Sie sind in: Startseite Aktuelles Forschung Forscher entwaffnen Cholera-Erreger

Aktuelles

Mikroskopaufnahme Cholera-Erreger

Der Erreger der Cholera, Vibrio cholerae, kann seine schädliche Wirkung erst entfalten, wenn in seiner Umgebung die richtige Temperatur - wie z.B. in menschlichen Darm - herrscht.
© Karl Klose

Do. 18. September 2014

Cholera: Forscher entwaffnen Durchfall-Erreger

Um ihre schädliche Wirkung zu entfalten, müssen die Bakterien, die die schwere Durchfallerkrankung Cholera auslösen, erkennen, wann sie in einem geeigneten Wirt – z.B. einem Menschen – angekommen sind. Forschern ist es jetzt gelungen, die Durchfall-Erreger so zu sabotieren, dass sie genau das nicht mehr bemerken.

Anzeige

Das entscheidende Erkennungs-Signal für die Cholera-Bakterien sei ein Anstieg der Umgebungstemperatur auf 37°C, also auf die Körpertemperatur des Menschen. Diesen Anstieg registrierten die Bakterien mit einer Art Thermometer, schreiben die Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und der University of Texas in der Fachzeitschrift PNAS.

Das "Bakterien-Thermometer" befindet sich in der Boten-RNA der Bakterien. Bei der RNA handelt es sich um eine Abschrift des Erbguts, die als Vorlage für den Bau von Eiweißstoffen dient, in diesem Fall eines Proteins, das die Anheftung des Bakteriums an die Darminnenwand und die Herstellung des typischen Bakterien-Gifts steuert. Bei niedrigen Temperaturen, zum Beispiel in Wasser, hat das Thermometer eine Struktur, die verhindert, dass das Protein gebaut wird. Wird die Umgebung nun wärmer, verändert sich die Struktur jedoch und das Bakterium kann seine gefährliche Wirkung entfalten.

Den Forschern gelang es nun in Versuchen mit Mäusen, das RNA-Thermometer zu sabotieren und damit zu verhindern, dass es seine Struktur verändert. "Damit haben wir den Cholera-Erreger buchstäblich auf Eis gelegt", so Professor Dr. Franz Narberhaus von der RUB. Die so veränderten Bakterien waren nicht mehr in der Lage, den Darm von Mäusen zu besiedeln, und wurden somit unschädlich gemacht. In der Zukunft könnten die neuen Erkenntnisse vielleicht zu Medikamenten führen, mit deren Hilfe der schweren Druchfallerkrankung mit oft lebensgefährlichem Flüssigkeitsverlust beizukommen wäre, so die Hoffnung.

HH

Der aponet.de-Newsletter

Sie interessieren sich für aktuelle Gesundheits-Nachrichten? Probieren Sie das kostenfreie Newsletter-Abonnement von aponet.de und verpassen Sie keine Meldung mehr.

Forschung

Aktuelle Meldungen aus dieser Rubrik

Sind Blüten im Essen unbedenklich?

Einige Wildblüten enthalten Stoffe, die der Gesundheit schaden können.

Neue Therapie für Restless Legs?

Die Behandlung des Restless Legs Syndroms könnte künftig zielgenauer und besser werden.

Blutfette auch bei Kindern kontrollieren

Zu hohe Cholesterinwerte sind bei Kindern und Jugendlichen keine Seltenheit mehr.

Frühstücken schützt vor Diabetes

Wer häufig das Frühstück auslässt, erkrankt eher an Typ-2-Diabetes.

Krankes Herz durch schlechte Zähne

Dieser Zusammenhang hat sich bereits in vielen Studien gezeigt.

Sind Impfungen schuld an Allergien?

Forscher haben diese verbreitete Annahme näher untersucht.

Mehr Tote durch resistente Bakterien

Auch in Deutschland sterben immer mehr Menschen an Antibiotika-resistenten Keimen.

Toxoplasmose ändert Hirnstoffwechsel

Das könnte zu Erkrankungen wie Depressionen oder Schizophrenie führen.

Tennisarm: Beste Therapie ist Geduld

Forscher haben 11 Behandlungsmöglichkeiten miteinander verglichen.

Inkontinenz: Für viele Frauen ein Tabu

Fast jede zweite Frau über 50 leidet darunter, die wenigsten suchen sich jedoch Hilfe.

Schnell wieder schwanger?

Das birgt Risiken, mahnen Ärzte und erklären, wie lange Frauen warten sollten.

Hirngröße beeinflusst das Krebsrisiko

Der Lebensstil spielt bei Hirntumoren offenbar nur eine untergeordnete Rolle.

Einen Überblick über alle Nachrichten bekommen Sie auf aponet.de unter Aktuelles.

Apotheke finden

Tagsüber
Notdienst
Alle Inhalte
schließen