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Lesen Sie hier, wann, wie lange, in welcher Form und für wen Magnesium empfohlen wird.

Ob die Einnahme von Magnesium bei Krämpfen tatsächlich hilft, ist nicht ausreichend belegt.
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Sa. 19. August 2017

Thema der Woche: Magnesium - wann und wie viel?

Wegen einer zu hohen Dosierempfehlung für ein Magnesium-Präparat hat die Verbraucherschutzzentrale Sachsen das Pharmaunternehmen Klosterfrau verklagt. Und bereits im Januar hatte der Bundesverband der Verbraucherzentralen viel zu hohe Magnesium-Dosierungen in Nahrungsergänzungsmitteln kritisiert. Lesen Sie im aktuellen Thema der Woche, wann, in welcher Dosis und in welcher Form eine Substitution mit Magnesium nach aktuellem Stand sinnvoll ist.

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Wo liegen die Referenzwerte?

Zunächst einmal brauchen gesunde erwachsene Frauen ab 25 Jahren laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) eine Zufuhr von 300 mg Magnesium am Tag, bei Männern sind es 350 mg. Für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahre liegen die Referenzwerte etwas höher. Das lässt sich problemlos über eine ausgewogene Ernährung erreichen. "Ein Magnesiummangel mit definierten Symptomen konnte bei gesunden Menschen mit den üblichen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten bisher nicht nachgewiesen werden", so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt eine Tageshöchstdosis von 250 mg Magnesium für Nahrungsergänzungsmittel.

Wer hat einen erhöhten Bedarf?

Bei Schwangeren ist der Bedarf nur geringfügig erhöht (Referenzwert 310 mg, bei unter 19-Jährigen 350 mg), Stillenden empfiehlt die DGE eine Zufuhr von 390 mg täglich. In Stresssituationen und bei Leistungssportlern kann der Bedarf erhöht sein, ebenso bei einigen Erkrankungen, chronischem Alkoholkonsum und die Einnahme einzelner Medikamente. Nach Operationen im Verdauungstrakt, bei Resorptionsstörungen oder bei wiederkehrenden Durchfällen bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, bei Nierenfunktionsstörungen und endokrinen Erkrankungen wie Diabetes, einer Überfunktion der Schilddrüse oder der Nebenschilddrüsen (Hyperthyreose und primärer Hyperparathyreodismus) oder Hyperaldosteronismus kann es zu einem Magnesium-Defizit kommen.

Welche Medikamente beeinflussen die Magnesium-Bilanz?

Bei Laxanzien-Missbrauch, Diuretika-Behandlung oder langfristigen Einnahme von Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) kann es zu einem Mangel kommen. Auch Kortison und einige Antibiotika können sich negativ auswirken.

Was sind Anzeichen eines Magnesium-Mangels?

Ein Mangel äußert sich vor allem im Zentralnervensystem, dem Herz-Kreislauf-System, dem Gastrointestinaltrakt und in der Muskulatur. Als Symptome können Gefühllosigkeit, Kribbeln in Händen und Füßen, Muskelschwäche, Zittern, Muskelkrämpfe und Herz-Rhythmus-Störungen auftreten. Auch Übelkeit und Erbrechen sowie Verwirrtheit können Folge eines Magnesium-Mangels sein.

Wann ist eine Substitution sinnvoll?

Bei Muskelkrämpfen empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie in erster Linie Dehnübungen, sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung eines akuten Krampfes. Bei nächtlichen Wadenkrämpfen gilt eine Wirkung von Magnesium zwar nicht als ausreichend belegt, angesichts des günstigen Nebenwirkungsprofils sei ein Therapieversuch empfehlenswert. Das gilt auch für Schwangere, die unter Muskelkrämpfen leiden. Muskelkrämpfe bei Sportlern sind vermutlich eher Flüssigkeits- als Magnesium-Mangel geschuldet und rechtfertigen keine Prophylaxe mit dem Spurenelement. Für Hochleistungssportler kann eine Nahrungsergänzung mit Magnesium jedoch sinnvoll sein.

Zudem wird Magnesium auch in hohen Dosierungen bei Tachykardien und akutem Herzinfarkt eingesetzt. So soll die Herzfrequenz normalisiert und das Herzmuskelgewebe geschützt werden. Dies fällt aber selbstverständlich nicht unter den Bereich der Selbstmedikation.

Magnesium-Mangel gilt als Risikofaktor für Patienten mit Niereninsuffizienz. Doch hier gibt es noch keine klinische Evidenz, dass eine Substitution wirklich hilft. Unklar ist auch die anzustrebende Dosierung. Offiziell empfohlen wird sie daher bislang nicht. Patienten mit Niereninsuffizienz sollten Magnesium-Präparate daher nur in Rücksprache mit ihrem Arzt einnehmen. Das gilt auch für Patienten mit Herz-Rhythmus-Störungen oder Störungen der Muskelendplattenfunktion. Ein Nutzen von Magnesium bei Patienten mit Bluthochdruck gilt als möglich, wird aber derzeit nicht offiziell empfohlen. Unklar ist auch der Nutzen einer Magnesium-Einnahme zur Prävention von Migräneattacken, Diabetes oder Osteoporose. Auch bei frühzeitigen Wehen ist der Einsatz von Magnesium umstritten und kein Fall für die Selbstmedikation. Eine Übersichtsarbeit kam 2014 zu dem Schluss, dass Magnesiumsulfat eine drohende Frühgeburt nicht verhindern kann und es diesbezüglich keine Vorteile für Mutter und Kind gebe.

Welches Magnesiumsalz sollte gewählt werden?

Ob eine bestimmte Magnesiumverbindung zu bevorzugen ist, ist nach Einschätzung der Verbraucherzentralen nach derzeitiger Studienlage nicht klar. Es gebe Hinweise auf eine im Vergleich zu anderen Salzen bessere Bioverfügbarkeit von Magnesiumcitrat. Die Leitlinie zu Muskelkrämpfen empfiehlt Magnesium-[Hydrogen]Aspartat, Magnesiumorotat oder Magnesiumoxid ein- bis dreimal täglich 5 mmol. Bei schweren Asthmaattacken wird im Krankenhaus manchmal Magnesiumsulfat intravenös verabreicht.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Eine typische Nebenwirkung bei höheren Dosen ist Durchfall. Dann kann die Dosis reduziert oder das Präparat vorübergehend abgesetzt werden. Erbrechen, Schwindel und Müdigkeit sind ebenfalls möglich. Bei einer Magnesiumvergiftung, die normalerweise nur bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz auftritt, kann es zu Übelkeit, Lethargie, Blasensperre und Atemlähmung kommen sowie einer gestörten Erregungsbildung und -ausbreitung am Herzen und Lähmungserscheinigungen.

In welchen Lebensmitteln ist besonders viel Magnesium enthalten?

Cashewnüsse, Mandeln und Erdnüsse haben einen hohen Magnesium-Gehalt, gefolgt von Zartbitterschokolade. Auch Vollkornprodukte empfehlen sich. Beim Gemüse führen Kohlrabi, Blattspinat, Erbsen und Grünkohl die Liste an. Bananen können auch mithalten, ebenso viele Käsesorten wie Gouda und Edamer. In anderen Milchprodukten sowie in Fleisch und Fisch ist dagegen verhältnismäßig wenig Magnesium enthalten, allerdings kann der Körper Magnesium aus tierischen Produkten besser aufnehmen als aus pflanzlichen Lebensmitteln.

PZ/NK

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