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Auch Bewegungsmangel und Übergewicht können zu einer Fettleber führen.

Wer seinen Lebensstil umstellt, entlastet damit seine Leber und senkt das Risiko für gefährliche Krankheiten.
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Fr. 26. Mai 2017

Fettleber nicht nur durch Alkohol

Nicht nur Alkohol macht der Leber das Leben schwer, es reicht schon das Sofa. Jedenfalls, wenn man sich kaum mehr davon erhebt und gleichzeitig viel isst. Auch ein solcher ungesunder Lebensstil kann zur nichtalkoholischen Fettleber führen. Was sie für Folgen hat, wie man sie feststellt und was sich dagegen tun lässt, erläuterte der Leberexperte Professor Dr. Michael Trauner vom Universitätsklinikum Wien auf einer Apothekerfortbildung in Meran, Südtirol.

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Die nichtalkoholische Fettleber entwickelt sich laut Professor Trauner zur Volkskrankheit. Dem Experten zufolge betrifft sie innerhalb der Europäischen Union bereits 30 bis 40 Prozent der Gesamtbevölkerung. Allerdings ist noch nicht jeder mit fetter Leber sofort unheilbar krank. Den ersten noch recht gut abwehrbaren "Leberhaken" gibt es, wenn Leberzellen bei übergewichtsbedingten Stoffwechselstörungen beginnen, zu viel Fett einzulagern. Grundsätzlich ist das umkehrbar, wenn man anfängt, gesünder zu leben, Übergewicht abzubauen und damit einer sogenannten Insulinresistenz entgegenwirkt, die sich ungünstig auf den Fettstoffwechsel auswirkt. Laut Professor Trauner trägt die bei Übergewicht nachlassende Insulinwirkung und die dadurch vermehrte Fettfreisetzung aus Fettzellen den größten Anteil an der Entstehung der Fettleber. Leberzellen werden regelrecht mit Fett überschwemmt und lagern es vermehrt ein. Daher verwundert es nicht, dass 50 bis 75 Prozent aller Menschen mit Übergewicht und Typ-2-Diabetes, bei denen eine mangelnde Insulinwirkung vorliegt, eine Fettleber haben.

Wird nichts gegen Bewegungsmangel und Übergewicht unternommen, kann es möglicherweise zu einer Leberentzündung kommen. Weitere Folgen sind Schäden im Lebergewebe, vermehrte Bindegewebsbildung und schließlich die Leberverhärtung, eine sogenannte Leberzirrhose. Bei Patienten mit Übergewicht und Diabetes findet sich nach Angaben Trauners in zwei bis drei Prozent der Fälle bereits eine Leberzirrhose. Bei konsequentem Eingreifen könne man milde Formen der Leberzirrhose noch zurückbilden. Der Experte warnte, dass die entzündete Fettleber und die Leberzirrhose eine zunehmende Rolle bei Leberkrebs spielt, der sogar schon in Vorstadien der Leberzirrhose auftreten könne. Nicht zu unterschätzen sei auch, dass Menschen mit einer Fettleber und ihren Folgen ein erhöhtes Risiko haben, an Herz-Kreislauf-Leiden zu sterben.

Für jeden erkennbare Warnzeichen für ein Fettleber und beginnende Folgeschäden gibt es leider kaum. Die meisten Patienten haben zum Zeitpunkt der Diagnose keine Beschwerden oder Anzeichen eines Lebererleidens. Möglich sind Müdigkeit oder ein Druckgefühl im rechten Oberbauch. Um der Fettleber und den ihr folgenden Veränderungen auf die Spur zu kommen, macht der Arzt eine Ultraschalluntersuchung und prüft einige Blutwerte. Es gibt auch Techniken, mit denen man die Steifigkeit der Leber untersuchen kann, um festzustellen, ob sie schon vernarbt und verhärtet – zirrhotisch − ist. Die Zusammenschau aller Untersuchungsergebnisse zeigt, wie wahrscheinlich eine Fettleber und Leberschäden sind. Eventuell kann dann eine Gewebeprobe aus der Leber Gewissheit geben.

Wichtigste Gegenmaßnahme gegen die nichtalkoholische Fettleber und Leberverhärtung bleibt eine Veränderung des Lebensstils. Trauner zufolge sollten Menschen mit einer nichtalkoholischen Fettleber ohne Zirrhose zumindest fünf Prozent abnehmen, bei einer beginnenden Leberverhärtung besser um zehn Prozent. Unter Umständen könne bei stark übergewichtigen Patienten auch eine Operation zur Magenverkleinerung helfen. Zudem sei Lebensmitteln zugesetzter Fruchtzucker nicht günstig, der beispielsweise in vielen Fruchtsäften steckt. Zusätzlich können einige Medikamente eingesetzt werden, beispielsweise Statine, die den Fettstoffwechsel verbessern und die Risiken für Herz und Kreislauf senken. Bei diabetischen Patienten helfen womöglich bestimmte Diabetesmedikamente wie Pioglitazon oder Metformin. Ob sie eingesetzt werden sollten, entscheidet der behandelnde Arzt. Die Mittel sollen sich günstig auf das Leberkrebsrisiko auswirken, so Trauner. Als ein Medikament, das zurzeit in der Erprobung ist, erwähnte Trauner die Obeticholsäure, die sich an spezielle Ankerplätze für Gallensäuren im Körper setzt. Der Wirkstoff kann womöglich helfen, zirrhotische Leberschäden infolge der Fettleber zu behandeln.

FS

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