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Junge Frau fasst sich an die Ohren

Neurowissenschaftler haben herausgefunden, wie das unangenehme Tinnitus-Klingeln in der Hirnrinde entsteht. Das kann neue Wege zur Therapie der bisher nur schwer zu behandelnden Erkrankung eröffnen.
© Robert Kneschke - Fotolia

Mi. 14. September 2011

Tinnitus: Durch Hirntraining Erlösung vom Klingeln

Hoffnung für Tinnitus-Patienten: Neurowissenschaftler der University of California in Berkeley (USA) haben herausgefunden, wie das unangenehme Tinnitus-Klingeln in der Hirnrinde entsteht. Das kann neue Wege zur Therapie der bisher nur schwer zu behandelnden Erkrankung eröffnen. Nach Angaben der Forscher kann Hirntraining dazu führen, dass Bereiche der Hirnrinde, die bei Tinnitus den Kontakt und damit die Signale aus dem Ohr verloren haben, wiederbelebt werden.

Tinnitus-Patienten kennen keine Stille: Ein ständiges Pfeifen, Klingeln oder Rauschen im Ohr macht ihnen das Leben schwer. Hilfe gab es bislang kaum für die Betroffenen. Meist geht dem störenden Geräusch ein Hörverlust voraus. Dauerhaftes Einwirken lauter Geräusche – etwa bei Maschinenarbeitern – und auch Medikamente führen dazu, dass die sogenannten Haarzellen in der Hörschnecke, die für die Aufnahme der Schallreize zuständig sind, zugrunde gehen. Da jede Haarzelle einer bestimmten Tonfrequenz zugeordnet ist, führt der Verlust der Sinneszellen zu einer "Hörlücke": meist können Töne der betroffenen Frequenzen und höhere Töne nicht mehr wahrgenommen werden.

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Vorausgehende Experimente konnten bereits zeigen, dass die Tinnitus-typischen Geräusche nicht im Ohr selbst, sondern in der Hirnrinde entstehen. Die Hirnrinde nimmt normalerweise die Reize aus dem Innenohr auf und verarbeitet sie dann weiter. Im Tierversuch konnten Wissenschaftler zeigen, dass die Nervenzellen der Hirnrinde überempfindlich werden, wenn sie nicht ausreichend gefordert werden, etwa weil ihnen aufgrund des Untergangs von Sinneszellen im Ohr die normalen Reize fehlen. Viele dieser Nervenzellen würden dann plötzlich spontan erregt, um ihre normale Aktivitätsrate aufrecht zu erhalten. Das führe dann zu den beklagten Phantomgeräuschen, ähnlich wie Amputierte plötzlich Phantomschmerzen in der fehlenden Hand oder im fehlenden Bein verspüren.

Aus dieser neuen Erkenntnis leiten die Wissenschaftler auch gleich eine neue Behandlungsmethode ab: Die Hirnzellen müssen gezielt trainiert werden, damit sie wieder Reize erhalten und nicht unsinnigerweise spontan aktiv werden. So könne etwa ein Hörtraining mit Tonfrequenzen, die nahe an den Bereichen liegen, deren Haarzellen zugrunde gegangen sind, dazu führen, dass auch dir ursprünglich nicht mehr geforderten Hirnareale wieder an der Verarbeitung der Hörreize teilnehmen. Ein weiterer Therapieansatz aus den neuen Erkenntnissen könnten auch Medikamente sein, die die Spontanaktivität der Hirnnervenzellen unterdrücken.

Bisherige Trainingstherapien liefen übrigens genau gegenteilig ab. Durch die verstärkte Konzentration auf Tonfrequenzen, die deutlich höher oder niedriger als die Tinnitus-Tonhöhe liegen, sollte der Patient vom störenden Ohrgeräusch abgelenkt werden, um das Pfeifen oder Brummen zu überhören. Die neue Strategie zielt nun darauf genau die Frequenzen anzubieten, auf denen der Patient das Pfeifen oder Rauschen hört.

KK

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