Sie sind in: Startseite Aktuelles Forschung "Pille danach" bald ohne Rezept?

Aktuelles

Junge Frau sitzt im Bett und ist verzweifelt

Wird die "Pille danach" aus der Verschreibungspflicht entlassen, könnte sie Frauen nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Verhütungspannen früher zur Verfügung stehen und dann wirksamer sein.
© Doreen Salcher - Fotolia

Mo. 24. November 2014

EU-Arzneimittelbehörde befürwortet "Pille danach" ohne Rezept

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat sich dafür ausgesprochen, die "Pille danach" mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat aus der Verschreibungspflicht zu entlassen.

Die Auswertung der verfügbaren Informationen zur "Pille danach" mit Ulipristalacetat habe ergeben, dass Frauen sie sicher und effektiv ohne ärztliche Verordnung anwenden können, teilt der zuständige Ausschuss der EMA mit. Dabei stützt er sich auf umfangreiche Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit des seit 2009 in der EU zugelassenen Wirkstoffs Ulipristalacetat. Die Daten hätten gezeigt, dass das Sicherheitsprofil von Ulipristalacetat mit dem von Levonorgestrel - einem anderen, besser erforschten Notfall-Verhütungsmittel - vergleichbar sei. Die "Pille danach" mit Levonorgestrel ist in den meisten Mitgliedsstaaten der EU bereits ohne Rezept verfügbar. In Deutschland allerdings nicht.

Anzeige

Mit der Freigabe von Ulipristal will die Behörde Frauen nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Verhütungspannen den Zugang zu entsprechenden Präparaten erleichtern. Ulipristal wirkt empfängnisverhütend, indem es den Eisprung verhindert oder verzögert. Dazu muss es bis spätestens fünf Tage nach dem Sex, am besten jedoch innerhalb von 24 Stunden eingenommen werden. Der Wegfall der Verschreibungspflicht soll dafür sorgen, dass Frauen das Präparat früher zur Verfügung steht, und so dessen Wirksamkeit steigern.

Die Empfehlung der EMA richtet sich an die EU-Kommission, die voraussichtlich bis Ende Januar 2015 einen endgültigen Beschluss fällen wird. In aller Regel aber folgt die Kommission den Empfehlungen der EMA. Da die "Pille danach" mit Ulipristal eine zentrale EU-Zulassung besitzt, wird dieser Beschluss für alle EU-Mitgliedsstaaten grundsätzlich bindend sein. Die deutsche Regierung – die CDU als stärkerer Partner in der Regierungskoalition ist erklärtermaßen gegen eine Entlassung der" Pille danach" aus der Verschreibungspflicht – könnte die Freigabe dennoch verhindern. Dazu könnte sie sich auf eine EU-Richtlinie berufen, die den Mitgliedsstaaten erlaubt, "den Verkauf, die Lieferung und den Gebrauch von empfängnisverhütenden oder schwangerschaftsunterbrechenden Arzneimitteln" zu verbieten oder einzuschränken.

Wie sich die Bundesregierung in dieser Frage positioniert, wird abzuwarten sein. Wie auch immer die Entscheidung ausfallen wird: Bei einer Freigabe der "Pille danach" wären Deutschlands Apotheker bereit, die Sicherheit der Anwenderinnen durch Beratung sicherzustellen. Das hat der Präsident der Bundesapothekerkammer, Andreas Kiefer, in der Vergangenheit bereits mehrfach betont.

PZ/AM/FH

Der aponet.de-Newsletter

Sie interessieren sich für aktuelle Gesundheits-Nachrichten? Probieren Sie das kostenfreie Newsletter-Abonnement von aponet.de und verpassen Sie keine Meldung mehr.

Forschung

Aktuelle Meldungen aus dieser Rubrik

Kinder: Lauf-Test deckt Herz-Risiko auf

Wem früh die Puste ausgeht, der ist im späteren Leben möglicherweise gefährdet.

Schnupfen-Sekret gibt Hinweis auf Erreger

Ein einfacher Test könnte zeigen, ob es sich um einen viralen oder bakteriellen Infekt handelt.

Parodontitis deutet auf Diabetes hin

Je schwerer die Entzündung, desto höher ist das Risiko für die Zuckerkrankheit.

Was bringt eine Testosteron-Therapie?

Forscher warnen: Dem Nutzen stehen auch Risiken gegenüber.

Fettes Essen schadet dem Körper sofort

Schon eine fettreiche Mahlzeit verändert den Zuckerstoffwechsel.

Was schützt wirklich vor Mückenstichen?

Forscher haben diverse Produkte zur Insektenabwehr getestet.

Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Ein Impfstoff mit lebendigen Erregern verspricht einen vollständigen Schutz.

Vitamin D schützt vor Erkältung und Grippe

Eine regelmäßige Einnahme halbiert das Risiko für einen akuten Atemwegsinfekt.

Immuntherapie: Zwei Jahre sind zu wenig

Eine länger andauernde Behandlung lindert Heuschnupfen-Symptome besser.

Mittelmeerkost schützt das Herz

Vor allem eine Extraportion Olivenöl wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus.

Fischöl hilft bei allergischem Asthma

Für den positiven Effekt sind die Omega-3-Fettsäuren verantwortlich.

Sorgen Entzündungen für Depressionen?

Forscher haben einen neuen Ansatz zur Behandlung von Depressionen gefunden.

Einen Überblick über alle Nachrichten bekommen Sie auf aponet.de unter Aktuelles.

Apotheke finden

Tagsüber
Notdienst
Alle Inhalte
schließen