Sie sind in: Startseite Aktuelles Forschung Neue Krebsmittel stärken Immunsystem

Aktuelles

Labormitarbeiter mit Mundschutz und Schutzbrille beim Pipettieren

Genauere Erkenntnisse in der Krebsforschung eröffnen neue Ansatzpunkte für die Therapie.
© DDRockstar - Fotolia

Sa. 15. Juni 2013

Neue Medikamente steigern Immunantwort gegen Krebszellen

Die immer genaueren Erkenntnisse über die Signalübertragung in Krebszellen führen zu neuen Ansatzpunkten für die Therapie. Das zeigten zahlreiche Studien, die kürzlich auf dem Kongress der amerikanischen Krebsgesellschaft (ASCO) in Chicago vorgestellt wurden. Professor Dr. Jürgen Wolf, ärztlicher Leiter des Centrums für integrierte Onkologie an der Uniklinik Köln, gab vor Journalisten in Bonn einen Überblick.

Gleich mehrere Studien belegten das Potenzial neuartiger Arzneistoffe, die über eine Stimulierung des Immunsystems Tumoren bekämpfen. "Das gab es seit 50 Jahren nicht mehr", freute sich Wolf. Es handelt sich dabei um Antikörper, die verschiedene Bindungsstellen an den T-Zellen des Immunsystems besetzen können. Die T-Zellen könnte man als Augen des Immunsystems bezeichnen, denn sie erkennen gefährliche Fremdkörper im Organismus und leiten eine Abwehrreaktion ein. Krebszellen sind jedoch in der Lage, die Arbeit der T-Zellen zu behindern, um sich so der Aufmerksamkeit des Immunsystems zu entziehen.

Anzeige

Arzneimittel mit sogenannten anti-CTLA-4-Antikörpern wie dem Ipilimumab aktivieren die T-Zelle für den Kampf gegen den Tumor. Andere Wirkstoffgruppen, beispielsweise die anti-PD1-Antikörper wie das Nivolumab oder die anti-PD-L1-Antikörper, sorgen dafür, dass der Tumor die Immunreaktion nicht in Schach halten kann. In Studien zeigten beide Wirkstoffgruppen eine erstaunliche Wirksamkeit bei Lungenkrebs, schwarzem Hautkrebs oder Nierenkrebs, die teilweise noch länger als ein Jahr nach Therapieende anhielt.

"Ein Hauptproblem ist nach wie vor die Resistenz", sagte Wolf. Das bedeutet, dass die eingesetzten Medikamente wegen Besonderheiten im Erbgut nicht bei allen Patienten wirken. Ein Weg, die Krebszelle auszutricksen, besteht darin, zwei verschieden wirkende Medikamente zu kombinieren. So greift man an unterschiedlichen Orten der Signalübertragung ein und hat größere Erfolgschancen. Was nicht heißen muss, dass erheblich mehr Nebenwirkungen auftreten. Je nach Kombination waren die unerwünschten Effekte in den Studien sogar geringer als bei Behandlung mit nur einem Präparat. Das Verständnis und die Überwindung der Resistenzen hält Wolf für die zentrale Herausforderung der Krebsmedizin in den kommenden Jahren.

RF

Der aponet.de-Newsletter

Sie interessieren sich für aktuelle Gesundheits-Nachrichten? Probieren Sie das kostenfreie Newsletter-Abonnement von aponet.de und verpassen Sie keine Meldung mehr.

Forschung

Aktuelle Meldungen aus dieser Rubrik

Was bei Zahnarzt-Angst hilft

Vor allem Hypnose erweist sich einer neuen Studie zufolge als wirksame Methode.

Grenze zwischen Job und Freizeit ziehen

Verwischen die Grenzen, wirkt sich das negativ auf das Wohlbefinden aus.

Opioid-Dosis nach OP reduzieren?

Patienten benötigen offenbar deutlich weniger Opioide, als Ärzte ihnen verordnen.

Soja hilft bei Brustkrebstherapie

Bestimmte Lebensmittel könnten die Nebenwirkungen einer Krebstherapie lindern.

Handy, PC: Gewicht und Schlaf leiden

Nutzen Kinder die Geräte oft vor dem Zubettgehen, geraten Sie in eine Art Teufelskreis.

Hitzewallung: Vorbote für Diabetes?

Ein Symptom der Wechseljahre deutet auf die Zuckerkrankheit hin.

Sport bei schlechter Luft ist ungesund

Für Herz und Lunge ist es besser, sich in ländlichen Gebieten zu bewegen.

Täglicher Frust sorgt für Albträume

Wer unzufrieden ist, leidet häufig unter wiederkehrenden Albträumen.

Migräne: Neue Therapie in Sicht

Ein neues Medikament zeigt bei vielen Patienten eine gute Wirkung.

Impfstoff nicht in den Muskel spritzen?

Forscher haben untersucht, wie Impfungen besser vor Krankheiten schützen könnten.

Schlafapnoe mit Cannabis behandeln?

Eine Substanz, die in Cannabis vorkommt, reduziert nächtliche Atemaussetzer.

USA: Sehr viele Kinder mit 35 fettleibig

Wenn sich nichts ändert, könnten über die Hälfte aller Kinder als Erwachsene betroffen sein.

Einen Überblick über alle Nachrichten bekommen Sie auf aponet.de unter Aktuelles.

Apotheke finden

Tagsüber
Notdienst
Alle Inhalte
schließen