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Die gesundheitspolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen beantworten ausgewählte Bürgerfragen (von links: Karl Lauterbach (SPD); Biggi Bender (Bündnis 90/Die Grünen); Heinz Lanfermann (FDP); Martina Bunge (DIE LINKE); Jens Spahn (CDU)).
© Fotocollage: aponet.de; einzelne Copyrights: s.u.

Fr. 13. September 2013

Teil 5: Mehr Studien zu Alternativmedizin

Viele Patienten wünschen sich alternativmedizinische Behandlungsmethoden. Doch vielen davon mangelt es an wissenschaftlich fundierten Wirksamkeitsnachweisen. Im fünften Teil der Serie "Bürger fragen, Politiker antworten" zeigen die Gesundheitspolitiker wie es um die Förderung von entsprechenden Forschungsprojekten bestellt ist.

Heute fragt Dagmar Edinger, 50, aus Roschbach:

Dagmar Edinger, 50, aus RoschbachWarum haben alternativmedizinische Themen bei Forschungsaufträgen bzw. Studien so einen geringen Stellenwert?

Jens Spahn MdB, CDU:

Diese Behauptung, es würde im Bereich Alternativmedizin nicht genug geforscht, kann ich weder bestätigen noch nachvollziehen. Das federführende Forschungsministerium BMBF fördert die Gesundheitsforschung im Zeitraum von 2011 bis 2014 mit rund 5,5 Milliarden Euro. Mit dem 2010 verabschiedeten "Rahmenprogramm Gesundheitsforschung" richtet die Bundesregierung die Gesundheitsforschung neu aus und legt den Schwerpunkt auf die Erforschung der sogenannten Volkskrankheiten. Wie genau die Mittel angelegt werden, wird in einem eigens eingerichteten Gesundheitsforschungsrat diskutiert. Ich habe vielmehr den Eindruck, es fehlt nicht an Forschung, sondern an der Umsetzung der Forschungsergebnisse in den Versorgungsalltag. Hier müssen wir in Zukunft noch mehr tun.

Professor Dr. Karl Lauterbach MdB, SPD:

Studien zu Einsatz und Nutzen von alternativmedizinischen Behandlungsverfahren sind grundsätzlich über die Projektförderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung förderfähig. Für eine erfolgreiche Bewerbung um die knappen Fördermittel bedarf es jedoch engagierter Forscherinnen und Forscher und der Ausarbeitung von wissenschaftlich fundierten Forschungsdesigns. Wir als SPD streben an, dass sich mehr Medizinerinnen und Mediziner in der Forschung engagieren mit dem Ziel, neue Ansätze aus Wissenschaft und Forschung zügiger in den klinischen und medizinischen Alltag zu bringen.

Biggi Bender MdB, Bündnis 90/Die Grünen:

Die weitaus meisten Studien etwa zu Arzneimitteln werden von der Pharmaindustrie durchgeführt. Und die investiert vor allen in solche Therapierichtungen, mit denen sich viel Geld verdienen lässt. Dazu zählt die Alternativmedizin aber nicht. Deshalb ist dieser Bereich auf die staatliche Forschungsförderung angewiesen. In unserem Wahlprogramm fordern wir, dass für die Alternativmedizin öffentliche Forschungsgelder zur Verfügung gestellt werden.

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Heinz Lanfermann MdB, FDP:

Die FDP ist ein großer Verfechter der Naturheilkunde als sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin. Zwischen schulmedizinischen und alternativen Heil- und Behandlungsmethoden muss es einen qualitätsorientierten Wettbewerb und in diesem Zusammenhang auch Chancengerechtigkeit geben. Damit auch im Bereich der Komplementärmedizin wissenschaftlich fundierte Wirksamkeitsnachweise erbracht werden können, muss deutlich mehr, als dies bisher getan wurde, in die Forschung und Lehre der Komplementärmedizin investiert werden. Die ganzheitliche Medizin genießt eine große Akzeptanz in der Bevölkerung. In den nächsten Jahren wird es darauf ankommen, diese auch wissenschaftlich weiterzuentwickeln. Vor diesem Hintergrund begrüßt die FDP ganz besonders die Pilotprojekte einzelner Krankenkassen, alternative Heilmethoden im Rahmen von Modellvorhaben zu erproben und die Erprobung wissenschaftlich zu begleiten.

Dr. Martina Bunge MdB, DIE LINKE:

Im Gegensatz zu vielen anderen Staaten, wie den USA, findet die Forschung zur Alternativmedizin in Deutschland kaum statt. Auf unsere Anfragen hin, sagt die Bundesregierung, dass ja die Möglichkeit bestünde auch zur Alternativmedizin Forschungsanträge zu stellen. Unseres Erachtens reicht das bei weitem nicht aus. Die Forschung zur konventionellen Arzneimitteltherapie wird oft mit viel Geld aus der Pharmaindustrie durchgeführt. Diese können nach Entwicklung eines neuen Arzneimittels auf hohe Gewinne hoffen, da ihre Arzneimittel zulasten der GKV verordnet werden können. Dies ist bei den meisten Alternativverfahren und -arzneimitteln nicht der Fall. DIE LINKE fordert daher eine Ausweitung einer pharmaunabhängigen, d.h. durch die öffentliche Hand finanzierte Forschung. Hier könnten auch alternative Heilformen und Heilmittel unabhängig von den Gewinnaussichten erforscht werden.

Die komplette Serie bei aponet.de

Hier finden Sie weitere Folgen der Serie "Bürger fragen, Politiker antworten", sofern bereits veröffentlicht:

Copyrights: Logo: Gesundheit wählen; Prof. Dr. Karl Lauterbach: Deutscher Bundestag/Thomas Imo/photothek.net; Biggi Bender: Laurence Chaperon; Heinz Lanfermann: Deutscher Bundestag/Lichtblick/Achim Melde; Dr. Martina Bunge: Deutscher Bundestag/H.J.Müller; Jens Spahn: Stephan Baumann

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