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Auto und Fußgänger am Zebrastreifen

Fahrer teurer Luxuskarossen sind im Straßenverkehr rücksichtsloser. Viele von ihnen ignorieren Fußgänger, die den Zebrastreifen überqueren wollen.
© Václav Mach - Fotolia

Di. 28. Februar 2012

Schlechte Manieren der oberen Zehntausend

Vorfahrt genommen, am Zebrastreifen Fußgänger stehen lassen: "Typisch XYZ", heißt es dann oft. Statt XYZ können Sie eine beliebige Nobelautomarke einsetzen. Tatsächlich verhalten sich Menschen höherer sozialer Schichten, die meist am Steuer solcher Wagen sitzen, im Straßenverkehr rücksichtsloser. Und nicht nur dort. Das sagen amerikanische Wissenschaftler aufgrund einer ganzen Studienserie.

Jesus Christus hatte eine dezidierte Meinung zur Moral in höheren sozialen Schichten: "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt", soll er laut Bibel zu seinen Jüngern gesagt haben. Psychologen aus USA stimmen ihm zu. Sie hatten in sieben verschiedenen Studien das Verhalten von mehreren Hundert Menschen verschiedensten Alters, Geschlechts und sozialer Herkunft analysiert.

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Besonders plakativ sind die Ergebnisse ihrer Verkehrsbeobachtung: Zwei Nachmittage lang notierten Sie an einer Kreuzung in San Francisco, wer anderen Verkehrsteilnehmern die Vorfahrt nahm. Je nach dem geschätzten Wert der Fahrzeuge ordneten sie diese einer von fünf Klassen zu. Es zeigte sich, dass die Fahrer der Fahrzeuge, die der höchsten sozialen Schicht zugeordnet wurden, anderen am häufigsten die Vorfahrt abschnitten - immerhin in knapp 30 Prozent der Fälle. Beim Zebrastreifentest sah es noch verheerender aus: In weit über 40 Prozent der Fälle fuhren die Fahrer der zwei höchsten Fahrzeugklassen einfach durch, ohne die wartenden Fußgänger zu beachten.

Auch andere Tests zu Großzügigkeit, Schummelei im Spiel und Gier zeichneten kein vorteilhaftes Bild von Menschen in höheren sozialen Schichten. Die Studienautoren führen dieses Verhalten darauf zurück, dass reiche Menschen eher an sich selbst interessiert seien und Gier nicht unbedingt negativ bewerteten. Sie seien durch weniger Zwänge gebunden, wodurch sie weniger Risiken in unethischem Verhalten sähen. Natürlich dürfe man das nicht verallgemeinern: "Es existiert keine grundsätzliche oder notwendige Verbindung zwischen sozialer Schicht und unethischem Verhalten", betonten die Forscher. Es gebe immer Ausnahmen.

RF

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