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Wie Appetit und Sättigung zusammenhängen

"Guten Appetit" wünscht man sich in geselliger Runde vor dem Essen. Eigentlich überflüssig, denn die meisten Menschen haben keine Probleme mit zu wenig Appetit. Hinter der scheinbar einfachen Beziehung von hungrig und satt verbergen sich komplizierte Abläufe zwischen Verdauungstrakt und Gehirn.

Frau mit Ananas

Gewohnheiten spielen eine große Rolle beim Essen: Wir essen, weil gerade Essenszeit ist, und nicht unbedingt, weil wir Hunger haben.
© mauritius images

Jeder kennt das: Je näher die gewohnte Essenszeit rückt, desto größer wird das Loch im Bauch. Wenn dann endlich das leckere Essen auf dem Tisch steht, wird ordentlich zugelangt. Satt und zufrieden kann man sich nun wieder anderen Dingen zuwenden, und der Gedanke an Essen rückt in weite Ferne. Allerdings dauert es meist nur ein paar Stunden, bis der Appetit zurückkommt.

Oberflächlich betrachtet entsteht der Eindruck, dass Hunger und Sättigung nur davon abhängen, wie voll der Magen ist. Leer = hungrig, voll = satt. Da dieses Wechselspiel viel zu ungenau wäre, um den Nahrungs- und Vitalstoffbedarf sinnvoll zu decken, überlässt der Körper diese überlebenswichtige Funktion dem Gehirn. Eine bestimmte Region im Zwischenhirn, die Hypothalamus genannt wird, misst den Energieumsatz und steuert dementsprechend die Nahrungsaufnahme. Der Hypothalamus ist dafür jedoch auf die Signale angewiesen, die er aus dem Magen-Darm-Trakt und dem Fettgewebe erhält. Während des Essens füllt sich der Magen langsam, und dieser Dehnungsreiz wird ebenso wie die Kaubewegungen an den Hypothalamus weitergeleitet. Das trägt dazu bei, dass das anfängliche Hungergefühl vergeht. Zusätzlich wird jedoch analysiert, woraus sich die Nahrung zusammensetzt. Der Darm gibt während der Verdauung bestimmte Hormone und Botenstoffe frei, die den Hypothalamus über die Art und Menge vieler der eingegangenen Nährstoffe informieren. Kurz nachdem die zerkleinerten Nahrungsbestandteile ins Blut übergetreten sind, registrieren zusätzlich spezielle Bindungsstellen, beispielsweise wie viel Zucker dort angekommen ist. Ab einer gewissen Konzentration melden sie Sättigung.

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Fettgewebe in der Kalkulation

Zusätzlich zu der aktuell aufgenommenen Nahrung bezieht der Körper auch die bestehenden Energiereserven in Form des Fettgewebes in die Kalkulation mit ein. Wie einige andere Organe auch, gibt das Fettgewebe Hormone in die Blutbahn ab. Eines davon heißt Leptin und trägt ebenfalls zur Sättigung bei. Dieses Hormon verstärkt zum Beispiel die Wirkung von satt machenden Substanzen im Gehirn oder unterdrückt Hungersignale.

Nach der Entdeckung des Leptins hofften die Forscher, diesen Stoff im Kampf gegen Übergewicht einsetzen zu können. Die Ergebnisse enttäuschten jedoch. Wegen der großen Menge an Fettzellen zirkuliert bei Übergewichtigen viel freies Leptin im Blut, aber sie haben nach wie vor guten Appetit. Neuere Forschungsarbeiten deuten nun darauf hin, dass Leptin nur effektiv wirkt, wenn es an einen speziellen Rezeptor gebunden vorliegt. Die Zahl dieser Bindungsstellen ist jedoch genetisch festgelegt. Das würde erklären, warum ein großer Überschuss an freiem Leptin keinen Einfluss auf das Hungergefühl hat.

Netzwerk regelt die Energieaufnahme

Durch intensive Grundlagenforschung formt sich mittlerweile das Bild eines riesigen, verschachtelten Netzwerks von Hormonen und Botenstoffen, die fein aufeinander abgestimmt Hunger und Sättigung und somit die Energieaufnahme des Körpers regeln. Dieses System ist darauf programmiert, das bestehende Körpergewicht konstant zu halten, egal ob es zu hoch oder genau richtig liegt. In diesen Regelkreis einzugreifen, um etwa Übergewichtigen beim Abnehmen zu helfen, ist für die Medizin bisher kaum möglich. Auch mit reiner Willenskraft lässt sich übermäßiges Essen nur schwer zügeln. Auf die Dauer gelingt es kaum, auf einen großen Teil der Nahrung zu verzichten, eher schon, den Kalorienbedarf durch zusätzliche körperliche Anstrengung zu erhöhen. Die derzeit beliebten Glyx-Diäten beruhen auf dem Versuch, wenigstens das Insulin als einen der hauptsächlichen Hungerverursacher zurückzudrängen.

Der Hunger ist ein Gewohnheitstier

Erschwerend kommt hinzu, dass auch Gewohnheiten und erlernte Handlungsweisen großen Einfluss auf das Essverhalten nehmen. Wir essen einfach, weil Essenszeit ist oder weil andere gerade auch am Tisch sitzen. Die Chips zum Fernsehen oder den Keks zum Kaffee haben wir uns über Jahre geradezu antrainiert. Und natürlich wird der Teller immer leer gespachtelt, egal wie voll er ist. Über den Appetit hinaus zu essen, fällt den meisten nicht schwer. Verständlich, denn in der langen Geschichte der Menschheit war das opulente Nahrungsangebot, das sich heute einem Teil der Weltbevölkerung bietet, immer die Ausnahme.

Obwohl das Appetit-/Sättigungsnetzwerk so schwer auszuhebeln ist, gibt es Wege, ohne Qual auf lange Sicht überschüssiges Körperfett loszuwerden:

  • Essen Sie nur, wenn Sie wirklich Hunger haben und nicht nur "Schmacht".
  • Ernähren Sie sich abwechslungsreich und gesund.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig.
  • Ersparen Sie Ihrem Körper die eine oder andere Nascherei (ein statt drei Stück Zucker im Kaffee genügt).

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