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Apotheker warnen vor Medikamenten-Missbrauch.

Viele Deutsche haben schon einmal missbräuchlich verschreibungspflichtige Medikamente eingenommen, zum Beispiel, um ihre Stimmung zu verbessern.
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Do. 08. März 2018

Jeder Zweite findet Medikamenten-Missbrauch akzeptabel

Der Missbrauch von Medikamenten wird von fast der Hälfte der Bundesbürger (43 Prozent) akzeptiert. 17 Prozent haben verschreibungspflichtige Arzneimittel sogar schon einmal ohne medizinische Notwendigkeit genommen, um ihr Wohlbefinden zu verbessern. Für weitere 26 Prozent wäre das akzeptabel. Das sind Ergebnisse einer forsa-Umfrage bei 5000 Bundesbürgern zwischen 16 und 70 Jahren im Auftrag der Bundesapothekerkammer.

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"Die Ergebnisse sind erschreckend. Arzneimittel ohne medizinische Notwendigkeit einzunehmen ist keine Lappalie", sagt Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer beim Symposium "Arzneimittelmissbrauch – Fakten und Herausforderungen" in Berlin. "Denn einerseits hat jedes Medikament Risiken und Nebenwirkungen. Andererseits tritt die erhoffte ‚Doping-Wirkung‘ – wenn überhaupt – höchstens kurzzeitig ein." Jeder Zehnte (11 Prozent), der schon einmal rezeptpflichtige Medikamente missbräuchlich eingenommen hat, beschaffte sie sich illegal über das Internet.

Am häufigsten wurden solche Medikamente genommen, um die Stimmung zu verbessern oder Angst und Nervosität zu reduzieren. 13 Prozent der Befragten haben aus diesem Grund schon mal zu rezeptpflichtigen Medikamenten gegriffen. Für weitere 20 Prozent käme dies grundsätzlich in Frage. Die Steigerung von Konzentration und anderer geistiger Leistungen war für 5 Prozent der Grund, schon einmal ein rezeptpflichtiges Medikament ohne medizinische Notwendigkeit einzunehmen. Für weitere 22 Prozent ist dies eine Option. Zum Vergleich: Um besser auszusehen, haben 3 Prozent schon einmal ein rezeptpflichtiges Medikament eingenommen. Für weitere 10 Prozent käme dies in Frage.

Noch häufiger als verschreibungspflichtige Arzneimittel werden rezeptfreie Medikamente verharmlost: 30 Prozent der Bundesbürger geben an, sie schon einmal zur Steigerung des persönlichen Wohlbefindens eingenommen zu haben. Für weitere 25 Prozent käme es in Frage. Kiefer: "Apotheker sind gefordert, im persönlichen Beratungsgespräch unsere Patienten über den Nutzen, aber auch die Risiken von Arzneimitteln aufzuklären. Bei rezeptfreien Medikamenten sind wir die einzigen, die Patienten informieren und beraten."

ABDA/NK

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