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Wechseljahrsbeschwerden

Manche Frauen spüren es schon zu Beginn des 40. Lebensjahres, andere erst um das 50. herum: Es tut sich was im Körper. Wie zur Zeit der Pubertät will er sich erneut für eine weitere Entwicklungsphase verändern. Das verläuft sehr unterschiedlich. Manchmal fast unbemerkt, oft mit Beschwerden bis hin zur Beeinträchtigung der Lebensqualität. Drei Betroffene schildern, wie sie damit umgehen.

Beim Übergang von der fruchtbaren zur unfruchtbaren Zeit spielt der Körper manchmal regelrecht verrückt. Das liegt an den Hormonen, die ihn kontrollieren. Während in der Pubertät die Ausschüttung der Sexualhormone langsam ansteigt und sich die Geschlechtsmerkmale ausprägen, legt die Hormonproduktion nun den Rückwärtsgang ein. Hauptquelle für die weiblichen Hormone Östrogen und Gestagen sind die Eierstöcke, doch auch andere Organe bilden diese weiblichen und daneben in geringerem Maße männlichen Hormone. Gesteuert wird das ganze Zusammenspiel durch einen übergeordneten Teil im Gehirn.

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Misst dieser einen Abfall von Östrogen und Gestagen im Blut, schüttet er Hormone aus, die die Eierstöcke zur Produktion zwingen sollen. Doch die Antwort wird in fortgeschrittenem Alter immer schwächer. Das Einpendeln dieses Ungleichgewichtes geschieht schubweise und über fünf bis zehn Jahre, eben die Wechseljahre, das Klimakterium. Die Symptome sind dabei individuell unterschiedlich und treten individuell äußerst verschieden stark ausgeprägt auf.

"Ich habe vor allem gemerkt, dass meine Röcke und Hosen plötzlich nicht mehr passten – und das bei gleichbleibendem Gewicht!", sagt Vera S. Sie wirkt immer noch schlank, lebhaft und sportlich, was sie als alleinerziehende Mutter einer quirligen Achtjährigen auch sein muss. Was sie berichtet, die Umverteilung oder Vermehrung des Körperfettes, ist eine der möglichen ersten Folgen der Wechseljahre. Da sie jedoch nicht zugenommen hat, stört es sie wenig. Sonstige Beschwerden verspürt Vera nicht, und sie meint lachend: "Wahrscheinlich habe ich dafür gar keine Zeit!"

Unterschiedliche Beschwerden

Karin U. hingegen klagt: "Bei mir fing es schon mit 43 Jahren an. Ich nehme immer weiter zu, und Diät ist praktisch sinnlos." Dabei hat sie schon viel ausprobiert. Leider ist sie nicht besonders sportlich und hat zudem eine sitzende Tätigkeit im Büro. Sport aber wäre jetzt wichtiger denn je! Der Mangel an Östrogenen wirkt sich nämlich auch auf den Knochenstoffwechsel aus: Die Knochen geben mehr Calcium ab als sie aufnehmen. So lässt die Festigkeit der Knochen allmählich nach, und es steigt das Risiko für Knochenschwund (Osteoporose). Sport kann außerdem den Zuckerhaushalt und Fettstoffwechsel verbessern sowie den Blutdruck senken. Das ist besonders wichtig, da die Schutzfunktion der Östrogene nun nachlässt. Frauen nach dem Klimakterium sind genauso vom Herzinfarkt bedroht wie Männer. Vor allem, wenn sie erblich vorbelastet sind, rauchen oder fettreich essen. Karin U. hat es wirklich nicht leicht, da sie seit einiger Zeit auch unter Hitzewallungen und Herzrasen leidet. "Mir war das bei Besprechungen schon richtig peinlich, wenn ich plötzlich einen knallroten Kopf bekam und mir der Schweiß auf der Nase perlte. Meine Sachen waren oft ganz durchgeschwitzt!" Allerdings hat sie diese Symptome jetzt mit einer Östrogen-Gestagen-Kombination ganz gut im Griff.

Seele in Not

Michaela M. würde gerne mit ihr tauschen, denn ihre Beschwerden liegen mehr auf seelischem Gebiet. Sie ist 52, und die Kinder sind seit einem Jahr alle aus dem Haus. "Wahrscheinlich ist es das leere Nest, das mich so fertig macht! Mein Mann ist beruflich viel unterwegs, und ich sitze daheim und grüble", sagt sie. Irgendwie fehlt ihr jeglicher Antrieb, etwas zu ändern. Auch Vera und Karin, die mit ihr befreundet sind, können sie nicht aktivieren. Ganz selten ist Michaela zum Ausgehen zu bewegen, meistens lehnt sie ab, fühlt sich schlapp, müde und ausgepumpt. Da sie Hormone ablehnte, nimmt sie jetzt ein Johanniskraut-Medikament. "Das brauchte zwar lange, bis es wirkte, aber ich meine, mir geht es jetzt schrittweise besser", stellt Michaela fest.

Die Symptome des Klimakteriums sind schon seit Jahrhunderten bekannt. So setzt man schon seit langer Zeit eine Pflanze ein, die im Körper östrogenartige Wirkung entfaltet, die Traubensilberkerze oder Cimicifuga racemosa. Mit Rotklee und Mönchspfeffer stehen weitere pflanzliche Medikamente zur Verfügung. Über chemisch-synthetische Hormongaben sollte man sich gründlich mit dem behandelnden Arzt beraten, sie sollten nur in schweren Fällen zum Einsatz kommen. Gegen ein lokal anzuwendendes Östrogenpräparat, zum Beispiel für mehr Scheidenfeuchtigkeit, ist nichts einzuwenden. Den seelischen Beschwerden ist schwierig beizukommen. Wenn sie sich nicht auf die vorher genannten Medikamente hin bessern, kann man es mit Johanniskraut-Präparaten versuchen. In schweren Fällen kann allerdings die Einnahme eines verschreibungspflichtigen Antidepressivums sinnvoll sein.

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