Sie sind in: Startseite Aktuelles Forschung Nach Tierbissen oft falsche Behandlung

Aktuelles

Zwei Staffordshire Bullterrier

Staffordshire Bullterrier: Hier besser Abstand halten, wenn man den Hund nicht gut kennt.
© chris burrows - Fotolia

Sa. 17. Dezember 2011

Oft falsche Behandlung nach Tierbissen

Jeder dritte Patient, der sich wegen einer Bisswunde in der Notaufnahme vorstellt, wird einer kleinen Studie der Universität von Cincinnati in den USA zufolge falsch behandelt. Nur zwei Drittel der Patienten bekamen demnach ein passendes Antibiotikum für die Bisswunde verschrieben.

In der Studie haben die Wissenschaftler die Behandlung von 98 Patienten untersucht, die sich im Verlauf eines Jahres in einer Notaufnahme wegen einer Bisswunde vorgestellt hatten. 55 wurden von Hunden, 29 von Menschen und 13 von Katzen gebissen. Gerade die Tierbisse würden häufig durch Bakterien verunreinigt, die auf die meisten herkömmlichen Antibiotika nicht ansprechen, sagte die Apothekerin Stephanie Fenwick, eine der Studienautoren. Daher müsse man bei der Auswahl des richtigen Antibiotikums vor allem die natürliche Bakterien-Flora im Maul des Tieres und der Haut des Opfers berücksichtigen.

Anzeige

In der Studie erhielten 64 Prozent der Bissopfer ein passendes Medikament. Den übrigen wurde ein falsches Antibiotikum verschrieben. Am häufigsten betraf dies die Patienten, die von Menschen gebissen wurden. Hier wurden nur gut 50 Prozent der Betroffenen richtig behandelt. Bei Hundebissen waren es 68 Prozent, bei Katzenbissen etwa 77 Prozent mit korrekter Therapie.

Die meisten Fälle unzureichender Behandlung resultierten laut Fenwick aus den Sparbemühungen der behandelnden Ärzte. Sie suchten lieber ein Präparat von einer Liste günstiger Medikamente aus, anstatt ein wirksames aber teureres Mittel zu wählen. Fast immer sei bei Tierbissen die Behandlung mit einer festen Kombination des Antibiotikums Amoxicillin mit Clavulansäure optimal, doch diese Medikamente befänden sich in den USA nicht auf der Liste.

Obschon so viele Patienten nicht adäquat behandelt wurden, hatte dies nur für einen Bruchteil der Patienten schwerwiegende Folgen, bei den meisten von ihnen lagen zusätzliche Faktoren vor, die die Wundheilung beeinträchtigten. Antibiotika-resistente Bakterien wurden nur bei einem Patienten nachgewiesen.

Generell wären Antibiotika nicht unbedingt bei jeder Bisswunde notwendig, betonen die Studienautoren. Insbesondere wenn ein junger, gesunder Mensch von einem Hund gebissen würde, reiche eine gute Wundversorgung ohne den Einsatz von Antibiotika in den meisten Fällen aus. Bisswunden an der Hand oder im Gesicht würden allerdings sich weit häufiger infizieren. Das betrifft vor allem ältere Patienten oder Menschen, die aufgrund anderer Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme ein geschwächtes Immunsystem hätten. Hier sei der Einsatz von Antibiotika durchaus sinnvoll – sofern es das richtige Antibiotikum ist.

KK

Der aponet.de-Newsletter

Sie interessieren sich für aktuelle Gesundheits-Nachrichten? Probieren Sie das kostenfreie Newsletter-Abonnement von aponet.de und verpassen Sie keine Meldung mehr.

Forschung

Aktuelle Meldungen aus dieser Rubrik

Stress im Job erhöht Krebsrisiko

Auswirkungen zeigen sich jedoch erst nach einer bestimmten Zahl von Jahren.

Interessante Theorie zur Arteriosklerose

Deutscher Herzchirurg stellt die bisherige Lehrmeinung infrage.

Feinstaub kann Viren wecken

Nanopartikel aus Abgasen reaktivieren Krankheitserreger im Lungengewebe.

Asthma: neue Leitlinien geplant

Die Asthmatherapie wird genauer, individueller und flexibler als früher.

Biosensoren spüren Krankheiten auf

Tragbare Sensoren am Körper könnten zur Früherkennung vieler Krankheiten beitragen.

Yoga lindert Rückenschmerzen

Regelmäßige Übungen verbessern die Beweglichkeit und lindern Schmerzen.

Achillessehnenriss: OP nicht immer nötig

Auch eine konservative Behandlung mit abnehmbarem Schuh zeigt gute Ergebnisse.

Rotes Fleisch fördert Darmentzündungen

Mit kleinen Änderungen im Speiseplan lässt sich das Risiko jedoch senken.

Stottern: Hirn schlecht durchblutet

Forscher sind auf der Suche nach der Ursache für die Sprachstörung.

Säureblocker erhöhen die Infektionsgefahr

Magen-Darm-Keime haben es leichter, wenn Medikamente die Magensäure reduzieren.

Hörverlust durch Eisenmangel?

Ein Mangel kann zu Blutarmut führen und weitreichende Folgen haben.

JQ1 lässt Hodenkrebs schrumpfen

Ein neuer Arzneistoff wirkt im Tierversuch bei schwer behandelbaren Krebsformen.

Einen Überblick über alle Nachrichten bekommen Sie auf aponet.de unter Aktuelles.

Apotheke finden

Tagsüber
Notdienst
Alle Inhalte
schließen