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Die gesundheitspolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen beantworten ausgewählte Bürgerfragen (von links: Karl Lauterbach (SPD); Biggi Bender (Bündnis 90/Die Grünen); Heinz Lanfermann (FDP); Martina Bunge (DIE LINKE); Jens Spahn (CDU)).
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Do. 12. September 2013

Teil 4: Gibt es zu viele Krankenkassen?

Heute widmen sich die fünf gesundheitspolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen der Frage nach den Kosten der Krankenkassen für Bürokratie. Würde es das Kassensystem effizienter machen, wenn die Zahl der Kassen sinken würde?

Heute fragt Michael Pilz, 49, aus Braunschweig:

Michael Pilz, 49, aus BraunschweigWäre es nicht effizienter die Anzahl der Krankenkassen zu reduzieren, um die Kosten für den Personaleinsatz in diesen Kassen stark zu reduzieren?

Dr. Martina Bunge MdB, DIE LINKE:

Im Bereich der Krankenkassen gibt es sicherlich Effizienzreserven. Würde der Wettbewerb unter den Kassen nicht so gefördert, könnten die Werbeausgaben wegfallen. Die Hälfte der Mitarbeiter in der PKV ist nur damit beschäftigt, Versicherungsverträge zu verkaufen. Daher sind die Verwaltungskosten in der PKV viel höher als in der GKV. Dies hätte sich mit der Bürgerversicherung der LINKE und durch die Abschaffung der PKV erledigt. Ein Sparbeitrag könnte auch die weitere Reduzierung der Kassenanzahl leisten. Allerdings sollte dies eine geordnete Reduzierung sein und nicht durch Kassenpleiten geschehen, die die Versicherten nur in Angst und Unsicherheit versetzen.

Jens Spahn MdB, CDU:

Wir stehen für den Wettbewerb auch unter den Krankenkassen. Dieser hat seit seiner Einführung im Jahr 1995 dazu geführt, dass sich die damalige Zahl der Krankenkassen von rund 960 auf 134 am 1. Januar 2013 reduziert hat. Die gesetzlich eingeführte Option der Fusion von Kassen wird damit genutzt. Wir gehen davon aus, dass der Wettbewerb die Anzahl der Kassen entscheiden wird. Eine gesetzliche Vorgabe halten wir vor diesem Hintergrund für entbehrlich.

Professor Dr. Karl Lauterbach MdB, SPD:

In den letzten Jahren hat der Wettbewerb im Kassensystem dazu geführt, dass zahlreiche unwirtschaftliche Kassen vom Markt verschwunden sind. Alle Kassen sind dazu angehalten, unnötige Personalkosten zu vermeiden und wirtschaftlich mit den Beiträgen ihrer Mitglieder umzugehen. Sie müssen aber auch in der Lage sein, die ihnen übertragenen Aufgaben zu erfüllen und die Erwartungen ihrer Mitglieder zu erfüllen.

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Biggi Bender MdB, Bündnis 90/Die Grünen:

Wir glauben nicht, dass sich so große Einsparungen erreichen ließen. Denn: Je weniger Krankenkassen, desto weniger Konkurrenz und gerade große Organisationen, die sich nicht dem Wettbewerb stellen müssen, neigen zum Bürokratie-Wachstum. Im Übrigen ist der Verwaltungskosten-Anteil in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht besorgniserregend. Er bewegt sich seit Jahren um die 5,5 Prozent. In der privaten Krankenversicherung ist er ungefähr doppelt so hoch.

Heinz Lanfermann MdB, FDP:

Die FDP setzt auf ein freiheitliches, vielfältiges und wettbewerblich orientiertes Krankenversicherungssystem. In einem wettbewerblichen System sind in erster Linie die Krankenkassen selbst gefordert, durch die Schaffung effizienter Verwaltungsstrukturen unnötige Kosten einzusparen. Die Anzahl der Krankenkassen hat sich im Laufe der letzten Jahre ständig reduziert. Der Konzentrationsprozess hat durch zahlreiche Krankenkassenfusionen in Folge des Wettbewerbsstärkungsgesetzes eine neue Dynamik bekommen. Dies zeigt, dass der Wettbewerb zwischen den Krankenkassen wirkt.

Die komplette Serie bei aponet.de

Hier finden Sie weitere Folgen der Serie "Bürger fragen, Politiker antworten", sofern bereits veröffentlicht:

Copyrights: Logo: Gesundheit wählen; Prof. Dr. Karl Lauterbach: Deutscher Bundestag/Thomas Imo/photothek.net; Biggi Bender: Laurence Chaperon; Heinz Lanfermann: Deutscher Bundestag/Lichtblick/Achim Melde; Dr. Martina Bunge: Deutscher Bundestag/H.J.Müller; Jens Spahn: Stephan Baumann

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