Sie sind in: Startseite Aktuelles Forschung Rheuma: Neue Leitlinie

Aktuelles

Frauenhände - bei Rheumatoider Arthritis sind besonders die Gelenke betroffen.

Bei Rheumatoider Arthritis sind besonders Gelenke wie die Hände betroffen.
© Sandor Kacso - Fotolia

Sa. 03. September 2011

Rheumatoide Arthritis: Jede Neuerkrankung ist ein Notfall

Dauerhafte Schäden an den Gelenken lassen sich bei der rheumatoiden Arthritis durch eine frühzeitige und leitliniengerechte Behandlung verhindern. Jede Neuerkrankung ist deshalb ein medizinischer Notfall, dessen Therapie in die Hände eines Rheumatologen gehört.

Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) anlässlich der neu überarbeiteten Leitlinie zum Management der frühen rheumatoiden Arthritis hin. Experten stellen die Leitlinie im Rahmen des 39. DGRh-Kongresses in München vor.

Bei der rheumatoiden Arthritis, der häufigsten entzündlich-rheumatischen Erkrankung, greift das Immunsystem körpereigenes Gewebe in den Gelenken an. In Deutschland leiden rund 450.000 Menschen an rheumatoider Arthritis, Frauen deutlich häufiger als Männer. Die Erkrankung beginnt meist mit einer schmerzhaften Schwellung eines oder mehrerer Gelenke, die mit einer Morgensteifigkeit einhergeht. "Betroffen sind oft die Gelenke an Hand, Fingern oder Zehen. Nicht selten kommt es zu grippeähnlichen Allgemeinbeschwerden", erklärt Professor Dr. med. Matthias Schneider vom Universitätsklinikum Düsseldorf, einer der Mitautoren der aktualisierten Leitlinie. "Ein Verdacht auf eine rheumatoide Arthritis erhärtet sich, wenn die Entzündung länger als sechs Wochen anhält."

Anzeige

In jedem Fall sollte ein Arzt die Beschwerden abklären. Die neue Leitlinie enthält hierfür einen klaren Handlungspfad, mit dem Hausärzte und Orthopäden die Erkrankung schnell erkennen und von Gelenkverschleiß, der Arthrose, unterscheiden können. "Unser Ziel ist es, dass alle Neuerkrankten innerhalb von zwölf Wochen eine fachgerechte Behandlung erhalten", sagt Schneider. Davon sei man derzeit leider noch weit entfernt, gesteht der Experte ein.

Die Behandlung, die nach Empfehlung der DGRh ein Facharzt koordinieren sollte, besteht in der frühzeitigen Gabe sogenannter krankheitsmodifizierender Medikamente, die im Englischen Disease Modifying Anti-Rheumatic Drug (DMARD) heißen. Für diese Basistherapie stehen den Ärzten eine Reihe bewährter Substanzen zur Verfügung. Am häufigsten kommt der Wirkstoff Methotrexat zum Einsatz. Er schwächt den Angriff des Immunsystems ab, der für die Zerstörung der Gelenke verantwortlich ist. Seit einigen Jahren setzen Ärzte aber auch sogenannte Biologika ein. Diese molekularbiologisch hergestellten Medikamente hemmen ganz gezielt bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe des Körpers.

Entscheidend ist der rechtzeitige Beginn der Therapie. Das Zeitfenster – Ärzte sprechen vom sogenannten "window of opportunity" – ist kurz. Unbehandelt entwickeln zwischen der Hälfte und zwei Drittel der Patienten im Verlauf von fünf Jahren schwere dauerhafte Gelenkschäden. Um dies zu verhindern, sollte die Therapie spätestens sechs Monate nach Krankheitsbeginn einsetzen. "Je eher, desto besser", betont Schneider. "Wenn jeder Patient mit rheumatoider Arthritis von Beginn der Symptome an leitliniengerecht behandelt würde, könnten mehr als 90 Prozent dieser Menschen ein ganz normales Leben führen", ergänzt der Experte, der die Leitlinie auch mit seinen Kollegen auf dem DGRh-Kongress diskutiert.

DGRh

Forschung

Aktuelle Meldungen aus dieser Rubrik

Gesund leben schützt vor vielen Krankheiten

Mehrere Krankheiten auf einmal: Das Risiko dafür steigt, wenn wir ungesund leben.

Symptome googeln schadet der Psyche

Schon nach fünf Minuten Recherche fühlen sich viele Menschen schlechter als vorher.

Pilz zapft Eisenreserven an

Der resistente Pilz Candida glabrata ist für Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährlich.

Viele Sexpartner steigern Krebsrisiko

Wer mehr als zehn Sexualpartner im Laufe seines Lebens hatte, ist gefährdet.

Je mehr Zucker, desto weniger Vitamine

Essen wir viele Süßigkeiten, greifen wir gleichzeitig seltener zu gesunden Lebensmitteln.

Gürtelrose-Impfung gegen Schlaganfall

Senioren profitieren von einer Impfung gleich in mehrfacher Hinsicht.

Frauen gehen zu sorglos mit Alkohol um

Viele Frauen über 50 trinken riskante Mengen Alkohol, ohne sich darüber im Klaren zu sein.

ADHS wegen Vitamin-D-Mangel?

Ein Vitamin-D-Mangel in der Schwangerschaft ist ein Risiko für das ungeborene Baby.

Hautentzündungen durch Fast Food?

Zu viel Fett und Zucker könnten das Risiko für Schuppenflechte erhöhen.

Coronavirus: Impfstoff in Rekordzeit?

Weltweit arbeiten Forscher mit Hochdruck an der Entwicklung eines Impfstoffs.

Trauer: Gefühle zeigen ist gesünder

Nach dem Tod eines geliebten Menschen ist es nicht unbedingt gesund, stets die Fassung zu wahren.

Enddarmkrebs: Oft geht es ohne OP

Eine abwartende Therapie bringt den meisten Patienten offenbar keine Nachteile.

Einen Überblick über alle Nachrichten bekommen Sie auf aponet.de unter Aktuelles.

Apotheke finden

Tagsüber
Notdienst
Alle Inhalte
schließen