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Bei der Pressekonferenz in Düsseldorf äußerten sich (v.l.) ABDA-Pressesprecher Dr. Reiner Kern, ABDA-Präsident Friedemann Schmidt und Vizepräsident Mathias Arnold.

Bei der Pressekonferenz in Düsseldorf äußerten sich (v.l.) ABDA-Pressesprecher Dr. Reiner Kern, ABDA-Präsident Friedemann Schmidt und Vizepräsident Mathias Arnold.
© Alois Mueller info@amfotos.com

Di. 12. September 2017

Apotheker blicken voller Sorge in die Zukunft

Momentan beurteilen die Apotheker in Deutschland die Situation in ihrer Branche eher pessimistisch. Das zeigt der Apothekenklima-Index 2017, eine repräsentative Umfrage unter 500 Apothekeninhabern von TNS Infratest. Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände stellte die Ergebnisse auf einer Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Apothekertags in Düsseldorf vor.

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Vier von zehn Apothekern erwarten, dass sich ihre Apotheke in den kommenden zwei bis drei Jahren etwas oder deutlich schlechter entwickelt als bisher. Im Vorjahr waren das nur 28,0 Prozent der Befragten. Zurzeit wirkt sich diese Stimmung nicht auf die Zahl der Beschäftigten in Apotheken aus: Sie ist nach wie vor stabil mit teils steigender Tendenz. "Die Tätigkeit in Apotheken wird personalintensiver", erklärt ABDA-Präsident Friedemann Schmidt. Die Apotheker könnten es sich gar nicht erlauben, Personal zu reduzieren.

Auf der anderen Seite planen über die Hälfte der Apotheker, im kommenden Jahr keine neuen Mitarbeiter einzustellen. Selbst wenn sie wollten, gestaltet sich die Suche oft schwierig. Fast ein Drittel aller Apotheken gehen laut der Befragung davon aus, dass sie auf eine Stellenausschreibung nicht eine einzige Bewerbung bekommen würden. Darüber hinaus geben etwa 45 Prozent der Apotheker an, für das nächste Jahr keine Investitionen zu planen.

EuGH-Urteil trübt die Stimmung

Hauptgrund für die Zurückhaltung und negative Grundstimmung ist laut Schmidt das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom Oktober 2016. Demzufolge dürfen ausländische Versandapotheken deutschen Kunden Rabatte und Boni auf gesetzliche Zuzahlungen gewähren. Deutschen Apotheken ist dies nach geltendem Recht jedoch verboten. Sie müssen sich an die in der Arzneimittelpreisverordnung verankerten einheitlichen Preise für verschreibungspflichtige Medikamente halten. Daher kann es kaum verwundern, dass die Apotheker hier die größte politische "Baustelle" für die kommenden Jahre sehen. Für 83,7 Prozent der Befragten stehen stabile rechtliche Rahmenbedingungen mit Erhalt der Arzneimittelpreisverordnung ganz oben auf der Wunschliste an die Gesundheitspolitik.

Die Standesorganisation ABDA gibt diesem Thema "höchste Berufspolitische Priorität". Schmidt: "Dass die Zahl der Apotheken in Deutschland bereits seit Jahren sinkt, ist bekannt. Wenn sich nun auch noch das Klima in den Apotheken innerhalb eines Jahres so massiv eintrübt, ist das umso mehr Grund zur Besorgnis. Wenn Apotheker nicht mehr investieren, ausbilden und Jobs schaffen, sollte die Politik das ernst nehmen und handeln." Ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln ist seiner Ansicht nach die einzige Lösung, um die aus dem EuGH-Urteil entstandene Schieflage zu heilen.

Gesundheitsdialoge mit Politikern fortsetzen

Auch ein Teil der großen Parteien in Deutschland sieht hier Handlungsbedarf und möchte die Position der öffentlichen Apotheke stärken. Das geht aus den jeweiligen Parteiprogrammen hervor. Die Linke habe erstaunlicherweise bei diesem Thema ganz ähnliche Ansichten wie die CDU, wundert sich Mathias Arnold, Vizepräsident der ABDA. Gesundheitsminister Gröhe habe schon darauf hingewiesen, dass der Versandhandel ein wichtiger Punkt in möglichen Koalitionsverhandlungen nach der Wahl sein wird. Lediglich Bündnis 90/Die Grünen und die AfD äußern sich nicht zu Apotheken in ihren Programmen.

Darüber hinaus beteiligen sich immer mehr Politiker an "Wahlradar Gesundheit". Bei dieser Initiative der Apotheker wurden die Bundestagskandidaten der großen Parteien in allen 299 Wahlkreisen zu gesundheitspolitischen Themen befragt. Die Aktion hat zum Ziel, Gesundheitspolitik in den Wahlkampf hineinzutragen und einen Erstkontakt zu neuen politischen Köpfen zu knüpfen, erklärte Arnold. Er äußerte sich sehr erfreut über die rege Beteiligung aus allen politischen Lagern. Die Antworten lassen sich nach Bundesländern geordnet auf einer Karte der Website www.wahlradar-gesundheit.de abrufen. Diese Karte bleibe auch nach der Wahl zunächst online. Arnold plant, die hier entstandenen Gesundheitsdialoge in der nächsten Legislaturperiode mit den gewählten Politikern fortzusetzen.

RF

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