Sie sind in: Startseite Aktuelles Aus Gesellschaft und Politik So sehen sich die Apotheker in Zukunft

Aktuelles

Delegierte des Apothekertags 2014 stimmen über das Perspektivpapier

Mit großer Mehrheit verabschieden die Delegierten des Apothekertags 2014 in München das Perspektivpapier "Apotheke 2030".
© Alois Müller/PZ

Sa. 20. September 2014

Apotheker definieren ihre zukünftige Rolle im Gesundheitssystem

Auf dem Apothekertag 2014 in München haben die Delegierten mit großer Mehrheit das Perspektivpapier "Apotheke 2030" verabschiedet. Darin beschreiben die Apotheker, wie die Rolle und Leistungen der öffentlichen Apotheken im Gesundheitssystem weiterentwickelt und an zukünftige Herausforderungen angepasst werden sollen.

Sichtlich erleichtert wirkten nach der Abstimmung ABDA-Präsident Friedemann Schmidt und Vizepräsident Mathias Arnold, der die Entstehung des Perspektivpapiers verantwortlich begleitet hat. Keine leichte Aufgabe, denn das Papier entstand aus einem über zwölf Monate dauernden basisdemokratischen Diskussionsprozess. Tausende Apotheker aus ganz Deutschland hatten sich daran mit Vorschlägen und Diskussionsbeiträgen über Online-Plattformen und in Veranstaltungen beteiligt. "Mit dem Perspektivpapier haben wir nun ein Ziel vor Augen", sagte Arnold. "Vor uns liegt ein arbeitsreicher Weg, dieses Ziel zu erreichen." Die nächste Etappe sei, die strategische Umsetzung anzugehen.

In der anschließenden Diskussion äußerten sich prominente Gesundheitsexperten zu dem Ergebnis. Professor Gerd Glaeske von der Universität Bremen hält das Papier für den wichtigsten Entscheidungsprozess, den er bisher innerhalb der Apothekerschaft erlebt habe. Er hob die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern hervor, die in dem Papier angelegt sei. Zudem lobte er, dass es nicht auf die Kassen oder die Pharmaindustrie, sondern auf den Patienten orientiert sei. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Köhler, würdigte das Papier aus Ärztesicht. Er hofft, es könne der Start zu einem Neuanfang im Verhältnis von Arzt und Apotheker sein.

Anzeige

In einem zentralen Punkt des Perspektivpapiers "Apotheke 2030" sprechen sich die Apotheker für ein Netzwerk von Heilberuflern aus. Wörtlich heißt es: "Die Apotheker arbeiten sowohl untereinander als auch mit anderen Gesundheitsberufen und Akteuren des Gesundheitswesens kollegial zusammen, um Prävention und Arzneimitteltherapie zu optimieren." Ein Stichwort, das in diesem Zusammenhang fällt, ist das sogenannte Medikationsmanagement. Hierbei besprechen Arzt und Apotheker gemeinsam die Arzneimitteltherapie eines Patienten, wobei sämtliche Medikamente, die der Patient anwendet, einbezogen werden – auch die nicht verschriebenen. Das soll die Therapie insgesamt verbessern und helfen, Erkrankungen vorzubeugen. Im Gesundheitswesen könnten so Kosten gespart werden.

Um das zu untermauern, nannte Glaeske Studiendaten, nach denen etwa zehn Prozent der Menschen über 60 Jahre wegen Medikamentenwechselwirkungen im Krankenhaus behandelt werden müssten. Ein großer Teil der 800 bis 900 Millionen Euro, die dafür geschätzt aufgewendet würden, seien vermeidbar, sagte der Apotheker. Professor Hartmut Derendorf, Leiter der Abteilung Pharmaceutics der University of Florida in Gainesville, USA, pflichtet dem bei. Durch eine engere Zusammenarbeit von Arzt und Apotheker sänken nicht nur die Arzneimittelkosten, sondern die gesamten Gesundheitskosten.

Auf dem Apothekertag und danach wollen die Apotheker nun definieren, wie sich die Vorgaben des Positionspapiers in der Praxis umsetzen lassen. Dazu müsse laut Arnold diskutiert werden, wie die Versorgungstrukturen angepasst werden sollten und welche Qualifikationen der Apotheker zukünftig braucht.

RF

Der aponet.de-Newsletter

Sie interessieren sich für aktuelle Gesundheits-Nachrichten? Probieren Sie das kostenfreie Newsletter-Abonnement von aponet.de und verpassen Sie keine Meldung mehr.

Gesellschaft und Politik

Aktuelle Meldungen aus dieser Rubrik

Geld zurück mit dem Grünen Rezept

Viele Krankenkassen erstatten die Kosten für rezeptfreie Medikamente.

Doping beim Fitness: Auch Frauen betroffen

Immer mehr Sportler nehmen herzschädigende Medikamente ein, um ihre Fitness zu verbessern.

Bauch-OP: Sterberate hängt von Klinik ab

Experten fordern, dass der Eingriff nur in zertifizierten Kliniken durchgeführt werden sollte.

Hitzschlag: Kein Paracetamol & Co

Fiebersenkende Medikamente sollten besser nicht eingenommen werden.

Teenager: Vorsorge J1 ist unbeliebt

Nur etwa jeder zweite Teenager nutzt die kostenlose Jugendgesundheitsuntersuchung.

Hitze im Büro macht vielen zu schaffen

Auch klimatisierte Räume empfinden viele als störend, wie eine Umfrage zeigt.

NAI vom 1.8.2018: Es liegt was in der Luft

Im Titelbeitrag der aktuellen Ausgabe der Neuen Apotheken Illustrierten geht es um Insekten, Pollen und erhöhte Ozonwerte.

Check-up 35: Künftig nur noch alle 3 Jahre

Dafür soll die Vorsorgeuntersuchung umfassender werden.

Hitze: Frauen leiden stärker als Männer

Fast jedem Zweiten macht die anhaltende Hitzewelle gesundheitlich zu schaffen.

FSME-Impfung: Süden liegt vorn

In Bayern und Baden-Würrtemberg lassen sich besonders viele Menschen impfen.

Antidepressiva: Mehr Verordnungen

Die Zahl der Verschreibungen hat sich in den vergangenen 10 Jahren verdoppelt.

Neues Gesetz: Künftig schneller zum Arzt

Ärzte werden unter anderem verpflichtet, mehr Sprechstunden anzubieten.

Einen Überblick über alle Nachrichten bekommen Sie auf aponet.de unter Aktuelles.

Apotheke finden

Tagsüber
Notdienst
Alle Inhalte
schließen