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Apotheker berät Kundin.

Für die Beratung bleibt dem Apotheker immer weniger Zeit.
© ABDA

Mo. 31. Oktober 2011

Bürokratie bindet immer mehr Arbeitskraft in Apotheken

Die Beratung ist die erste Aufgabe der Apotheker. Doch in letzter Zeit müssen sie sich stärker um andere Dinge kümmern. Schuld daran sind unter anderem die Rabattverträge der Krankenkassen. Sie sorgen dafür, dass sich manche Mitarbeiter in Apotheken fast nur noch darum kümmern, bestimmte Medikamente zu besorgen, für die ein bestimmter Arzneimittelhersteller einer bestimmten Krankenkasse einen Preisnachlass gewährt. Denn nur diese Medikamente darf die Apotheke dem Patienten geben.

Zum Ärger von Kunden und Apothekern sind solche Rabattarzneimittel oftmals überhaupt nicht lieferbar, weil der Arzneimittelhersteller mit der Produktion nicht nachkommt. Zudem sind Patienten vielfach verunsichert, weil ihr bekanntes Medikament aufgrund eines neuen Rabattvertrages gegen das eines anderen Herstellers ausgetauscht werden muss. Startet eine Krankenkasse eine neue Runde der Rabattverträge, dann hat das Apothekenpersonal alle Hände voll damit zu tun, den Patienten die Umstellung zu erklären.

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Dies bindet die Arbeitskraft in den Apotheken, verbraucht Zeit, die sinnvoller genutzt werden könnte. "Unsere Patienten möchten mehr über den richtigen Umgang und die richtige Einnahme der Arzneimittel wissen und nicht immer wieder andere Arzneimittel ausgehändigt bekommen", sagt Thomas Preis, Vorstandsmitglied des Deutschen Apothekerverbandes. Obwohl sich die Arbeit in den Apotheken deutlich verändert hat, wollen die Apothekenleiter und ihre Mitarbeiter aber nicht, dass ihre Patienten Leidtragende der neuen Situation sind. "Deshalb haben Apotheker in den vergangenen Jahren mehr Personal eingestellt. Seit 2004 wurden mehr als 10 000 Arbeitsplätze geschaffen", erläutert Preis.

Doch das Ende der Fahnenstange naht. Die Spargesetze im Gesundheitswesen erlauben kaum noch Neueinstellungen. Den Krankenkassen fällt trotzdem immer wieder etwas Neues ein. Sie sind beim Sparen nicht zimperlich. Besonders rigoros gehen derzeit große Betriebskrankenkassen in Nordrhein Westfalen wie die Novitas BKK, BKK vor Ort und BKK Hoesch vor. Sie weigern sich konsequent, bestimmte Rezepte aus den Apotheken zu bezahlen, wenn darauf kleinste (angebliche) formale Fehler zu finden sind. Dafür nehmen sie die Apotheker in Haftung, obwohl die Patienten nach dem Willen ihres Arztes versorgt worden sind. Betroffen davon sind Rezepte für Patienten, die auf starke Schmerzmittel oder andere Betäubungsmittel angewiesen sind. "Dies ist nicht akzeptabel. Die Versorgung von Patienten darf nicht unter kleinlichem Bürokratismus leiden", so Preis.

Mit der Androhung von Zahlungsverweigerungen entziehen die Krankenkassen ihren eigenen Versicherten Beratungszeit in der Apotheke. Nach einer Untersuchung der Fachhochschule Münster verbringt das Apothekenpersonal rund 90 Minuten täglich damit, diese bürokratischen Formalismen zu erledigen und Zahlungsverweigerungen zu vermeiden. Zeit, die die Apothekenmitarbeiter lieber für die Beratung von Patienten nutzen würden.

NAI

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