Sie sind in: Startseite Aktuelles Forschung Nocebo-Effekt schadet Patienten

Aktuelles

Frau schaut angewidert auf Tablette.

Medikamente lösen bei manchen Menschen Unbehagen aus. Dadurch können mehr Nebenwirkungen auftreten.
© contrastwerkstatt - Fotolia

Mi. 11. Juli 2012

Nocebo-Effekt: Die Macht des negativen Denkens

Dass Pillen ohne eine Spur von medizinischem Wirkstoff allein durchs feste "Dran-Glauben" helfen können, ist weithin bekannt. Der Begriff dafür heißt Placebo-Effekt. Weniger bekannt ist, dass es eine Kehrseite den gibt: den Nocebo-Effekt, der negative Wirkungen betont.

Anzeige

Wenn beispielsweise die Nebenwirkungen eintreten, die auf dem Beipackzettel eines Medikaments beschrieben sind, können diese tatsächlich mit dem Medikament zusammenhängen. Sie könnten aber auch auf den Nocebo-Effekt zurückgehen. Negative Behandlungserwartungen können einen Patienten ebenso krank machen, wie positive Vorstellungen Gutes bewirken, berichten Wissenschaftler von der TU München im Deutschen Ärzteblatt. Die Wissenschaftler hatten anhand von Literaturvergleichen die Mechanismen und Auswirkungen von Nocebo- und Placebo-Effekten untersucht. Tatsächlich litten in vielen Studien auch diejenigen unter den unerwünschten Nebenwirkungen eines Medikaments, die lediglich ein Placebo geschluckt hatten.

Negative Einstellungen machen sich oft ganz unbewusst in uns breit, etwa wenn durch einen harmlosen Satz des medizinischen Personals im Krankenhaus unbeabsichtigt etwas Schlechtes suggeriert wird. Sätze wie "Sie sind ein Risikopatient", "Wir haben nach Metastasen gesucht – der Befund war negativ", "Probieren wir mal dieses Mittel aus" oder "Das blutet jetzt mal ein bisschen" verunsichern manche Menschen. Auch die Aufklärung über mögliche Risiken einer Behandlung kann einen Nocebo-Effekt nach sich ziehen. Und die Frage im Aufwachraum "Ist ihnen übel?" lenkt die Aufmerksamkeit auf Beschwerden, die vielleicht gar nicht vorhanden wären. Die Forscher mahnen Ärzte deshalb, genauestens auf ihre Wortwahl zu achten.

hh

Der aponet.de-Newsletter

Sie interessieren sich für aktuelle Gesundheits-Nachrichten? Probieren Sie das kostenfreie Newsletter-Abonnement von aponet.de und verpassen Sie keine Meldung mehr.

Forschung

Aktuelle Meldungen aus dieser Rubrik

Tattoo-Farbe wirkt wie Nanopartikel

Kleinste Farbteilchen können bis in die Lymphknoten wandern - mit unklarem Effekt.

Hepatitis: Jährlich 1,34 Millionen Tote

Damit ist Hepatitis tödlicher als HIV, Malaria und Tuberkulose.

Gibt es "gesundes Übergewicht"?

Übergewicht schadet der Gesundheit - auch, wenn der Stoffwechsel noch gesund ist.

Das Geheimnis, erfolgreich zu sein

Britische Forscher haben die Zutaten für eine gute persönliche Entwicklung ermittelt.

Neuer Hefepilz breitet sich aus

Vor allem für Schwerkranke kann eine Infektion mit Candida auris gefährlich werden.

Test für chronische Bronchitis rückt näher

Einen Hinweis liefert die Zusammensetzung des abgehusteten Schleims.

Größe beeinflusst Thrombose-Risiko

Mit zunehmender Körpergröße steigt die Gefahr für Blutgerinnsel in den Venen.

Prostatakrebs mit PSA-Test erkennen?

Eine neue Analyse zeigt, dass der Test viele Todesfälle vermeiden könnte.

Glaukom: Implantate gegen Erblindung

Grüner Star kann seit kurzem mit einer minimal-invasive Operation behandelt werden.

Immunsystem ändert sich bei Schwangeren

Eine neue Studie zeigt: Die Veränderungen lassen sich präzise vorhersagen.

Entsteht Hautkrebs aus Muttermalen?

Das ist nicht die Regel. Viel häufiger zeigen sich Melanome als neue Flecken auf der Haut.

Ibuprofen nicht so sicher wie gedacht

Das Schmerzmittel erhöht den Blutdruck bei Arthrose-Patienten deutlich.

Einen Überblick über alle Nachrichten bekommen Sie auf aponet.de unter Aktuelles.

Apotheke finden

Tagsüber
Notdienst
Alle Inhalte
schließen