Sie sind in: Startseite Aktuelles Aus Gesellschaft und Politik Grippemittel: Zweifel an der Wirksamkeit

Aktuelles

Frau liegt mit Grippe im Bett.

Bei Grippe gefürchtet sind Komplikationen wie Lungenentzündungen. Die gängigen Grippemittel können diese nicht verhindern, sagen neue Studiendaten.
© nyul - Fotolia

Do. 10. April 2014

Grippemittel: Zweifel an der Wirksamkeit

Die Wirkstoffe Oseltamivir und Zanamivir sind zur Behandlung einer Infektion mit Grippeviren zugelassen. Eine neue Betrachtung von Studiendaten durch die Cochrane Collaboration zeigt nun, dass diese Mittel weit weniger wirksam sind als bisher angenommen.

Anzeige

Erwachsene, die Oseltamivir eingenommen hatten, spürten nach etwa 6,3 Tagen eine Besserung ihrer Grippesymptome. Bei Personen, die ein Scheinmedikament ohne Wirkstoff bekommen hatten, dauerte das mit 7 Tagen nur unwesentlich länger. Bei Kindern konnten die Cochrane-Forscher keinen Unterschied in der Zeitdauer ausmachen. Die Daten gaben zudem keine Anhaltspunkte, dass das Grippemittel die Zahl der Krankenhaus-Einweisungen verringerte oder Grippekomplikationen wie Lungenentzündung, Bronchitis, Entzündung der Nasennebenhöhlen oder Ohrinfektionen verhinderte. Auch fanden sich keine Beweise, dass durch die Wirkstoffe eine Verbreitung des Virus verhindert werden konnte. Es zeigten sich jedoch Nebenwirkungen wie Übelkeit (4 Prozent), psychiatrische Zwischenfälle (1 Prozent) oder eine verringerte Bildung von Grippe-Antikörpern bei manchen Patienten.

Dies sei laut der Forscher die umfassendste Auswertung über Neuraminidase-Hemmer, wie diese Wirkstoffgruppe von Fachleuten genannt wird. Dr. David Tovey, Chefredakteur von Cochrane, sagt: "Während die Wirkungen dieser Medikamente weit weniger stark sind als bisher angenommen, scheinen sie Nebenwirkungen hervorzurufen, die in den ursprünglichen Veröffentlichungen nicht in diesem Ausmaß erwähnt waren." In ihre Auswertung hat das Wissenschaftlerteam 20 Studien zu Oseltamivir und 26 Studie zu Zanamivir einbezogen, die teilweise der Öffentlichkeit bisher noch nicht zur Verfügung standen. Es handelte sich dabei um Daten von über 24.000 Patienten.

Für den Fall einer Grippepandemie haben viele Länder - auch Deutschland -, große Vorräte dieser Mittel angelegt. Gesundheitsbehörden waren davon ausgegangen, damit schwere Grippekomplikationen verhindern zu können. Vor dem Hintergrund der neuen Daten zur Wirksamkeit fordern die Studienautoren nun die Regierungen und Entscheidungsträger in den Gesundheitssystemen weltweit auf, zu überdenken, wie sinnvoll eine solche Bevorratung ist.

RF

Der aponet.de-Newsletter

Sie interessieren sich für aktuelle Gesundheits-Nachrichten? Probieren Sie das kostenfreie Newsletter-Abonnement von aponet.de und verpassen Sie keine Meldung mehr.

Gesellschaft und Politik

Aktuelle Meldungen aus dieser Rubrik

Heute ist Weltapothekertag

Apotheker setzen sich überall auf der Welt für die Gesundheit der Menschen ein.

Das Sexleben der Deutschen

Forscher haben erste Daten zur Gesundheit und Sexualität in Deutschland veröffentlicht.

Mit wem verbringen wir am liebsten Zeit?

Forscher haben untersucht, ob uns Zeit mit der Familie oder den Freunden glücklicher macht.

Corona: Treffen mit Freunden nehmen zu

Trotz der anhaltenden Pandemie normalisiert sich der Alltag bei vielen Menschen wieder.

Ärzte verordnen zu oft Reserveantibiotika

Im Jahr 2019 war jedes zweite verordnete Antibiotikum ein Reservemedikament.

Richtig Essen bei hohem Cholesterin

In einer neuen Serie überprüft die NAI Fakten und Mythen rund um die Ernährung.

Schweinefleisch ist oft verunreinigt

Jedes zehnte Schweinefleischprodukt ist mit Hepatitis-E-Viren kontaminiert.

Apotheker helfen bei häuslicher Gewalt

Betroffene können in Apotheken mit einem Codewort unauffällig um Hilfe bitten.

Mehr FSME-Fälle als je zuvor

Die Corona-Pandemie könnte dazu beigetragen haben, glauben Experten.

Vegane Ernährung: Häufig fehlt es an Jod

Einige Veganer haben sogar einen schweren Mangel an dem Spurenelement.

Corona: Visier schützt nicht so gut wie Maske

Forscher zeigen mithilfe von Videos, wie sich Tröpfchen trotz Visier verteilen können.

Viele Jugendliche liegen nachts wach

Die Zahl der jungen Menschen, die schlecht schlafen, hat drastisch zugenommen.

Einen Überblick über alle Nachrichten bekommen Sie auf aponet.de unter Aktuelles.

Apotheke finden

Tagsüber
Notdienst
Alle Inhalte
schließen