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Ärztin spritzt einer Patientin eine Flüssigkeit in die Vene

Für ihre Studie schleusten Forscher MS-Patienten speziell veränderte weiße Blutkörperchen ein, die das Fortschreiten der Krankheit aufhalten sollen.
© Monkey Business - Fotolia

Do. 06. Juni 2013

Neue MS-Therapie trickst Immunsystem aus

Auf der Suche nach einer Therapie für Multiple Sklerose (MS), einer chronisch-entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems, haben Forscher aus den USA, Deutschland und der Schweiz jetzt einen Erfolg verzeichnet. In einer ersten klinischen Studienphase gelang es ihnen, die Angriffe des Immunsystems auf die Hüllschicht der Nervenzellen um 50 bis 75 Prozent zu verringern.

Wie das Immunsystem auf Krankheitserreger und Fremdkörper reagiert, ist zum Teil angeboren, zum Teil erlernt. Derzeitige Ansätze zur Behandlung von Multipler Sklerose zielen vor allem darauf ab, das gesamte Immunsystem zu unterdrücken, was Patienten anfälliger für Infektionen macht. Die neue Therapie soll dem Immunsystem beibringen, die Myelin-Hülle der Nervenzellen als harmlos zu erkennen und nicht mehr anzugreifen, erläutern die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine. "Die Therapie stoppt Reaktionen des Immunsystems, die bereits laufen und verhindert die Aktivierung neuer Abwehrzellen", sagt Stephen Miller von der Northwestern University in Chicago.

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Für ihre Studie schleusten die Forscher Milliarden von Myelin-Antigenen über speziell veränderte weiße Blutkörperchen der Patienten in deren Körper ein. Das Immunsystem sollte auf diese Weise lernen, diesen Eiweißstoff als harmlos zu erkennen und ihm gegenüber eine Toleranz zu entwickeln. Das Prinzip ähnelt einer Hyposensibilisierung bei Heuschnupfen, bei der die Patienten kleinste Mengen der allergieauslösenden Blütenpollen gespritzt bekommen. Ob die Therapie tatsächlich in der Lage sei, das Fortschreiten der MS zu verhindern, lasse sich mit nur neun Studienteilnehmern statistisch nicht untermauern, so die Forscher. Die Studie habe allerdings deutlich gezeigt, dass die Reaktivität des Immunsystems gegenüber Myelin bei jenen MS-Patienten am geringsten war, welche die größte Menge an weißen Blutkörperchen erhalten hatten.

Bei MS attackiert und zerstört das Immunsystem die aus dem Eiweißstoff Myelin bestehende Hüllschicht spezieller Nerven, die in der Wirbelsäule, im Gehirn und im Auge verlaufen. Wo diese Hüllschicht zerstört ist, können elektrische Signale nicht mehr ungestört weitergeleitet werden. Die daraus entstehenden Krankheitssymptome können von einer leichten Taubheit der Gliedmaßen bis hin zur Erblindung reichen.

HH

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