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Apotheker kritisieren den unbeschränkter Waren- und Kapitalverkehr im Gesundheitswesen.

Wenn es um Arzneimittel und die Gesundheit geht, darf sich die Politik nicht auf niedrige Kosten fokussieren, sondern auf Qualität und Sicherheit. Das fordert Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.
© Alois Müller

Do. 11. Oktober 2018

Werteverlust bringt Patienten in Gefahr

"Arzneimittelversorgung ist technisch gesehen ein Hochrisikoprozess. Unsere Fehler können andere Menschen töten", sagte Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Mit seinen drastischen Worten anlässlich der Eröffnung des diesjährigen Deutschen Apothekertages in München verdeutlichte er, wie wichtig es für Apotheker ist, ihren Beruf in politisch und gesellschaftlich sicheren Rahmenbedingungen ausüben zu können. Diese Werte seien jedoch zunehmend in Gefahr.

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Werte wie Ordnung, Verantwortung, Vertrauen und Recht, die er als Grundpfeiler für eine ordnungsgemäße Arzneimittelversorgung beschreibt, sieht er ernsten Angriffen ausgesetzt. Arzneimittelskandale in jüngster Vergangenheit, wie der Fall des mit krebserregenden Substanzen verunreinigten Blutdrucksenkers Valsartan (aponet.de berichtete, hätten gezeigt, dass die immer weiter zunehmende Ökonomisierung im Gesundheitswesen ein Risiko für die Patienten darstellt. "Der Wettbewerb um Kosten und Preise hat den Wettbewerb um Qualität abgelöst", stellte Schmidt fest. Er sieht hier die Politik in der Pflicht, die diesen Prozess unterstützt oder zumindest nicht aufgehalten habe.

Schmidt kritisiert, dass unbeschränkter Waren- und Kapitalverkehr im Gesundheitswesen zu einer Art Fetisch geworden ist. "Wer ihn infrage stelle, werde gerne als rückwärtsgewandt verunglimpft." Globalisierung müsse jedoch den Interessen der Menschen dienen und nicht umgekehrt, ist Schmidt überzeugt. "Es gibt zwar eine grenzüberschreitende Arzneimittelversorgung, aber eine grenzüberschreitende Apothekenaufsicht gibt es nicht." EU-Mitgliedsstaaten, aus denen Apotheken Medikamente nach Deutschland via Versandhandel verkaufen dürfen, seien bekannt, allerdings überzeuge sich bisher niemand, ob sie auch Qualitätskriterien einhielten. Schmidt fordert, ausländische Apotheken genauso zu überwachen wie deutsche, sonst verstärke sich das Gefühl der Ungleichheit immer weiter.

Den Apothekerberuf gebe es seit fast 1000 Jahren, sagte ABDA-Präsident Schmidt. Der Berufsstand lasse sich von der Aussicht auf Veränderung nicht erschrecken. Das lässt sich auch daran ablesen, dass die Apotheker den Prozess der Digitalisierung mitgestalten wollen. Schmidt sprach hier beispielhaft über das eRezept, das die Apothekerschaft aktiv vorantreibt.
Weitere Punkte nannte ABDA-Hauptgeschäftsführer Dr. Sebastian Schmitz in seinem Bericht in München: Ab Februar 2019 geht securPharm in Betrieb.

Dabei werden unter anderem die öffentlichen Apotheken an das europäische System zur Authentifizierung von Arzneimittelpackungen angeschlossen, um Fälschungen sicher zu erkennen. Weiterhin schließen sich die Apotheken an die Telematik-Infrastruktur an. Dieses digitale Netz soll in Zukunft die Akteure im Gesundheitssystem verbinden und den sicheren Austausch von Patientendaten ermöglichen. Die Vorbereitungen für die Ausgabe der dafür notwendigen elektronischen Heilberufsausweise und der betriebsbezogenen Zugangskarte seien bereits im Gange, so Schmitz. Wobei noch ein Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen werden muss, das die Ausgabe dieser Ausweise näher regelt.

RF

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