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Speziell für Kinder vermarktete Lebensmittel sind häufig ungesund.

Frisches Obst ist deutlich gesünder als Trockenfrüchte, die häufig in industriell hergestellten Müsli-Packungen stecken.
© obs/Siemens-Betriebskrankenkasse SBK/Irina Schmidt Fotolia

Sa. 06. Mai 2017

Thema der Woche: Lebensmittel für Kinder

Eltern wollen nur das Beste für ihre Sprösslinge. Das führt gerade beim Thema Ernährung häufig zu Fragen, die sich sicher jede Mutter und jeder Vater schon einmal gestellt hat: Wie gesund sind speziell für Kinder vermarktete Lebensmittel? Dass gezuckerte Joghurts & Co. nicht zu den gesündesten Lebensmitteln zählen, wissen die meisten Eltern. Wie sieht es aber mit Lebensmitteln aus, die auf den ersten Blick gesund erscheinen? Und wissen Babys intuitiv, welche Nahrungsmittel gesund für sie sind? Mehr dazu lesen Sie im aktuellen Thema der Woche.

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Babywasser

Wasser, das speziell für Babys vermarktet wird, zeichnet sich besonders durch seinen niedrigen Natriumgehalt aus. "Für Babynahrung oder als Getränk eignet sich aber auch jedes andere Mineralwasser, das für eine natriumarme Ernährung geeignet ist und den Zusatz ‚für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet‘ enthält - sein Natriumgehalt also unter 20 Milligramm pro Liter liegt", erklärt Ernährungsberaterin Jessica Scheugenpflug von der Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK). Nicht speziell für Babys vermarktetes Mineralwasser kostet teilweise deutlich weniger als spezielles Babywasser und schont somit die Haushaltskasse. Aber auch Leitungswasser ist in Deutschland einwandfrei und kann problemlos verwendet werden. Die Ernährungsberaterin rät jedoch, dass Wasser für kleine Kinder vorher abzukochen. Wenn das Kind älter ist, ist das Abkochen nicht mehr nötig.

Kindermilch

"Auch Kindermilch ist nicht nur unnötig, sie ist darüber hinaus ungesünder als herkömmliche Milch" sagt Scheugenpflug. Denn im Gegensatz zu Kuhmilch ist die sogenannte "Kindermilch" kein natürliches Produkt. Ihr werden häufig Zucker und künstliche Aromen hinzugefügt. Kinder gewöhnen sich an den süßen Geschmack und trinken auch später lieber ungesunde, gezuckerte Getränke.

Ungezuckertes Kindermüsli

Egal ob das Müsli extra für Kinder angeboten wird oder nicht: Ungezuckertes Müsli ist prinzipiell besser als solches mit Zuckerzusatz, das ist klar. Aber auch bei anderen klassischen Müslizutaten sollten die Eltern Acht geben. "Trockenfrüchte beispielsweise enthalten sehr viel Zucker, durch die Trocknung haben sie eine hohe Energiedichte. Besser ist es, eine reine Flockenmischung zu verwenden, die dann mit frischen Früchten und eventuell auch einem kleinen Anteil Schokomüsli oder ähnlichem gemischt werden kann, wenn das Kind darauf besteht", so Scheugenpflug.

Pürierte Obstsnacks

Verarbeitetes Obst hat weniger Vitamine und Mineralstoffe als frisches Obst. Aber nicht nur deshalb rät Scheugenpflug von pürierten Obstsnacks aus dem Supermarkt ab. Hinzu kommt, dass Kinder an der Packungsöffnung lutschen und nuckeln, um an den Inhalt zu kommen. Dadurch verweilt der Fruchtzucker lange im Mund und kann zu Karies führen. "Wenn Kinder pürierte Obstsnacks essen, sollte zumindest die Trinköffnung vorher gereinigt werden, um die Keimbelastung zu verringern", empfiehlt die Ernährungsberaterin. Frisches Obst sollte aber immer die erste Wahl sein.

Kinder-Früchteriegel

Auch Früchteriegel für Kinder suggerieren nur eine gesunde Ernährung. Fertige Produkte wie diese Früchteriegel enthalten deutlich weniger Vitamine und Ballaststoffe als frisches Obst und zudem häufig mehr Zucker.

Wissen Babys intuitiv, was gut für sie ist?

Die Frage, welche Lebensmittel ihre Kinder zu sich nehmen sollten, stellt sich Eltern bereits, wenn das Kind noch nicht einmal kauen kann: Sobald es nicht mehr ausschließlich gestillt wird oder das Fläschchen bekommt, müssen Eltern überlegen, wie und welche Beikost sie einführen möchten. Der Berufsverband für Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) warnt vor einem neuen Trend: dem "Baby-led weaning", also dem vom Baby gesteuerten Abstillen. Befürworter dieses Konzepts gehen davon aus, dass ein Säugling intuitiv wisse, welche Nahrung er für die Deckung seines Nährstoffbedarfs brauche. Eltern sollen dabei ihr Kind nicht füttern, sondern ihm die Nahrung nur anbieten - das Kind entscheidet, was es tatsächlich isst. Der BVKJ warnt jedoch vor einem Nährstoffmangel: So könne es zum Beispiel sein, dass das Kind nicht genug Eisen aufnimmt. Denn die Eisenspeicher der Babys seien schon kurze Zeit nach dem Abstillen praktisch leer. Wenn das Kind dann nur an einem Stück Fleisch saugt, bekomme es kaum Eisen. Außerdem könne es sein, dass ein Kind bei dem Fingerfood-Konzept nicht richtig satt wird oder es sich an einem Stück Gemüse oder Obst verschluckt.

Auch Scheugenpflug sieht diese Methode kritisch: "Eltern haben eine Fürsorgepflicht für ihre Kinder und tragen dafür Sorge, dass sie sich bedarfsgerecht ernähren. Die Intuition, sich in der richtigen Menge und nährstoffgerecht zu ernähren, fehlt Kindern in jungen Jahren einfach noch." Eltern könnten beim ‚Baby-led weaning‘ zudem nur schwer kontrollieren, wie viel vom Essen im Bauch ihres Kindes und wie viel auf dem Boden gelandet ist. Daher sollten Eltern bei der Beikosteinführung entscheiden, was auf den Tisch kommt und vor allem im Mund des Babys gelangt. Nichtsdestotrotz können und sollten Kinder hierbei eingebunden und ihnen ein gewisses Maß an Selbstständigkeit übertragen werden.

Dabei können sich Eltern etwa am Ernährungsplan des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) orientieren: Unter dem Schutz der Muttermilch sollen ab Beginn des fünften Monats nach und nach zunächst Brei, dann neue Nahrungsmittel wie Getreide, Gemüse, Obst, und Fleisch eingeführt werden. Eltern können dem Baby zusätzlich zur Beikost Brot, Gemüse oder Obst in Stückchen anbieten, sobald er sie kauen kann.

SBK/BVKJ/NK

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