiko, an einer Parodontitis zu erkranken. Nikotin schädigt die Schleimhäute und trocknet sie aus, hierdurch verlieren sie ihre Widerstandskraft gegen Bakterien. Auch Ernährungsfehler können die Entwicklung einer Parodontitis begünstigen. Bei nicht wenigen Patienten lässt sich ein Vitamin- und Mineralstoffmangel feststellen. Aber auch bereits bestehende Erkrankungen fördern eine Parodontitis. So sind Diabetiker besonders häufig betroffen. Die generell schlechtere Durchblutung führt häufig zu Problemen am Zahnfleisch, weil die Gefäße in diesem Bereich besonders fein sind. Forscher vermuten außerdem, dass die Parodontitis selbst Auslöser von Krankheiten und Ursache gesundheitlicher Komplikationen ist. "Erreger aus der Mundhöhle können in die Blutbahn und von dort in andere Teile des Körpers gelangen. Schlaganfall, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar Frühgeburten können Folge einer Parodontitis sein", weiß Koch.

Früh stoppen

Um Zahnverlust und weiteren gesundheitlichen Schäden vorzubeugen, muss eine Parodontitis so früh wie möglich behandelt werden. Zahnarzt beziehungsweise Parodontologe verfolgen dabei zwei Ziele: die Entzündung zu stoppen und die Abwehrkräfte des Patienten zu stärken.

Zu einer professionellen Parodontitis-Behandlung gehört nicht nur, den Zustand der Zähne zu erfassen und die Keime zu bestimmen, welche die Krankheit ausgelöst haben. Der Arzt wird den Patienten ganzheitlich betrachten, sich nach seinen Lebens- und Ernährungsgewohnheiten sowie Erkrankungen erkundigen. Je nach Ergebnis wird er dem Patienten raten, Verhaltensweisen zu ändern und weitere Spezialisten aufzusuchen. "Bei der Behandlung einer Parodontitis ist die vernetzte Zusammenarbeit der Ärzte sehr wichtig", betont Koch.

Nach Abklärung aller dieser Faktoren kann die eigentliche Parodontitis-Behandlung erfolgen, die heute dank moderner Methoden weitgehend schmerzfrei ist. Zahnfleischtaschen und Zahnwurzeln lassen sich mit feinsten Instrumenten und teilweise unter Einsatz der Lasertherapie sanft reinigen. Unterstützend müssen manche Patienten auch medikamentös, zum Beispiel mit einem Antibiotikum, behandelt werden. Nach einer solchen gründlichen Behandlung, die in der Regel mehrere Sitzungen in Anspruch nimmt, können die Betroffenen dann bald wieder ohne Bedenken in einen knackigen Apfel beißen.

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