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Glückliches Paar

Gute Stimmung ist ansteckend. Angehörige und Freunde können viel dazu beitragen, trübe Gedanken zu verscheuchen.
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Was auf die Stimmung wirkt

Gefühle und Stimmungen begleiten den Menschen in jeder Minute seines Lebens. Ein stetes Auf und Ab ist dabei normal, nicht jedoch ein unentrinnbares Dauertief wie bei Depressionen. Wie das Gehirn Stimmungen beeinflusst und wo man ansetzen kann, um dauerhafte Entgleisungen wieder ins Lot zu bringen, erfahren Sie in diesem Artikel.

An der Nahtstelle zwischen Stammhirn und Vorderhirn befindet sich das so genannte limbische System. Besäße der Mensch diese kompliziert organisierte Hirnstruktur nicht, ließe ihn selbst die so tragische Beziehung zwischen Scarlett O’Hara und Rhett Butler in "Vom Winde verweht" völlig ungerührt.

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Stimmungsvolle Zusammenarbeit

Trauer, Wut, Neid und Freude: An all diesen starken Gefühlen haben die Nervenzellen des limbischen Systems ihren Anteil. Sie stehen durch zahlreiche Fasern untereinander und mit anderen Teilen des Gehirns in wechselseitiger Kontakt. Besonders wichtig: Die Verbindung zum so genannten Hypothalamus, der viele mit Gefühlen verbundene Reaktionen des Körpers veranlasst, bei Furcht etwa die Freisetzung von Stresshormonen.

Sowohl im limbischen System als auch im Hypothalamus finden sich Andockstellen für zahlreiche Hirnbotenstoffe. So zum Beispiel für Endorphine, Noradrenalin oder Serotonin. Es liegt daher nahe zu vermuten, dass die sorgfältig ausbalancierten Einflüsse solcher Botenstoffe für die "Seelenlage" des Menschen eine wichtige Rolle spielen und diese auch erheblich durcheinander bringen können.

Dafür spricht auch die Wirkungsweise bestimmter Arzneistoffe gegen Depressionen. Sie sorgen dafür, dass die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin in vielen Teilen des Gehirns in größerer Menge vorliegen und bessern dadurch die negative Stimmungslage depressiver Patienten.

Sehr viele Menschen leiden unter Depressionen

Dass es für psychische Erkrankungen wie Depressionen eine "körperliche" Grundlage gibt, entkräftet den oft geäußerten Vorwurf an die Betroffenen, sich nur nicht richtig zusammenzureißen. Zusätzliches Selbstbewusstsein können besonders depressive Menschen auch aus der Erkenntnis schöpfen, mit ihrem Problem nicht alleine dazustehen: Immerhin 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung leiden zumindest einmal im Leben an einer Depression.

Die Behandlung und Diagnose von Depressionen sollte ein erfahrener Arzt vornehmen, schon um die Schwere und die verschiedenen Formen dieser Erkrankung richtig einzuschätzen und eine angemessene Behandlung einzuleiten. Damit Betroffene aber überhaupt an diesen Punkt kommen, müssen sie ihre seelischen Probleme erst einmal als Krankheit erkannt haben.

Auf folgende Alarmzeichen sollte man bei sich und seinen Mitmenschen achten:

Wenn einige oder gar viele dieser Symptome über mehr als zwei Wochen auftreten, empfiehlt es sich, einen Arzt oder Psychologen aufzusuchen.

  • bleierne Müdigkeit und innere Unruhe
  • verringerte Konzentrationsfähigkeit
  • mangelndes Selbstvertrauen
  • starke Unsicherheit bei Entscheidungen
  • andauernde Schlafstörungen
  • verminderter Appetit
  • vermehrt Schuldgefühle und Selbstkritik
  • Interessen- und Freudlosigkeit
  • Unfähigkeit, sich ablenken zu können
  • eine anhaltend gedrückte Stimmung
  • negative Einschätzung der eigenen Zukunft
  • tiefe Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit
  • Todes- beziehungsweise Selbstmordgedanken

Bei Kindern können neben den genannten Anzeichen Spiel- und Lernhemmungen, Nägelknabbern, Schulangst und Außenseitertum auf Depressionen hindeuten.

Auswege aus dem grauen Einerlei

Wer die Liste möglicher Warnzeichen für Depressionen aufmerksam durchgelesen hat, könnte nur allzu leicht zur Überzeugung gelangen, selbst betroffen zu sein. Doch man sollte wissen, dass selbst starke negative Gefühle normal und Teil unseres Daseins sind. Kaum jemand geht stets nur froh gelaunt durchs Leben. Bedenklich wird es erst, wenn man aus einem Stimmungstief nicht mehr aus eigener Kraft herauskommt, wenn es sehr lange anhält, man sich nicht mehr ablenken kann und alle Aspekte des eigenen Lebens grau in grau sieht. Doch selbst dann gibt wirksame Hilfe, wenn man nur bereit ist, sich einem Arzt anzuvertrauen.

Hat man sich als Betroffener einmal entschlossen, seine Depressionen zu überwinden, stehen viele Wege offen. Wichtig ist in jedem Fall eine psychologische Behandlung, um den Betroffenen die Kraft zu geben, aus eigenem Antrieb und dauerhaft gegen ihr Leiden anzukämpfen und Hilfe durch Freunde oder Angehörige anzunehmen. Erste Erfolge können dabei eine entscheidende Starthilfe sein, und diese erreicht man häufig durch den Einsatz von Medikamenten.

Pflanzliche Präparate bei leichten Depressionen

Neben Wirkstoffen, die auf die Hirnbotenstoffe Serotonin oder Noradrenalin wirken, kann der Arzt auch so genannte Stimmungsstabilisierer verordnen, deren Wirkungsweise sehr unterschiedlich ist. Vielen Patienten helfen außerdem pflanzliche Mittel, allen voran Extrakte des Johanniskrautes. Welches Medikament im Einzelfall sinnvoll ist, muss der Arzt entscheiden.

Aber nicht nur Arzneimittel lindern Depressionen, sondern auch ein mit dem Arzt abgesprochener Schlafentzug oder Sport. Denn die Erfahrung, körperlich leistungsfähig zu sein, schafft Selbstvertrauen. Zudem besteht die Möglichkeit, das Gehirn von außen elektrisch oder durch Magnetfelder zu reizen und damit eine vorrübergehende Besserung der Stimmung zu erzielen.

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