Sie sind in: Startseite Aktuelles Forschung Öfter Krebs nach Autoimmunerkrankung

Aktuelles

Menschen

Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose oder Typ-1-Diabetes treten oft schon in jungen Jahren auf. Viele dieser Erkrankungen erhöhen das Risiko für bösartige Tumoren.
© mauritius images

Di. 11. Oktober 2011

Viele Autoimmunerkrankungen erhöhen das Krebsrisiko

Schon lange vermuten Wissenschaftler, dass Autoimmunerkrankungen das Krebsrisiko beeinflussen. Nun konnten Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums erstmals zeigen, dass viele Autoimmunerkrankungen tatsächlich das Risiko für bösartige Tumoren erhöhen. Überraschenderweise gibt es aber auch einige Autoimmunerkrankungen, die das Krebsrisiko senken.

Als Datenbasis diente für die Studie das schwedische Krebsregister, das die gesamte schwedische Bevölkerung erfasst. Die Forscher untersuchten alle Männer, Frauen und Kinder, die nach 1964 wegen einer Autoimmunerkrankung im Krankenhaus behandelt wurden und bis zum Jahr 2008 an Krebs erkrankten. Die Forscher konzentrierten sich dabei auf 33 verschiedene Autoimmunerkrankungen und 11 verschiedene Krebserkrankungen des Verdauungstrakts wie etwa Magenkrebs, Darmkrebs, Leber- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Anzeige

Das Ergebnis: Die meisten Autoimmunerkrankungen scheinen das Risiko für diese Krebsarten zu erhöhen. So haben Menschen, die an einer bestimmten Form der Blutarmut, der perniziösen Anämie, leiden, ein viermal höheres Risiko für Magenkrebs. Bei Mysthenia gravis, einer relativ seltenen Erkrankung, bei der die Erregungsübertragung von den Nerven auf die Muskeln gestört ist, treten sogar mehrere Krebserkrankungen häufiger auf – so ist etwa das Risiko für Speiseröhrenkrebs bei den Betroffenen dreifach erhöht. Aber auch die relativ häufige Schuppenflechte (Psoriasis) erhöht das Risiko für mehrere Krebsarten des Verdauungstrakts.

Ein möglicher Grund hierfür können den Experten zufolge die Medikamente sein, mit denen Autoimmunerkrankungen behandelt werden. Autoimmunerkrankungen können jedes Gewebe im Körper betreffen und daher unterschiedlichste Beschwerden verursachen. Hinter allen Autoimmunerkrankungen steht ein gemeinsamer Mechanismus: die körpereigene Immunabwehr attackiert plötzlich fälschlicherweise die körpereigenen Zellen – verwechselt sozusagen Freund und Feind. In der Therapie der Autoimmunerkrankungen werden daher häufig sogenannte Immunsuppressiva eingesetzt, die die Immunabwehr drosseln sollen, um weitere Schäden an den Geweben und Organen zu vermeiden. Das so unterdrückte Immunsystem kann dann auch die Tumorzellen nicht mehr effektiv bekämpfen. Das führt den Forschern zufolge zu einem erhöhten Krebsrisiko.

Überraschend: Bei Patienten, die an rheumatoider Arthritis leiden, fanden die Wissenschaftler ein um 30 Prozent verringertes Risiko für Darmkrebs. Bei Rheuma werden häufig entzündungshemmende Medikamente wie etwa Acetylsalicylsäure eingesetzt. Dieser Wirkstoff hat schon in anderen Studien gezeigt, dass es Krebserkrankungen vorbeugen kann. Für die Forscher ist daher besonders wichtig, dass Menschen, die an Autoimmunerkrankungen leiden, regelmäßig an Krebsvorsorgeuntersuchungen teilnehmen.

KK

Forschung

Aktuelle Meldungen aus dieser Rubrik

5 Punkte, die vor Darmkrebs schützen

Jeder kann sein Darmkrebsrisiko senken, indem er auf einen gesunden Lebensstil achtet.

Kinder: Einmal dick, immer dick?

Kinder, die mit 3 Jahren schon zu viel wiegen, werden später nicht mehr schlank.

Kommt ein Mittel gegen Zöliakie?

Schon bald könnte es ein Präparat geben, das bei Glutenunverträglichkeit hilft.

Psyche: Macht die Uni krank?

Viele Studenten sind gestresst und erschöpft. Frauen leiden besonders unter dem wachsenden Druck.

Diese 5 Lebensmittel senken den Blutzucker

Gewisse Lebensmittel und Gewürze halten den Blutzucker in Schach.

Fluorchinolone bergen große Risiken

Gewisse Antibiotika können schwere und langanhaltende Nebenwirkungen verursachen.

Fibromyalgie: Was ist die Ursache?

Entzündungen im Gehirn könnten für die Schmerzkrankheit verantwortlich sein.

Sterben oder mit HIV leben?

In Südafrika standen Ärzte vor der Entscheidung, einem todkranken Kind die Leber der HIV-positiven Mutter zu übertragen.

Jede zweite Frau erkrankt neurologisch

Demenz, Parkinson oder Schlaganfall: Eine dieser Krankheiten trifft die Hälfte aller Frauen.

Milchprotein hilft bei Chemotherapie

Lactoferrin mildert den metallischen Geschmack, der oft Nebenwirkung einer Chemo ist.

Warum Frauen in die Menopause kommen

Forscher haben eine neue Theorie dazu entwickelt.

Schützt die Pille vor Eierstockkrebs?

Auch neuere Präparate scheinen das Risiko bei jungen Frauen zu senken.

Einen Überblick über alle Nachrichten bekommen Sie auf aponet.de unter Aktuelles.

Apotheke finden

Tagsüber
Notdienst
Alle Inhalte
schließen