Sie sind in: Startseite Aktuelles Forschung Die unheimliche Karriere neuer Keime

Aktuelles

Junge Frau im Bett schaut auf Fieberthermometer und fasst sich an den Kopf

Bakterielle Infektionen - zum Beispiel Blasenentzündungen - gehen in ausgeprägteren Formen auch mit Fieber einher.
© Ocskay Bence - Fotolia

Do. 07. Februar 2013

Die unheimliche Karriere neuer Keime

Während abendliche Fernsehberichte über multiresistente Krankenhauskeime auf Kinderstationen noch die Zuschauergemeinde empören, schafft es eine geheimnisvolle andere Keimgruppe auch außerhalb der Kliniken zu einer fragwürdigen Karriere. Darüber berichtete Professor Dr. Petra Gastmeier anlässlich einer internationalen Fortbildungswoche der Apotheker.

Gemeint sind die sogenannten ESBL-produzierenden Bakterien. Diese Gruppe von Darmkeimen hat gegen die meisten Antibiotika einen simplen Trick entwickelt. Sie produzieren einfach ein Enzym, das das Antibiotikum spaltet und damit unwirksam macht.

Nur die harten bleiben

Unter gesunden Umständen und mit einem intakten Immunsystem merkt ein Mensch erstmal nicht, dass er Träger der ESBL-Keime ist. Allerdings verschiebt sich mit jedem Antibiotikum, das dieser Mensch einnimmt, die bakterielle Besiedlung der Darmschleimhaut ungünstig. Dabei sterben die "guten" Bakterien und die "bösen" bleiben übrig und nutzen den gewonnenen Freiraum zur massenhaften Vermehrung. Irgendwann sind es so viele, dass sie in einem schwachen Moment des Immunsystems vom Darm in sterile Körperbereiche wie Harnwege oder Lunge einwandern. Dort sind sie dann konkurrenzlos glücklich – zum Leidwesen des Menschen, der nun mit heftigen Infektionszeichen reagiert.

Anzeige

In der Bevölkerung schon weit verbreitet

Der Keim lebt mitten unter uns und in uns. Bereits 7 Prozent aller Schwangeren haben ihn und 3,5 Prozent der Neugeborenen. In Asien und Afrika ist er weiter verbreitet als in Europa. Daher die Vermutung: Viele Menschen importieren den Keim auf ihren Fernreisen.

Eine andere Untersuchung schreckt allerdings europäische Mediziner deutlich mehr auf. In den Niederlanden fand man in 25 Prozent allen Hühnerfleisches diesen Keim. Die Vermutung: Schuld ist der Einsatz unterdosierter Antibiotika bei der Tiermast.

Tiermast beschleunigt die Verbreitung

Warum machen die Landwirte das? Auch die Besiedelung des Tiergedärms mit Keimen ist ein von Natur aus sorgfältig ausbalanciertes Ökosystem. Manche Bakterien sorgen für die Futterverwertung, manche stoppen sie. Landwirte haben es mittlerweile gelernt, mit zielgenauer Antibiotikagabe dieses Bakteriensystem so zu beeinflussen, dass die Tiere Futter besser verwerten und schneller Fett ansetzen. Zu dem Preis, dass gerade diese Niedriggabe von Antibiotika langfristig erheblichen Schaden auf das Keim-Orchester im Darm hat.

Gegen ESBL wirken derzeit noch 4 Antibiotika unterschiedlich gut. Wie es werden könnte, wenn gar keines mehr wirkt, zeigt eine andere Keimgruppe, genannt CPE. Dagegen gibt es praktisch keine Therapie mehr, was für Kliniken bedeutet, die Träger schon bei der Einlieferung zu erkennen und zu isolieren.

Apothekerin Jutta Petersen-Lehmann

Der aponet.de-Newsletter

Sie interessieren sich für aktuelle Gesundheits-Nachrichten? Probieren Sie das kostenfreie Newsletter-Abonnement von aponet.de und verpassen Sie keine Meldung mehr.

Forschung

Aktuelle Meldungen aus dieser Rubrik

Medikament gegen Magersucht

Ein Leptin-haltiges Arzneimittel könnte Patienten helfen, die unter einer Essstörungen leiden.

7 Punkte senken den Blutdruck

Wer sie im mittleren Alter beherzigt, hat später ein deutlich niedrigeres Risiko für Bluthochdruck.

Wie ähnlich sind sich Depression und Angst?

Immunsystem und Fettstoffwechsel der Patienten zeigen deutliche Unterschiede.

Weniger Kalorien, längeres Leben

Wie die Ernährung und die Körpertemperatur die Lebensdauer beeinflussen.

Achtsames Atmen gegen Bluthochdruck

Langsames und bewusstes Atmen mildert Stress und könnte auch den Blutdruck senken.

Sprachtherapie nach Schlaganfall

Eine neue Studie zeigt, dass eine kurze und intensive Therapie nicht unbedingt die beste ist.

Schadet Bluthochdruck dem Gehirn?

Hohe Blutdruck- und Blutzuckerwerte könnten die Denkgeschwindigkeit verlangsamen.

Männer sind häufiger nachtaktiv

Männer und Frauen haben oft einen unterschiedlichen Tagesrhythmus.

Erkältung schützt vor der Grippe

Eine Erkältung bereitet das Immunsystem auch auf andere Viren vor.

Auch wenig Alkohol macht dick

Schon ein Glas Wein oder Bier pro Tag steht mit überflüssigen Kilos in Zusammenhang.

Erhöht Haarefärben das Krebsrisiko?

Forscher haben Frauen, die sich ihre Haare selbst zu Hause färben, über 30 Jahre lang beobachtet.

Fast Food lässt uns schneller altern

Stark verarbeitete Lebensmittel haben einen negativen Effekt auf unser biologisches Alter.

Einen Überblick über alle Nachrichten bekommen Sie auf aponet.de unter Aktuelles.

Apotheke finden

Tagsüber
Notdienst
Alle Inhalte
schließen