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Patientin mit Grippe

Grippe ist Stress für den Körper - und erhöht US-amerikanischen Wissenschaftlern zufolge das Risiko für die Autoimmunerkrankung Narkolepsie.
© DAK/Wigger

Mo. 22. August 2011

Narkolepsie-Risiko durch Schweinegrippe

Narkolepsie, im Volksmund auch "Schlummersucht" genannt, tritt häufig im Zusammenhang mit einer Schweinegrippe-Infektion durch das Virus H1N1 auf. Eine Studie der Stanford University, USA, zeigt, dass es in China etwa fünf bis sieben Monate nach der Schweinegrippe-Welle zu einem deutlichen Anstieg neuer Narkolepsiefälle gekommen ist.

In der Studie, die im Fachblatt "Annals of Neurology" veröffentlicht wurde, werteten die Wissenschaftler um Emmanuel Mignot die Daten von 906 chinesischen Patienten aus, bei denen zwischen September 1998 und Februar 2011 eine Narkolepsie diagnostiziert wurde. Zudem wurden 154 Patienten genauer befragt, bei denen die Narkolepsie nach Oktober 2009 festgestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war mit den Schutzimpfungen gegen die Schweinegrippe in China begonnen wurden.

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Im letzten Jahr erkrankten in Europa auffällig viele Kinder nach einer Grippe-Impfung gegen das H1N1-Virus an Narkolepsie. In Finnland etwa hatten geimpfte Kinder ein bis zu 9-fach erhöhtes Risiko für eine Narkolepsie (aponet.de berichtete). Die WHO ließ daraufhin den Impfstoff untersuchen und stellte fest, dass er im Zusammenhang mit einem "weiteren bislang unbekannten Faktor" das Narkolepsierisiko bei genetisch vorbelasteten Menschen erhöhen könne.

Die nun in China erhobene Studie fand keinen Zusammenhang zwischen Grippeimpfung und Narkolepsierisiko. Stattdessen zeigen die Daten, dass die Narkolepsie mit Erkältungs- und Grippeerkrankungen zusammenhängt. Etwa fünf bis sieben Monate nach den jährlichen Erkältungs- und Grippewellen traten gehäuft Narkolepsiefälle auf: am seltensten im Oktober, am häufigsten im April. In der Wintersaison 2009/2010 erschien das H1N1-Grippeirus, das die Schweinegrippe auslöst, auf der Bildfläche. Verglichen mit den anderen Jahren erkrankten damals dreimal mehr Menschen an Narkolepsie.

Aus den Ergebnissen der Studie könnten keine ursächlichen Zusammenhänge abgeleitet werden, so die Experten. Allerdings scheine eher die Erkrankung als die Impfung für die Entstehung der Autoimmunreaktion verantwortlich zu sein, die die Narkolepsie auslöst. Aus Angst vor einer Narkolepsie die Grippeimpfung zu unterlassen, könne also einen gegenteiligen Effekt haben: Durch das erhöhte Erkankungsrisiko für die Schweinegrippe steige dann auch das Risiko für eine Narkolepsie.

Etwa drei Millionen Menschen weltweit leiden an Narkolepsie, einer Erkrankung bei der es tagsüber zu Schläfrigkeit, unruhigem Nachtschlaf bis hin zu plötzlichem Muskelversagen kommen kann. Die Experten vermuten, dass die Narkolepsie genetische Ursachen hat, aber erst ausbricht, wenn Umweltfaktoren das Immunsystem dazu anregen, die eigenen Nervenzellen anzugreifen. Unter anderem scheinen Infektionen mit bestimmten Bakterien wie etwa Streptokokkus pyogenes, dem Scharlach-Erreger, eine Rolle zu spielen.

KK

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