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Abschwellendes Nasenspray kann süchtig machen.

Eine verstopfte Nase kann sehr unangenehm sein. Abhilfe schaffen abschwellende Sprays, die es rezeptfrei in der Apotheke gibt.
© Lars Zahner - Fotolia

Sa. 17. März 2018

Thema der Woche: Nasenspray - Vorsicht, Suchtgefahr!

Husten, Schnupfen, Heiserkeit: Die Erkältungs- und Grippewelle ebbt nicht ab und oft ist die geplagte Nase hoffnungslos verstopft. Da liegt es nahe, zum abschwellenden Nasenspray zu greifen – einmal Sprühen und die Nase ist verlässlich für sechs bis acht Stunden frei. Bei vielen Präparaten kann es jedoch zu einem Gewöhnungseffekt kommen. Die Apothekerkammer Bremen erklärt, bei welchen Wirkstoffen die Gefahr einer Abhängigkeit besteht, wie man sie verhindert und wie Patienten ihr entkommen.

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Mehr als 10.000 Liter Atemluft strömen jeden Tag durch unsere Nase. Die darin befindlichen Schleimhäute dienen der Immunabwehr: Ihre Flimmerhärchen transportieren kontinuierlich Viren und Bakterien nach außen ab, um den Organismus zu schützen. Entsteht trotzdem eine akute Infektion der Atemwege, beginnt eine erhöhte Produktion des Sekrets in der Nase zur Verstärkung der Immunabwehr, die Schleimhäute schwellen an und die Nase ist verstopft. Hier befreien abschwellende Nasensprays die Atemwege zuverlässig. Die Mehrzahl enthält als Wirkstoffe Sympathomimetika wie beispielsweise Xylometazolin, Oxymetazolin oder Tramazolin>Tramazolin. Diese Stoffe binden an Rezeptoren der Blutgefäße in der Nasenschleimhaut und bewirken, dass sich die Blutgefäße verengen und die Blutzufuhr vermindert wird. In der direkten Folge schwillt das Gewebe ab und der Erkrankte kann endlich wieder frei atmen.

Kein genereller Verzicht notwendig

Trotz der Gefahr der Abhängigkeit rät die Apothekerkammer Bremen nicht zum generellen Verzicht auf Nasensprays: "Bei akuten Infektionen ist es wichtig, ausreichend Schlaf zu finden. Dies ist durch abschwellend wirkende Nasensprays gut möglich. Gegen eine vorübergehende Anwendung dieser Sprays ist nichts einzuwenden", erklärt Dr. Richard Klämbt, Präsident der Apothekerkammer Bremen. Er empfiehlt aber, abschwellend wirkende Nasensprays lediglich zeitlich begrenzt zu verwenden. "Pro Tag sollte man nicht öfter als zwei- bis dreimal zum Spray greifen. Wir raten dringend, besagte Nasensprays nicht länger als eine Woche zu benutzen, im Idealfall sogar nur fünf Tage", so der Apotheker.

Besteht erst einmal eine Abhängigkeit, hat der Betroffene eine permanent verstopfte Nase, da die Anzahl der Rezeptoren mit der Zeit abnimmt und mehr Wirkstoff benötigt wird. Dies lässt die Patienten erneut und schneller zum Spray greifen. Ohne den dauernden Gebrauch des Sprays bekommt der Patient keine Luft mehr durch die Nase.

Schätzungen zufolge sind 100.000 Bundesbürger abhängig von Nasenspray. Die Folgen sind chronische Nasennebenhöhlenentzündung, Nasenbluten oder es läuft zähes Sekret den Rachen hinab. Zudem besteht die Gefahr, dass die ständig gereizten Schleimhäute mit der Zeit austrocknen, wodurch sie ihre Abwehrfunktion nicht erfüllen können und sich das Risiko eines Keimbefalls erhöht. Folge kann eine sogenannte Rhinitis atrophicans sein, eine "Stinknase". Eine starke Abhängigkeit kann ebenfalls den extremen Abbau der Nasenschleimhaut mit ihren Gefäßen und Drüsen nach sich ziehen. Hier spricht man von einer Atrophie. In Fällen schwerer Sucht ist es möglich, dass durch die verringerte Durchblutung Knorpelgewebe abstirbt, wodurch es zu einem Loch in der Nasenscheidewand oder einem einsackenden Nasenrücken kommen kann.

Wege aus der Nasenspraysucht

Eine Möglichkeit besteht darin, zuerst eine Woche lang nur bei einem Nasenloch auf das Spray zu verzichten und es im Anschluss ganz abzusetzen. Auch das Verwenden von reinen Kochsalzlösungen oder Kindernasenspray mit weniger Wirkstoff ist eine Option. In schweren Fällen kann es zu Erstickungsängsten und Stimmungsschwankungen beim Absetzen kommen. "Patienten, die einmal abhängig waren, müssen bei einer Erkältung erst einmal ohne Xylometazolin-haltige Präparate auskommen, sonst setzt der Gewöhnungseffekt rasch wieder ein und die Abhängigkeit ist erneut da", klärt Klämbt auf.

Bei einer weniger als ein Jahr andauernden Abhängigkeit funktioniert oft ein stringenter Entzug: Der Betroffene sollte eine Woche ohne Nasenspray durchstehen, dann nehmen die Symptome wie eine beschwerliche Atmung in der Regel bereits deutlich ab. Ein Hochlagern des Oberkörpers während dieser Zeit erleichtert zudem das Schlafen. Bei schweren Fällen sollte ein Arzt aufgesucht werden. Dieser kann dann zur Entwöhnung kortisonhaltige Nasensprays verschreiben. Je nach Intensität der Sucht kann die Entwöhnung mehrere Tage oder Wochen andauern. Zusätzlich können zeitgleich begrenzt Antihistaminika zur Erleichterung eingenommen werden.

Um eine Entwöhnung zu unterstützen, können Patienten eine Nasendusche mit Salzwasserlösung benutzen – dies lässt die Nasenschleimhäute zuverlässig für eine halbe Stunde abschwellen, was vielen Betroffenen zum Einschlafen ausreicht. "Um vorzubeugen, sollten Patienten stets die niedrigste Dosis verwenden, mit der sie auskommen, beispielsweise Kindernasenspray", so Dr. Klämbt. Die Apotheke vor Ort hilft Erkrankten bei der geeigneten Auswahl von Präparaten, sowohl zur schonenden Befreiung der verstopften Nase als auch bei der Entwöhnung im Falle einer Nasenspraysucht.

AK Bremen/NK

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