Sie sind in: Startseite Aktuelles Forschung Leber fängt Darmbakterien ab

Aktuelles

Drei junge Frauen beim Käse-Fondue

Bereits ein Fondue mit reichlich Kirschwasser genügt, um die Darmschutzschicht zu beschädigen. Diese verhindert normalerweise, dass Darmbakterien in den Blutkreislauf gelangen.
© sumnersgraphicsinc - Fotolia

Sa. 24. Mai 2014

Firewall-Funktion: Leber fängt Darmbakterien ab

Gegen die Gefahr, dass Bakterien aus dem Darm in den Körperkreislauf gelangen, ist der menschliche Körper mehrfach gesichert. Eine letzte und wichtige Instanz in diesem System ist offenbar die Leber, wie Forscher aus der Schweiz, Italien und Belgien jetzt herausgefunden haben.

Anzeige

Damit die Darmbakterien dort bleiben, wo sie sind, gibt es verschiedene Barrieren, die verhindern, dass Mikroorganismen in den Blutkreislauf gelangen können. Dies wird zum einen durch den speziellen Aufbau des Darms gewährleistet, der mit einer dichten Zellschicht ausgekleidet und von einer dicken Schleimschicht überzogen ist. Allerdings genüge bereits ein Fondue-Abend mit reichlich Kirschwasser, um Schleimschicht und Epithelzellen im Darm zu beschädigen, so die Forscher. Deshalb gibt es weitere Schutzmechanismen – weiße Blutkörperchen in der Darmschleimhaut, die Bakterien abtöten, und Lymphknoten im Darm als Filterstation. Eine zusätzliche Barriere ist offensichtlich die Leber, die damit zum Darm-Abwehrsystem gehört, wie die Forscher jetzt anhand von Labormäusen und bei Untersuchungen von Leberkranken feststellten.

Ausgangspunkt für ihre Vermutung war, dass Patienten mit Leberkrankheiten häufig an Infektionen mit Keimen erkranken, die normalerweise im Darm vorkommen. Ein Umstand, der sich durch die aktuellen Studienergebnisse erklären ließe. Demnach ist die Leber eine Art Filter, mit deren Hilfe Bakterien, denen es gelungen ist, in den Blutkreislauf einzudringen, eliminiert werden. "Sie ist eine Art Firewall für den Fall, dass die anderen Barrieren nicht ausreichen", erklärt Studienleiter Andrew Macpherson von der Universität Bern. Funktioniert die Leber nicht mehr richtig, können die Darmbakterien nicht mehr effizient aus dem Blut gefiltert werden. In diesem Fall beginnt das Immunsystem damit, spezielle Antikörper gegen diese Bakterien zu produzieren. Und genau das konnten die Forscher bei Patienten mit einem breiten Spektrum an Lebererkrankungen nachweisen. Die abnormalen Immunreaktionen gegen Darmbakterien seien ein Zeichen dafür, dass die "Firewall" bei Lebererkrankungen defekt sei und erste Systemfehler aufträten, so die Forscher. Ihre Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine nachzulesen.

HH

Der aponet.de-Newsletter

Sie interessieren sich für aktuelle Gesundheits-Nachrichten? Probieren Sie das kostenfreie Newsletter-Abonnement von aponet.de und verpassen Sie keine Meldung mehr.

Forschung

Aktuelle Meldungen aus dieser Rubrik

Berufstätige leiden unter digitalem Stress

Vor allem junge Menschen fühlen sich zunehmend überfordert.

Bluthochdruck: Keine Frage des Alters?

Der Lebensstil hat offenbar einen viel größeren Einfluss auf den Blutdruck.

Heißes Bad: Gleicher Effekt wie Sport?

Baden verbessert offenbar die Entzündungswerte und den Stoffwechsel.

Sind Blüten im Essen unbedenklich?

Einige Wildblüten enthalten Stoffe, die der Gesundheit schaden können.

Neue Therapie für Restless Legs?

Die Behandlung des Restless Legs Syndroms könnte künftig zielgenauer und besser werden.

Blutfette auch bei Kindern kontrollieren

Zu hohe Cholesterinwerte sind bei Kindern und Jugendlichen keine Seltenheit mehr.

Frühstücken schützt vor Diabetes

Wer häufig das Frühstück auslässt, erkrankt eher an Typ-2-Diabetes.

Krankes Herz durch schlechte Zähne

Dieser Zusammenhang hat sich bereits in vielen Studien gezeigt.

Sind Impfungen schuld an Allergien?

Forscher haben diese verbreitete Annahme näher untersucht.

Mehr Tote durch resistente Bakterien

Auch in Deutschland sterben immer mehr Menschen an Antibiotika-resistenten Keimen.

Toxoplasmose ändert Hirnstoffwechsel

Das könnte zu Erkrankungen wie Depressionen oder Schizophrenie führen.

Tennisarm: Beste Therapie ist Geduld

Forscher haben 11 Behandlungsmöglichkeiten miteinander verglichen.

Einen Überblick über alle Nachrichten bekommen Sie auf aponet.de unter Aktuelles.

Apotheke finden

Tagsüber
Notdienst
Alle Inhalte
schließen