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Bei der ayurvedischen Medizin kommen Bäder und Massagen zum Einsatz.
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Sa. 01. Juli 2017

Thema der Woche: Ayurveda und Verdauung

Den Begriff "Ayurveda" haben die meisten schon einmal gehört. Doch was verbirgt sich dahinter? Die Jahrtausende alte indische Heilkunde funktioniert nach anderen Kriterien als die Medizin, die in Europa praktiziert wird. Sie setzt schon vor der Erkrankung an und bezieht körperliche wie seelische Aspekte des Menschen mit ein. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Verdauung.

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Schulmedizin: Diese Bezeichnung hat sich für die gesundheitliche Versorgung hierzulande eingebürgert, weil die Ärzte dafür ein langes Studium absolviert haben. Unsere Gesundheit vertrauen wir vorzugsweise einem System an, das traditionsreich und durch Erfahrung untermauert ist. Genauso wie die Mitteleuropäer denkt ein großer Teil der Menschen in Indien, Sri Lanka oder Nepal. Die dortigen Ayurveda-Ärzte haben ein sechsjähriges Universitätsstudium und ein Staatsexamen absolviert und oft zusätzlich noch drei weitere Studienjahre. Die der Universität angegliederten Ayurveda-Kliniken verfügen meist über eigene Apotheken.

Gesundheit braucht Gleichgewicht

Seit mehr als 5000 Jahren existiert Ayurveda, eine Lehre sowohl zur Gesunderhaltung als auch zur Heilung von Krankheiten. Übersetzt bedeutet der Begriff "Wissen vom Leben". Als ganzheitliches System bezieht Ayurveda alle Ebenen des Menschseins mit ein: Körper, Denken, Gefühle und Spiritualität. Nach der ayurvedischen Lehre bleibt der Mensch durch einen intakten Ausgleich der Energien, der sogenannten Doshas, gesund. Davon gibt es drei. Sie heißen Vata, Pitta und Kapha und unterscheiden sich wesentlich durch Stoffwechselmerkmale. Gemeinsam steuern sie jeden Vorgang in unserem Organismus. Ihr Verhältnis zueinander macht die individuelle Konstitution eines Menschen aus. Meist dominiert dabei eines der drei Doshas. Ist der Mensch gesund, befinden sich die Energien in einem zwar individuell eigenen, in sich jedoch harmonischen Gleichgewicht. Damit das so bleibt, bedürfen die unterschiedlichen Konstitutionstypen einer auf sie zugeschnittenen Ernährung und Lebensweise.

  Vata Pitta Kapha
Häufiges Problem Verdauungsstörung Heißhunger Übergewicht
Empfohlene Ernährung Warme, gekochte, nährende Speisen und Getränke Kalte und warme Speisen, Frittiertes und Gebratenes meiden, nicht zu viel auf einmal essen Warme Speisen und Getränke, viel Gemüse, wenig Fleisch
Empfohlene Geschmacksrichtung Süß, sauer, salzig Süß, bitter, herb Bitter, herb, scharf


Jeder Mensch besitzt eine individuelle Balance dieser drei Doshas. Ist dieses Gleichgewicht durch körperlich oder seelisch belastende Einflüsse oder ungesunde Angewohnheiten gestört, wird der Mensch krank. Grund: Die Doshas regulieren "Agni", das Verdauungsfeuer. Ein Ungleichgewicht der Doshas schwächt das Verdauungsfeuer, was sich auf den gesamten Organismus auswirkt. Im Zentrum von Ayurveda steht daher, die drei Doshas im individuellen Gleichgewicht zu halten, um so Verdauungs- beziehungsweise Stoffwechselproblemen entgegenzuwirken.

Unauffällige Merkmale helfen bei der Diagnose

Einer ernsthaften Erkrankung gehen im Ayurveda mehrere diagnostizierbare Phasen voraus: einseitige Belastung der Doshas, deren Ansammlung, Anregung, Ausbreitung, Ablagerung. Dann der Ausbruch der Krankheit. Und schließlich ihre Folgen. Ziel eines ayurvedischen Arztes ist es, nicht die Symptome gesundheitlicher Probleme, sondern bereits im Vorfeld ihre Ursachen zu behandeln. Für unser Verständnis unauffällige, unspezifische Merkmale können bei der Diagnose aufschlussreich sein. Puls, Haut, Augen, Zunge, Urin und Stuhl werden genauestens untersucht.

Ayurvedische Ernährungstipps für alle Doshas

Warmes Wasser oder Kräutertee trinken.

Erst essen, wenn sich der Hunger meldet.

Die beste Zeit für die Hauptmahlzeit ist mittags.

Nicht in Eile oder Stress essen.

Im Sitzen essen, niemals im Stehen.

Sich nicht satt essen.

Natürliche, frische, regionale und dem Dosha entsprechende Nahrung essen.

Speisen sollten Elemente von süß, salzig, sauer, bitter, scharf und herb enthalten.

Weitere Elemente sind das Befragen und Zuhören. Erst dann können der individuelle Konstitutionstyp des Patienten – also in welchem Verhältnis die Doshas bei ihm vorliegen – und die gesundheitliche Störung ermittelt werden. Anhand der Diagnose verordnet der Arzt eine spezifische Reinigungstherapie der Verdauungswege. Mit individuell abgestimmten Methoden sollen die Doshas wieder ins Gleichgewicht versetzt werden. Von großer Bedeutung sind die Gabe von pflanzlichen Medikamenten und eine Diät. Mit Hilfe von Yoga soll "seelisch Unverdautes" ausgeleitet werden. Dazu gehören spezielle Körper- und Atemübungen sowie Meditation in Stille.

Körperlichen und seelischen Ballast loswerden

Panchakarma nennt sich der Teil der ayurvedischen Therapie, bei der Stoffwechselabbauprodukte, Umweltgifte und unverdaute Nahrungsbestandteile aus dem Körper ausgeleitet werden sollen. Nahrung wird vom Organismus in verwertbare und nicht verwertbare Stoffe umgewandelt. Ist die Verdauung jedoch schlecht, kann sich unvollständig Verdautes im Körper ablagern. Auch eine sogenannte Entschlackung von seelisch belastenden Erfahrungen soll durch Panchakarma erfolgen.

Bei der inneren Säuberung von Ablagerungen kommen die Einnahme von Butterschmalz und Abführmittel zum Einsatz. Ebenso gehören Öl-Einläufe und Erbrechen zum Repertoire, allerdings nur für bestimmte Konstellationen der Doshas. Äußerlich kommen Bädern und Massage zum Einsatz. Mit Heilkräutern angereicherte Öle werden nach speziellen, vom Arzt verordneten Methoden in die Haut eingerieben. Heiß aufgetragen, sollen sie den Stoffwechsel in Muskulatur und Bindegewebe aktivieren und den Abtransport der Schlacken ermöglichen. Die Dauer einer Massage ist festgelegt. So ist Abhyanga eine über 60 Minuten von zwei Masseuren durchgeführte Behandlung. Gleich vier Personen widmen sich dem Patienten, der eine Ganzkörpermassage mit einer warmen Abkochung aus Getreide und Reis erhält. Reibmassagen mit Rohseide sollen die Durchblutung und den Zellstoffwechsel stark anregen. Als tief entspannend und harmonisierend gilt Shirodara, eine Anwendung, bei der eine Ölmischung direkt auf die Stirn fließt. Auch Farb- und Musikbehandlungen sowie Schwitzkuren gehören zur Therapie.

Immer wieder warnen Experten, etwa von der Deutschen Gesellschaft für Ayurveda, davor, in Indien, Sri Lanka oder anderen asiatischen Ländern ayurvedische Produkte von unbekannten Anbietern zu erwerben. Es kommt immer wieder vor, dass sie diese mit Schwermetallen wie Blei, Cadmium oder Quecksilber belastet sind. In Proben finden sich mitunter auch Bakterien, Hefe, Schimmel, Salmonellen oder Pestizide. Seriöse Anbieter liefern für jedes Produkt auf Anfrage die Ergebnisse von Laboranalysen. Zusätzliche Sicherheit bietet der Bezug von ayurvedischen Produkten über deutsche Apotheken.

Was wir selbst tun können

Nach der Entlassung aus einer – meist mehrwöchigen – Ayurvedabehandlung ist der Patient maßgeblich an seiner Gesunderhaltung beteiligt, denn seine Lebensweise bestimmt über das Gleichgewicht der Kräfte. Elementarer Bestandteil ist ein ausreichender, gesunder Schlaf. Besonders wichtig ist es, ungesunde Gewohnheiten aufzugeben. Im Ayurveda kommt der Ernährung eine große Bedeutung zu. Denn die Zusammensetzung, Zubereitung und Art, wie Speisen aufgenommen werden, soll einen entscheidenden Einfluss auf die seelische und körperliche Ausgeglichenheit haben.

Um Ereignisse, die seelisch "schwer im Magen" liegen, zu "verdauen", helfen Yoga und Meditation. Deren positiver Effekt ist auch im Westen kein Geheimnis mehr. Unsere Schulmedizin leistet Großes. Dennoch lohnt es sich, sich für die Philosophie des Ayurveda zu sensibilisieren. Dann versteht es sich von selbst, gesundheitlich Eigenverantwortung zu übernehmen. Und sich als Wesen zu begreifen, dessen Körper, Seele und Geist man am besten selbst gut nährt.

Tamara Berikoven

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