Sie sind in: Startseite Aktuelles Forschung Freie Radikale harmloser als gedacht

Aktuelles

Rauchende Seniorin

Zigarettenrauch verursacht oxidativen Stress im Körper. Dass dieser Stress die Lebensspanne verkürze, zweifeln Heidelberger Forscher an.
© yamix - Fotolia

So. 11. Dezember 2011

Freie Radikale harmloser als gedacht

Sogenannter oxidativer Stress durch freie Radikale scheint die Lebensspanne nicht zu beeinflussen. Das ist die überraschende Erkenntnis, die Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg gewonnen haben. Denn bisher galt der oxidative Stress als Wurzel vieler krankhafter und lebensverkürzender Prozesse.

Von oxidativem Stress sprechen Wissenschaftler, wenn durch Stoffwechselvorgänge in Zellen und Geweben vermehrt sogenannte reaktive Sauerstoffverbindungen anfallen. Dazu gehören auch die freien Radikale, die mit der Entstehung verschiedenster Erkrankungen in Verbindung gebracht werden wie Arterienverkalkung, Parkinson, Alzheimer und Krebs. Auch Alterungsprozesse des Körpers sollen durch oxidativen Stress gefördert werden. Soweit die Theorie. Ein Beweis aus der Praxis fehlte bislang. Noch konnte niemand Veränderungen durch oxidativen Stress oder gar deren Zusammenhang mit krankhaften Prozessen im lebenden Organismus beobachten, so die Forscher aus Heidelberg. Ihnen ist das nun gelungen.

Für ihre Untersuchungen veränderten die Wissenschaftler das Erbgut von Fruchtfliegen so, dass oxidativer Stress im Organismus der Tiere Lichtsignale erzeugt, die gemessen werden konnten. Dabei fiel auf, dass die einzelnen Zellen und Gewebe unterschiedlich viele der angeblich schädlichen Verbindungen produzieren: So fallen etwa in den Blutzellen deutlich mehr reaktive Sauerstoffverbindungen an als in den Zellen der Muskulatur oder des Darms.

Anzeige

Bisher waren die Wissenschaftler der Überzeugung, dass mit steigendem Alter auch der oxidative Stress steige und so die Alterungsprozesse zusätzlich befeuert würden. Eine solche alternsabhängige Zunahme der reaktiven Sauerstoffverbindungen fanden die Wissenschaftler nur im Darm der Fliege. Überdies hatten Fliegen, die länger lebten, sogar mehr dieser Stoffe im Darm angereichert als die, die früher verstorben waren. Folglich gibt es nach Aussage der Forscher aus ihren Untersuchungen keine Hinweise darauf, dass die Lebensspanne eines Organismus durch die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies begrenzt wird.

"Natürlich lassen sich die Ergebnisse nicht ohne weiteres von der Fliege auf den Menschen übertragen", sagt Privatdozent Dr. Tobias Dick aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum. Das nächste Ziel seiner Forschungsgruppe sei es, oxidative Prozesse in Säugetieren zu beobachten, vor allem bei Entzündungsreaktionen und bei der Entwicklung von Tumoren.

KK

Der aponet.de-Newsletter

Sie interessieren sich für aktuelle Gesundheits-Nachrichten? Probieren Sie das kostenfreie Newsletter-Abonnement von aponet.de und verpassen Sie keine Meldung mehr.

Forschung

Aktuelle Meldungen aus dieser Rubrik

Pille beeinflusst Lust auf Sex

Gewisse Hormonzusammensetzungen wirken sich auf das sexuelle Verlangen aus.

Optimistische Frauen leben länger

Eine positive Einstellung macht das Leben nicht nur leichter, sondern auch länger.

Alter beeinflusst Nährstoffe im Blut

Nicht nur die Ernährung beeinflusst, wie gut wir mit Vitaminen und Nährstoffen versorgt sind.

Blutdruck-Messung beim Arzt oft verzerrt

Offenbar werden zu hohe Werte in der Arztpraxis nicht immer erkannt.

Diese 3 Sportarten verlängern das Leben

Einige Sportarten wirken sich positiver auf die Gesundheit aus als andere.

ASS: Risiken werden überschätzt

Der schützende Effekt des Wirkstoffs auf Krebs und Herzkrankheiten überwiegt.

Zu viel giftiges Blei in Modeschmuck

Verbraucherschützer haben Modeschmuck, Lebensmittel und Waschmittel unter die Lupe genommen.

Cannabis verringert die Hirndurchblutung

Forscher warnen, dass dies die Gefahr für Alzheimer erhöhen könnte.

Lebenserwartung bei Krebs ist gestiegen

Trotzdem ist Krebs nach wie vor die zweithäufigste Todesursache.

Frauen fürchten, dass die Pille dick macht

Viele verwenden stattdessen weniger sichere Methoden zur Verhütung.

Erst Depression, dann kranker Magen

Seelische und körperliche Erkrankungen treten häufig gemeinsam auf.

Warum Aspartam das Abnehmen erschwert

Der Süßstoff ist kalorienfrei, beeinflusst im Tierversuch aber den Stoffwechsel.

Einen Überblick über alle Nachrichten bekommen Sie auf aponet.de unter Aktuelles.

Apotheke finden

Tagsüber
Notdienst
Alle Inhalte
schließen