Sie sind in: Startseite Aktuelles Forschung Messie-Syndrom an der Wurzel packen

Aktuelles

Chaotische Wohnung

Das Aufräumen einer Messie-Wohnung führt nicht zur Behebung des Problems, solange das innere Chaos des Betroffenen weiter besteht.
© aboreg - Fotolia

Sa. 28. April 2012

Messie-Syndrom: Hilfe beim Haushalt löst nicht das Problem

Menschen, die unter dem Messie‐Syndrom leiden, brauchen meist Hilfe. Diese sollte sich aber nicht auf die Bewältigung des Haushalts oder auf Aufräum‐ und Entrümpelungsarbeiten beschränken, sondern die seelischen Hintergründe berücksichtigen. Das meldet die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN).

"Messies leiden unter anderem darunter, dass ihre Gedanken immer wieder um die Bewältigung der einfachsten anfallenden Arbeiten kreisen. Entscheidungsschwierigkeiten hindern sie zudem daran, diese Dinge zu verrichten", berichtet die Professorin Sabine Herpertz von der DGPPN in Berlin. "Wenn ihre Wohnung aufgeräumt oder gar ganz geräumt wird, wird dies nicht zur Problembehebung führen, solange das innere Chaos weiter besteht. Gerade weil sie emotional stark an den gehorteten Gegenständen hängen können, sollten Eingriffe in diesem privaten Bereich zunächst vermieden werden. Im schlimmsten Fall kann ein Suizidversucht des Betroffenen die Folge sein, weil er das Gefühl hat, mit den Gegenständen sei auch sein Leben oder die Kontrolle darüber weggeworfen worden."

Anzeige

Hilfreich kann eine professionelle psychotherapeutische Therapie sein, die dann zum Erfolg führt, wenn der Betroffene den Willen hat, an seiner Situation etwas zu verändern. Viele lehnen zunächst jedoch Hilfsangebote ab und nehmen diese erst an, wenn sie mit erheblichen Konsequenzen, wie der Kündigung der Wohnung konfrontiert sind.

"Eine Verhaltenstherapie, in denen mit dem Therapeuten bestimmte Verhaltensformen festgelegt werden, kann erfolgreich sein. Schritt für Schritt können beispielsweise Bereiche in der Wohnung ausgewählt werden, die in Ordnung gehalten werden", erklärt Herpertz.

Das Messie‐Syndrom tritt in allen sozialen Schichten, Einkommens‐ und Altersklassen auf. Es kann sich eigenständig entwickeln, aber auch Begleitumstand verschiedener psychiatrischer Krankheitsbilder sein. Ist es Teil einer anderen psychiatrischen Erkrankung, wie einer Depression, Sucht, Zwangserkrankung oder Psychose, ist eine psychiatrisch‐psychotherapeutische Behandlung unbedingt erforderlich.

DGPPN

Der aponet.de-Newsletter

Sie interessieren sich für aktuelle Gesundheits-Nachrichten? Probieren Sie das kostenfreie Newsletter-Abonnement von aponet.de und verpassen Sie keine Meldung mehr.

Forschung

Aktuelle Meldungen aus dieser Rubrik

Neuer Wirkstoff senkt hohes Cholesterin

Bempedosäure könnte Patienten helfen, die keine Statine vertragen.

Psychische Probleme bei Jüngeren steigen

Experten führen das auf die vermehrte Nutzung von digitalen Medien zurück.

Zu viel Hygiene fördert Resistenzen

In sehr sterilen Umgebungen bilden sich resistente Keime eher.

Schwanger: Jede Zigarette ist riskant

Während und kurz vor der Schwangerschaft zu rauchen, erhöht das Risiko für einen plötzlichen Kindstod.

Schönheitsoperationen werden beliebter

Vor allem Brustvergrößerungen und Fettabsaugungen werden immer häufiger durchgeführt.

Neue Therapie bei Darmentzündungen?

Die Behandlung könnte vor allem Personen mit schweren Symptomen helfen.

Tripper: Wenn Antibiotika versagen

In Europa werden häufiger Erreger gefunden, gegen die gängige Antibiotika nicht mehr helfen.

Mehr Snacks wegen Social Media?

Instagram & Co wirken sich offenbar auf das Essverhalten von Teenagern aus.

HIV: Patient nach Behandlung virenfrei

Ärzte hatten zuvor eine Stammzellentransplantation durchgeführt.

Schlaganfall: Höheres Gewicht hat Vorteile

Wer mehr Kilos auf die Waage bringt, überlebt einem Schlaganfall offenbar eher.

Obst und Gemüse tun der Psyche gut

Je mehr davon täglich auf dem Speiseplan steht, desto wohler fühlen wir uns.

Das Herz erkrankt selten an Krebs

Andere Organe sind deutlich anfälliger. Warum das so ist, erklärt ein Experte.

Einen Überblick über alle Nachrichten bekommen Sie auf aponet.de unter Aktuelles.

Apotheke finden

Tagsüber
Notdienst
Alle Inhalte
schließen