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Deutsche Apotheker wollen die Risiken von Polymedikation minimieren.

Auf der Pressekonferenz vor dem Apothekertag 2015 in Düsseldorf sprachen (v.l.) ABDA Hauptgeschäftsführer Dr. Sebastian Schmitz, ABDA-Präsident Friedemann Schmidt, Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbands, Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer und ABDA-Pressesprecher Dr. Reiner Kern.
© Alois Müller

Di. 29. September 2015

Wer viele Medikamente nimmt, braucht einen exakten Plan

Wer viele Medikamente benötigt, ist auch mehrfach krank. Für diese Menschen sind Medikamente überlebenswichtig und lebensrettend. Aber diese sogenannte Polymedikation birgt auch Risiken, beispielsweise in Form von Wechselwirkungen. Die deutschen Apotheker wollen helfen, diese Risiken zu minimieren, sagte Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer, auf der Pressekonferenz zu Beginn des diesjährigen Apothekertages in Düsseldorf.

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Die Patienten selbst haben einer Forsa-Umfrage zufolge noch nicht alle das entsprechende Problembewusstsein. Auch kommen die Arzneimittelverordnungen sehr oft von verschiedenen Ärzten. Rund 80 Prozent allerdings holen die Medikamente in ihrer Stammapotheke. Das Personal dort kann Arzneimittel-bezogene Probleme also erkennen, soweit Apothekerin oder Apotheker in die gesamte Medikation eingeweiht sind.

Polymedikation, erklärte Kiefer, führe zu schlechterer Therapietreue, unspezifischen Gesundheitsbeschwerden und mehr unerwünschten Begleiterscheinungen. Etwa 500.000 Krankenhauseinweisungen pro Jahr sind nach Schätzungen des Bundesamtes für Arzneimittel darauf zurückzuführen. Notwendig wären deshalb eine vollständige Erfassung der Medikation pro Patient, eine Analyse dessen und eine kontinuierliche Betreuung des Patienten bezüglich der Arzneimitteleinnahme, also ein Medikationsmanagement. Kiefer betonte den Unterschied zwischen einer bloßen Medikationsliste und einem Medikationsplan. Während die Liste einfach alle Mittel aufführt, gibt der Plan und eine vorhergehende Analyse detaillierte Angaben und vermeidet Einnahmefehler.

Das machte Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes, an einem Fallbeispiel deutlich. Bei einem 64-jährigen Patienten mit Bluthochdruck, Gicht, Diabetes und verschiedenen Allergien konnte eine Liste mit insgesamt 11 Medikamenten auf einen Plan mit nur 7 Arzneimitteln reduziert werden. Nach einer Beratung durch die Apotheke und Entscheidung des Arztes. Im Ergebnis brauchte der Patient weniger Packungen, musste weniger Zuzahlung leisten und weniger Tabletten pro Tag einnehmen.

Die Apothekerschaft untermauert ihr Plädoyer für den Medikationsplan und die Beteiligung der Apotheker am Medikationsmanagement unter anderem mit einer Patientenumfrage mit über 13.000 Befragten. Davon berichtete der Präsident der Apothekerschaft, Friedemann Schmidt. 23 Prozent der erwachsenen Bundesbürger nehmen regelmäßig drei oder mehr Medikamente ein. In der Zielgruppe der über 70-Jährigen sind es über 50 Prozent. 54 Prozent bekommen die Medikamente von verschiedenen Ärzten. 29 Prozent nehmen zusätzlich rezeptfreie Arzneimittel ein. 88 Prozent haben eine Stammapotheke.

Daraus folgerte Schmidt: Eine zentrale Rolle für die Apotheken sei unbedingt erforderlich. Denn 37 Prozent der Arzneimittel würden ohne Rezept abgegeben. Tatsächlich entsprächen 9 von 10 Medikationslisten, die allein vom Arzt erstellt wurden, nicht der tatsächlichen Einnahmepraxis der Patienten. Eine Arzneimittelversorgung im Team von Arzt und Apotheker sei deshalb absolut erforderlich.

JPL

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