Sie sind in: Startseite Aktuelles Forschung Gefährliches Schmerzmitteldoping

Aktuelles

Läufer beim Marathon-Start

Etwa die Hälfte aller Freizeit-Marathon-Läufer nimmt vor dem Start Schmerzmittel.
© KKH-Allianz

So. 18. März 2012

Marathon: Gefährliches Schmerzmittel-Doping

Viele an sich gesunde Freizeitsportler nehmen vor einem Marathonlauf Schmerzmittel, um Muskelkater und Gelenkschmerz zu verhindern. Dieser sorglose Umgang mit Medikamenten kann fatale Folgen haben. Das zeigen Umfragen und Untersuchungen beim Bonn-Marathon, die Dr. Michael Küster, Schmerztherapeut in Bonn-Bad Godesberg, auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt/Main präsentierte.

Anzeige

Immer wieder räumen Spitzensportler ein, dass Schmerzmittel in der Branche "wie Bonbons" eingeworfen werden. Um herauszufinden, ob das auch für Freizeitsportler gilt, hatte Küster im Jahr 2009 die Teilnehmer des Bonner Marathons nach ihrem Schmerzmittelkonsum befragt. Das Ergebnis sorgte damals für Schlagzeilen: Jeder zweite der Läufer räumte ein, vor dem Start Schmerzmittel zu nehmen. Vor dem Lauf im Jahr 2010 sollte eine große Aufklärungskampagne zu den Gefahren des Medikamentenkonsums die Teilnehmer sensibilisieren.

Die nun abgeschlossene Auswertung der Daten des Laufs von 2010 hat die Experten ernüchtert: "Am Einnahmeverhalten hat sich praktisch nichts geändert", stellt Küster fest. Überdies stellte sich heraus, dass mehr als die Hälfte der Sportler, die Schmerzmittel genommen hatten, unter Nebenwirkungen litt. Da meistens Nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (ASS) eingenommen werden dominieren Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich und an den Nieren: "Blutiger Urin, blutiger Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Herz-Kreislauf Probleme", zählt der Mediziner auf. Das Spektrum reichte bis zum akuten Nierenversagen oder Herzinfarkt bei einzelnen Sportlern nach ASS-Einnahme. "Freizeitsportler müssen über diese Risiken weiter aufgeklärt werden", fordert der Schmerztherapeut.

Folgende 5 Faustregeln hat Küster für Freizeitläufer formuliert:

  1. Wer schon vor dem Lauf unter starken Gelenkschmerzen leidet, sollte nicht mitlaufen.
  2. Schmerzmittel, die vor oder während dem Lauf eingenommen werden, schaden mehr als sie nutzen.
  3. Schmerzmittel sollten, wenn überhaupt, erst nach dem Lauf eingenommen werden und auch erst dann, wenn der Kreislauf zur Ruhe gekommen und der Läufer ausreichend Flüssigkeit getrunken hat.
  4. Isotone Lösungen, die ein Gramm Kochsalz pro Liter enthalten, können Probleme mit Herz, Kreislauf und Nieren vermeiden.
  5. Wichtig ist eine gründliche Vorbereitung und ein guter sportmedizinischer Check. Wer plant, an einem Marathon teilzunehmen, sollte sich darauf ein Jahr lang vorbereiten und nicht einfach drauflos laufen. Regelmäßiges Training lässt die Schmerzschwelle steigen.

RF

Der aponet.de-Newsletter

Sie interessieren sich für aktuelle Gesundheits-Nachrichten? Probieren Sie das kostenfreie Newsletter-Abonnement von aponet.de und verpassen Sie keine Meldung mehr.

Forschung

Aktuelle Meldungen aus dieser Rubrik

Durchfall: E.coli trifft Blutgruppe A stärker

Der Durchfallkeim ist für einige Menschen gefährlicher als für andere.

Fisch schützt vor Herzkrankheiten

Arten, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind, stehen am besten zweimal pro Woche auf dem Tisch.

Ehe: Streit schadet der Gesundheit

Spannungen mit dem Partner wirken sich negativ auf die Gesundheit aus.

Depression häufig bei Hashimoto

Depressionen und Angst können mit einer Erkrankung der Schilddrüse zusammenhängen.

Darm: Joghurt dämpft Entzündungen

Möglicherweise könnte dieser Effekt helfen, Darm-Erkrankungen vorzubeugen.

Antibiotika verändern, wie Impfungen wirken

Die Medikamente greifen offenbar in den Aufbau der Immunabwehr ein.

Ingwer lindert Erbrechen bei Kindern

Eine Studie zeigt einen guten Effekt der asiatischen Wurzel bei Magen-Darm-Infekt.

Darmflora mischt bei Arteriosklerose mit

Bestimmte Darmbakterien sind offenbar an der Entstehung der Arterienverkalkung beteiligt.

Kohlenhydrate bei Diabetes minimieren?

Forscher haben einen alten Ansatz für die Therapie von Typ 1-Diabetes aufgegriffen.

Fast Food mindert die Fruchtbarkeit

Frauen, die oft Burger & Co essen, brauchen offenbar länger, um schwanger zu werden.

Ernährung beeinflusst Menopause

Bestimmte Lebensmittel verschieben offenbar das Einsetzen der Wechseljahre.

Was ist an Krebs-Mythen dran?

Über mögliche Risikofaktoren kursieren Gerüchte, für die es keine Beweise gibt.

Einen Überblick über alle Nachrichten bekommen Sie auf aponet.de unter Aktuelles.

Anzeige

Typ 2 Diabetes: Umfrage zu Risiken

Sie sind an Typ 2 Diabetes erkrankt? Was wissen Sie über Ihr Herzrisiko? Das will die International Diabetes Federation (IDF) in einer groß angelegten, globalen Umfrage herausfinden. Jetzt teilnehmen!
Mehr erfahren

Anzeige

Service

Zum NAI-Gewinnspiel Zum NAI-Portal

Themenspecial: Diabetes

Frau mit Hut im GrünenIm Themenspecial Diabetes lesen Sie aponet.de viel Wissenswertes rund um die Behandlung von Diabetes: Viele Informationen, Checklisten, Selbsttests und eine Umfrage speziell für Typ-2-Diabetiker.

Alle weiteren Specials in der Übersicht finden Sie hier.

Wissen

Arzneimitteldatenbank

Informationen zu Arzneimitteln, Beschwerden oder Wirkstoffen.

Apotheke finden

Tagsüber
Notdienst
Alle Inhalte
schließen