Sie sind in: Startseite Aktuelles Aus Gesellschaft und Politik Arzneien wieder mehr in Europa produzieren

Aktuelles

Arzneimittel-Blister

Zahlreiche Medikamente dürfen ab sofort nicht mehr abgegeben werden, da ihre Zulassung ruht. Betroffen sind ausschließlich Generika.
© DAK/Wigger

Fr. 12. Dezember 2014

Gefälschte Studien: Apotheker fordern Konsequenzen

Nachdem bekannt geworden ist, dass ein indisches Auftragsforschungsunternehmen Studien gefälscht hat, die Grundlage der Zulassung zahlreicher Arzneimittel bilden, zeigen sich die deutschen Apotheker entsetzt. Sie fordern nun Konsequenzen für die Produktion und die Vertriebswege von Medikamenten.

"Wir sind entsetzt über Art und Ausmaß dieser Studienmanipulation. So hätte eine Zulassung nie erteilt werden dürfen", urteilt Apothekerin Magdalene Linz, Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen. "Bei diesen Studien ist erheblich gegen die ‚Gute Klinische Praxis‘ verstoßen worden, die in Europa Standard bei der Durchführung von klinischen Studien ist".

Anzeige

Aufgeflogen sind die Fälschungen als die französische Arzneimittelbehörde bei einer Inspektion des Auftragsforschungsunternehmen GVK Biosciences in Indien eine Vielzahl von Verstößen bei der Durchführung von Studien und Mängel an der Zuverlässigkeit der Daten festgestellt hatte (aponet.de berichtete). Wegen dieser schwerwiegenden Fehler erkennt die deutsche Arzneimittelbehörde – das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – besagte Studien nicht mehr als Grundlage für die Zulassung der betroffenen Arzneimittel an. Infolgedessen hat das BfArM für 80 Arzneimitteln von 16 pharmazeutischen Unternehmen ein Ruhen der Zulassung angeordnet. Diese Präparate dürfen ab sofort nicht mehr von pharmazeutischen Unternehmen, Großhändlern und Apotheken abgegeben werden.

Doch nicht nur die Durchführung solcher Zulassungsstudien in Ländern wie Indien sieht Linz kritisch. Auch die Produktion der Medikamente solle künftig wieder mehr in Europa stattfinden. "Seit Jahren warnen wir Apotheker davor, die Arzneimittelproduktion überwiegend in Drittländer auszulagern. Wir wollen, dass jeder Patient sicher sein kann, dass sein Arzneimittel geprüft und von hoher Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit ist. Das kann nur garantiert werden, wenn die Herstellung auch wieder vermehrt in Europa erfolgt und nicht weitestgehend in China oder Indien, deren Herstellungsbedingungen durch externe Inspektoren nicht verlässlich überwacht werden können." Auch die Entwicklungen beim Vertrieb von Arzneimitteln sehen die Apotheker kritisch. Sie warnten seit Jahren davor, die bewährte europäische Handelskette – Hersteller, Großhandel, Apotheken – aufzuweichen, so Linz.

FH

Der aponet.de-Newsletter

Sie interessieren sich für aktuelle Gesundheits-Nachrichten? Probieren Sie das kostenfreie Newsletter-Abonnement von aponet.de und verpassen Sie keine Meldung mehr.

Gesellschaft und Politik

Aktuelle Meldungen aus dieser Rubrik

Jungen kiffen häufiger als Mädchen

Experten warnen: Für Jugendliche ist Cannabis besonders gefährlich.

Das Rezept aus der Apotheke?

Viele Patienten, Ärzte und Apotheker befürworten diese Möglichkeit.

Verstopfung wegen Schmerztherapie

Experten klären am Lesertelefon über die Risiken und Nebenwirkungen einer Schmerztherapie auf.

NAI vom 15.6.2018: Wahrheit über Gluten

Der Titelbeitrag der aktuellen Ausgabe der Neuen Apotheken Illustrierten lautet „Die Wahrheit über Gluten“.

Neue Leitlinie für Bluthochdruck

Lesen Sie hier, was sich bei der Therapie von Bluthochdruck geändert hat.

Blutspender werden dringend gesucht

Vor allem jüngere Freiwillige, die Blut spenden wollen, sind in Deutschland rar.

Nebenwirkungen sind hier besonders häufig

Bei drei Wirkstoffklassen klagen Patienten besonders oft über Nebenwirkungen.

HPV-Impfung jetzt auch für Jungen

Bislang haben Experten die Impfung nur für Mädchen empfohlen. Das ändert sich jetzt.

HIV-Selbsttest soll ab Herbst verfügbar sein

Der Test soll helfen, dass mehr Menschen möglichst früh von ihrer Infektion erfahren.

Apotheker: Kritik an GKV-Positionspapier

Das Positionspapier sei patientenfeindlich und gefährde die Arzneimittelversorgung in Deutschland.

Apotheker suchen dringend Nachwuchs

Viele Apotheken finden keinen Nachfolger mehr und müssen daher schließen.

Wie viel Sonnencreme brauche ich?

Eine Apothekerin erklärt, was es mit der Elf-Hände-voll-Regel auf sich hat.

Einen Überblick über alle Nachrichten bekommen Sie auf aponet.de unter Aktuelles.

Apotheke finden

Tagsüber
Notdienst
Alle Inhalte
schließen