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Schilddrüsenerkrankungen: die Unterschiede

Rund ein Drittel aller Bundesbürger hat eine krankhafte Veränderung der Schilddrüse. Die Erkrankungen lassen sich nicht leicht erkennen, da sie meistens schleichend verlaufen. Professor Dr. Dr. Dagmar Führer-Sakel, stellvertretende Direktorin der Klinik für Endokrinologie und Nephrologie am Universitätsklinikum Leipzig, erklärt die fünf wichtigsten Krankheitsbilder.

Kropf (Struma)

Der Kropf ist die in Deutschland häufigste Schilddrüsenerkrankung. Meist führt ein Jodmangel dazu. Die Schilddrüse bildet neues Gewebe, um die geringe Hormonproduktion auszugleichen. In fortgeschrittenem Stadium leiden die Betroffenen unter einem Engegefühl im Hals, Schluckbeschwerden und Luftnot. Zur Abklärung dienen Tast-, Blut- und Ultraschalluntersuchung. Bei der Therapie wird zunächst versucht, das Schilddrüsenvolumen durch Medikamente zu verringern. Behandlungsalternativen sind eine Radiojodtherapie oder eine Operation. Eine ausreichende Jodversorgung, etwa indem man zweimal pro Woche Fisch isst oder mithilfe von Jodidtabletten aus der Apotheke, beugt dem Kropf vor.

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Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Patienten mit einer Schilddrüsenüberfunktion produzieren zu große Mengen an Schilddrüsenhormonen. Die Folgen: Schwitzen, Zittern, Herzklopfen, Gewichtsverlust, Schwindel und Bluthochdruck. Der gesamte Organismus läuft auf Hochtouren, dadurch wird vor allem das Herz auf Dauer stark belastet. Die Diagnose erfolgt mittels Blut- und Ultraschalluntersuchung, die Behandlung durch Medikamente, die die Bildung beziehungsweise Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen unterdrücken.

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Im Falle einer Unterfunktion bildet die Schilddrüse zu wenig oder keine Hormone. Typische Symptome: Müdigkeit, Gewichtszunahme, Leistungs- und Konzentrationsschwäche sowie depressive Verstimmungen. Eine Hypothyreose kann verschiedene Ursachen haben. Häufig entsteht sie als Folge einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, der sogenannten Hashimoto-Thyreoiditis. Behandelt wird sie durch die tägliche Einnahme von synthetisch hergestelltem Schilddrüsenhormon, das die fehlenden körpereigenen Hormone ersetzt.

Heiße Knoten (Autonomes Adenom)

Heiße Knoten (Autonomes Adenom)
Heiße Knoten sind Gewebeveränderungen der Schilddrüse. Es handelt sich um Zellen, die unkontrolliert Hormone produzieren und deshalb häufig eine Schilddrüsenüberfunktion auslösen. Die Knoten lassen sich tasten und mithilfe einer Ultraschalluntersuchung gut sichtbar machen. Heiße Knoten sind so gut wie nie bösartig und werden durch eine Radiojodtherapie oder eine Schilddrüsenoperation behandelt.

Kalte Knoten (hypofunktionelle Knoten)

Durch den Einsatz schwach radioaktiver Substanzen ermöglicht eine spezielle Untersuchung, die Szintigrafie, eine Darstellung der Funktion des Schilddrüsengewebes. Dadurch lassen sich heiße und kalte Knoten unterscheiden. Bei so genannten kalten Knoten handelt es sich um inaktives Schilddrüsengewebe. Kalte Knoten können hin und wieder bösartig sein. Ihre Entwicklung gilt es, genau zu beobachten. Zur Abklärung sollten eine Gewebeprobe entnommen und verdächtige Knoten operativ entfernt werden.

Tipp: Essen für die Schilddrüse

Vorbeugend empfiehlt die Leipziger Schilddrüsenexpertin Professor Dr. Dr. Dagmar Führer-Sakel eine jodreiche Ernährung. Jod zählt zu den wichtigen Bausteinen des Körpers, um Schilddrüsenhormone zu bilden. Führer-Sakel rät Erwachsenen, täglich rund 150 Mikrogramm (millionstel Gramm) zu sich zu nehmen. Hauptlieferanten von Jod sind Seefische, Milch und mit Jodsalz hergestellte
Lebensmittel wie Brot, Backwaren, Wurst und Käse. Zudem lässt sich jodiertes Speisesalz oder bei Bedarf, etwa während der Schwangerschaft oder der Stillzeit, Jodidtabletten aus der Apotheke verwenden.

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