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Frau streckt ihre Hände in die Kamera

Linkshändigkeit wird wahrscheinlich vererbt.
© Gina Sanders - Fotolia

Di. 27. Dezember 2011

Linkshänder durch Gendefekt?

Linkshändigkeit kann Ausdruck eines genetischen Defektes oder einer Störung in der frühkindlichen Entwicklung sein. Das schreiben Wissenschaftler der Beliner Charité in einem Übersichtsartikel zum Thema Linkshändigkeit, der im Fachblatt Deutsches Ärzteblatt erschienen ist. In den meisten Fällen sei die Bevorzugung der linken Hand aber eine Normvariante, die keinerlei Krankheitswert hat.

Dass der Mensch eine Hand bevorzugt und mit der anderen nicht ganz so geschickt ist, hat sich bereits früh in der Menschheitsgeschichte entwickelt. Da nicht beide Hände die Bewegungsabläufe in solcher Präzision erlernen müssen, laufen die Prozesse zur Steuerung der Muskeln in der bevorzugten Hand vermutlich schneller und effizienter ab. Auch unsere Sprachentwicklung hängt, davon sind viele Wissenschaftler überzeugt, mit dieser einseitigen Spezialisierung zusammen. Die Sprache habe sich demnach aus einer einhändigen Kommunikation in Form von Gesten entwickelt.

Dass der eine die rechte, der andere aber die linke Hand bevorzugt, ist wahrscheinlich eine Laune der Natur. Allerdings bleibt die Frage, warum die Linkshändigkeit so viel seltener auftritt als die Rechtshändigkeit. Schon unsere Vorfahren haben wohl die rechte Hand häufiger bevorzugt als die linke. Dennoch tritt die Linkshändigkeit in allen Kulturen dieser Welt auf. Vermutlich wird die Händigkeit teilweise vererbt. Linkshänder haben häufiger auch Eltern, die linkshändisch sind. Eineiige Zwillinge bevorzugen häufiger die gleiche Hand als zweieiige Zwillinge, was ebenfalls auf eine genetische Komponente hinweist.

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Die Bevorzugung einer der beiden Hände beginnt wahrscheinlich schon im Mutterleib. Feten lutschen häufiger am rechten Daumen und bewegen häufiger den rechten Arm. Die Linkshändigkeit ist zwar insgesamt deutlich seltener, aber in den meisten Fällen eine harmlose Normvariante. Allerdings kann die Linkshändigkeit oder eine extreme Rechtshändigkeit, bei der fast alles mit der rechten Hand gemacht wird und die linke nur minimal einbezogen wird, auch Ausdruck einer frühen Entwicklungsstörung oder eines genetischen Defektes sein. So treten diese beiden Formen der Händigkeit etwa häufiger bei Epilepsie, Schizophrenie und Autismus auf. Auch sind frühkindliche Erkrankungen wie der so genannte offene Rücken oder eine Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte häufiger mit einer Links- oder extremer Rechtshändigkeit verbunden.

Darum diskutieren Wissenschaftler, dass die Händigkeit auch durch Unregelmäßigkeiten in der frühkindlichen Entwicklung im Mutterleib zusammenhängen kann. So könnten etwa Infektionen oder ein Sauerstoffmangel die Hirnentwicklung des Fetus beeinträchtigen. Dafür spricht auch, dass Linkshändigkeit häufiger bei Menschen auftritt, die im Frühling und Frühsommer geboren wurden und damit häufiger mit Infektionen der werdenden Mutter im Winter in Berührung gekommen sein können.

Insgesamt ist die Linkshändigkeit aber keinesfalls nur von Nachteil: Die Verbindung beider Hirnhälften ist bei Linkshändern deutlich stärker ausgeprägt, was zu einer besonderen Sprachflüssigkeit und Merkfähigkeit führen kann. Auch zeigen Linkshänder Studien zufolge häufig höhere IQ-Werte und besondere mathematische Fähigkeiten. Und auch unter Musikern findet man häufiger Linkshänder.

KK

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