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Frauenärzte verordnen noch zu häufig Pillen der 3. und 4. Generation.

Antibabypillen der 3. und 4. Generation erhöhen das Risiko für gefährliche Thrombosen stärker als andere Präparate.
© iStock.com/Rattankun Thongbun

Di. 04. August 2020

Ärzte verordnen zu oft riskante Antibabypillen

Gynäkologen verordnen jungen Frauen immer noch zu häufig eine Antibabypille mit einem höheren Risiko für Thrombosen und Embolien. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

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Seit 2010 nimmt die Zahl der Frauen, die mit der Antibabypille verhüten, in Deutschland kontinuierlich ab. Vor zehn Jahren nahm noch fast jede zweite gesetzlich versicherte junge Frau im Alter bis zu 22 Jahren ein hormonelles Kontrazeptivum ein (46 Prozent). 2019 war es nicht einmal mehr jede Dritte (31 Prozent). Der Rückgang der Verordnungen könne mit einem stärkeren Bewusstsein dafür zu tun haben, dass die Pille kein Lifestyle-Präparat ist, sondern in den Hormonhaushalt eingreift und auch Nebenwirkungen haben kann, vermutet Dr. Eike Eymers, Ärztin bei der AOK.

Eine der Nebenwirkungen ist ein höheres Risiko für gefährliche Thrombosen und Lungenembolien, die bei neueren Pillen der 3. und 4. Generation häufiger auftreten als bei älteren Präparaten. Gynäkologen sollten daher, wenn möglich, Pillen mit einem verhältnismäßig niedrigen Risiko verordnen, so die Empfehlung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Viele Frauenärzte scheinen sich daran zu halten. So sei insgesamt der Verordnungsanteil der riskanten Pillen im Laufe der vergangenen zehn Jahre deutlich zurückgegangen, von 72 Prozent im Jahr 2009 auf 54 Prozent in den Jahren 2018 und 2019.

Präparate mit Dienogest und Ethinylestradiol sind riskant

"Das ist insgesamt ein positiver Trend", urteilt Eymers. Trotzdem bekämen noch mehr als die Hälfte der Frauen Wirkstoffe mit einem höheren oder unklaren Thrombose-Risiko verordnet. Riskant seien der Medizinerin zufolge etwa Kombinationspräparate mit Dienogest und Ethinylestradiol, die Studien zufolge ein 1,6-fach erhöhtes Risiko für Thrombosen im Vergleich zu Kombinationspräparaten mit Levonorgestrel aufweisen.

Thrombose: Das sind die Warnzeichen

Mädchen und junge Frauen sollten sich unbedingt ausführlich von ihrem Frauenarzt beraten lassen, welches Verhütungsmittel am besten für sie geeignet ist und welche Risiken damit verbunden sind. "Wichtig ist, dass sie auf typische Anzeichen einer Thrombose oder Embolie achten und umgehend einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen", so Eymers. Symptome seien starke Schmerzen oder Schwellungen sowie ein Spannungs- oder Schweregefühl im Bein. Auch eine bläulich-rote Verfärbung oder ein Glänzen der Haut am Bein könnten auf eine Thrombose hindeuten. »Typische Symptome einer Lungenembolie sind plötzlich auftretende Kurzatmigkeit oder Atemnot, atemabhängiger Brustschmerz, Herzrasen oder unerklärlicher Husten", erklärt die Ärztin.

dh/PZ/NK


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