Sie sind in: Startseite Aktuelles Aus Gesellschaft und Politik Frage 7: Mehr Kassenleistungen?

Aktuelles

Logo der Serie

Die gesundheitspolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen beantworten ausgewählte Bürgerfragen (von links: Karl Lauterbach (SPD); Biggi Bender (Bündnis 90/Die Grünen); Heinz Lanfermann (FDP); Martina Bunge (DIE LINKE); Jens Spahn (CDU)).
© Fotocollage: aponet.de; einzelne Copyrights: s.u.

Mo. 16. September 2013

Teil 7: Mehr Kassenleistungen?

In Zeiten leerer Kassen werden die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen gekürzt. Wäre es da nicht logisch, in guten Zeiten den Leistungskatalog wieder zu erweitern? So stehen die großen Parteien dazu.

Heute fragt Dr. Stefan Naaber, 52, aus Magdeburg:

Dr. Stefan Naaber, 52, aus MagdeburgEs hat vor ca. sechs Jahren Leistungskürzungen in Höhe von fünf Milliarden Euro bei den gesetzlichen Krankenversicherungen gegeben. Warum wird in Zeiten der vollen Kassen eine Rücknahme dieser Leistungskürzungen nicht diskutiert?

Biggi Bender MdB, Bündnis 90/Die Grünen:

In unserem Bürgerversicherungsmodell sehen wir eine Abschaffung der Zuzahlungen zum Beispiel für Arzneimittel vor. Menschen mit geringen Einkommen sollen nicht darüber nachdenken müssen, ob sie sich einen Arztbesuch leisten können. Darüber hinaus müssen Leistungsverbesserungen aber genau überlegt sein. Denn die Anforderungen an die Gesundheitsversorgung werden in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen. Aber die derzeitigen Überschüsse in der gesetzlichen Krankenversicherung sind nur ein flüchtiges Übergangsphänomen. Dauerhaft lässt sich mit ihnen nichts finanzieren.

Heinz Lanfermann MdB, FDP:

Die mit dem GKV-Modernisierungsgesetz vorgenommenen Leistungskürzungen wurden von der FDP nie unterstützt. Mit Abschaffung der Praxisgebühr ist es der FDP gelungen, eine damals eingeführte unsinnige Zuzahlung, die die Menschen erheblich belastet hat, wieder abzuschaffen und die Versicherten damit unmittelbar an der guten Finanzlage der Krankenkassen teilhaben zu lassen. Darüber hinaus haben wir in vielen Bereichen die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung ausgebaut. So können die Krankenkassen beispielsweise seit Anfang 2012 ihren Versicherten ein breitgefächertes zusätzliches Leistungsangebot über den Pflichtleistungskatalog hinaus als Satzungsleistungen anbieten. Dies betrifft auch Leistungsbereiche, die von der damaligen rot-grünen Regierung aus dem Leistungskatalog ausgeschlossen wurden.

Dr. Martina Bunge MdB, DIE LINKE:

DIE LINKE fordert die Rücknahme sämtlicher Leistungskürzungen und die Abschaffung der Zuzahlungen. Die Sparmaßnahmen sind erfolgt, um einen Anstieg der Kassenbeiträge zu verhindern. Dabei wird immer außer Acht gelassen, dass die Beiträge nicht gestiegen sind, weil die Menschen kränker sind oder die Medizin zu teuer geworden ist, sondern weil die Kassenbeiträge in der GKV nur auf Lohneinkommen erhoben werden. Die Lohneinkommen stagnieren seit geraumer Zeit, während immer mehr Einkommen durch Kapital- und Zinserträge erzielt wird. Die Einbeziehung dieser Einkommen in die Verbeitragung, wie es DIE LINKE mit der Bürgerversicherung fordert, schafft dauerhaft den finanziellen Spielraum, um die Kürzungen zurückzunehmen.

Anzeige

Jens Spahn MdB, CDU:

Die letzten Leistungskürzungen wurden zum 01.01.2004 unter anderem mit der Herausnahme der Brillen durchgeführt. Seit Regierungsbeteiligung der Union im Jahre 2005 wurden bei keiner Reform im Gesundheitswesen Leistungen herausgenommen sondern im Gegenteil neue Leistungen, wie z.B. ambulante Hospizleistungen, aufgenommen.

Professor Dr. Karl Lauterbach MdB, SPD:

Viele Leistungskürzungen sind zur Konsolidierung der gesetzlichen Krankenversicherung notwendig gewesen. Das gesamte Leistungsspektrum folgt den Kriterien der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit durch die unabhängige gemeinsame Selbstverwaltung. Auch wenn die Kassen zur Zeit gut gefüllt sind, muss darauf geachtet werden, das Leistungsausweitungen diesen Kriterien entsprechen. Trotzdem müssen Patienten und Patientinnen natürlich die Leistungen erhalten, die für ihre Krankheitsbehandlung erforderlich sind.

Die komplette Serie bei aponet.de

Hier finden Sie weitere Folgen der Serie "Bürger fragen, Politiker antworten", sofern bereits veröffentlicht:

Copyrights: Logo: Gesundheit wählen; Prof. Dr. Karl Lauterbach: Deutscher Bundestag/Thomas Imo/photothek.net; Biggi Bender: Laurence Chaperon; Heinz Lanfermann: Deutscher Bundestag/Lichtblick/Achim Melde; Dr. Martina Bunge: Deutscher Bundestag/H.J.Müller; Jens Spahn: Stephan Baumann

Der aponet.de-Newsletter

Sie interessieren sich für aktuelle Gesundheits-Nachrichten? Probieren Sie das kostenfreie Newsletter-Abonnement von aponet.de und verpassen Sie keine Meldung mehr.

Gesellschaft und Politik

Aktuelle Meldungen aus dieser Rubrik

Parodontitis: Therapie kommt oft zu spät

Viele Betroffene verlieren ihre Zähne, weil die Behandlung nicht rechtzeitig begonnen hat.

„Apotheker müssen zusammenhalten“

Ein Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Medikamente bleibt oberstes Ziel der Apotheker.

Mehr Angestellte in weniger Apotheken

Das geht aus dem Apothekenwirtschaftsbericht 2017 des Deutschen Apothekerverbands hervor.

Weniger Kinder gegen Masern geimpft

Experten weisen anlässlich der Europäischen Impfwoche auf heikle Impflücken hin.

Jürgen Marcus tritt nie wieder auf

Eine Lungenerkrankung zwingt ihn, sich aus dem Musikgeschäft zurückzuziehen.

Arzneimittelausgaben mindern die Steuer

Wer Gesundheitskosten in der Steuererklärung angibt, kann evtl. Steuern sparen.

Tetesept ruft Hustensaft zurück

In eine Charge des Produkts können möglicherweise Glassplitter geraten sein.

Apotheken-Notdienst zu Ostern 2017

Auf aponet.de erfahren Sie, welche Apotheke in Ihrer Nähe an den Feiertagen geöffnet hat.

Wahl 2017: Apotheker legen Kernthesen vor

Deutschlands Apotheker haben ein Positionspapier zur Bundestagswahl veröffentlicht.

Tablettensucht ist weit verbreitet

In Deutschland sind sogar mehr Menschen von Medikamenten abhängig als von Alkohol.

Wie Bewegung bei Parkinson hilft

Durch gezieltes Training lernen Patienten, mit der Krankheit besser umzugehen.

Höhenkrankheit: Sportler gesucht

Für eine Studie werden Läufer und Mountainbiker gesucht, die den Ki­li­ma­nja­ro besteigen.

Einen Überblick über alle Nachrichten bekommen Sie auf aponet.de unter Aktuelles.

Anzeige

Verstehen Sie Ihren TV-Ton noch gut?

Sivantos HörgeräteErleben Sie mit der Hörgeräte-Weltneuheit Ihren TV-Ton, Musik und Telefonate direkt in Ihren Hörgeräten in bester Stereoqualität.

Lesen Sie hier mehr!

Anzeige

Service

Zum NAI-Gewinnspiel Zum NAI-Portal

Themenspecial: Besser hören

Frau mit Hut im GrünenIm Themenspecial Besser hören nennt aponet.de die besten Tipps und viel Wissenswertes, wie sich Tinnitus und Hörschäden vermeiden lassen und wie man ein schlechtes Gehör ausgleichen kann.

Alle weiteren Specials in der Übersicht finden Sie hier.

Wissen

Arzneimitteldatenbank

Informationen zu Arzneimitteln, Beschwerden oder Wirkstoffen.

Apotheke finden

Tagsüber
Notdienst
Alle Inhalte
schließen