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Medikamente gegen Depressionen können das Risiko für Gewaltverbrechen steigern.

Antidepressiva sind ein wichtiger Baustein für die Therapie bei Depressionen. Sie können jedoch auch unerwünschte Nebenwirkungen haben.
© iStock.com/Smederevac

Do. 09. Juli 2020

Fördern Antidepressiva gewalttätiges Verhalten?

Patienten mit psychischen Störungen sind häufiger an Gewalttaten beteiligt. Dabei stehen sie oft unter dem Einfluss von Medikamenten, was die Frage aufwirft, ob gewisse Arzneimittel die Bereitschaft zu solchen Taten steigern. Dafür wurden nun weitere Hinweise gefunden und im Fachblatt "European Neuropsychopharmacology" veröffentlicht.

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Von bestimmten Antidepressiva, den selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI), ist bekannt, dass sie bei Kindern und Jugendlichen das Risiko für aggressives und gewalttätiges Verhalten erhöhen. Dies scheint auch bei Erwachsenen der Fall zu sein: In Schweden kam es unter fast 800.000 Menschen zwischen 15 und 60 Jahren, denen solch ein Medikament verschrieben worden war, während der Therapie mit 24 bis 28 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit zu Gewaltverbrechen.

Dieser Effekt war auch bis zu zwölf Wochen nach Beendigung der Behandlung noch zu beobachten. Besonders in der Gruppe der 15- bis 34-Jährigen waren vermehrt Gewalttaten aufgetreten. Bereits zuvor verübte Gewaltverbrechen steigerten ebenfalls das Risiko, dass es während der Therapie erneut zu kriminellen Handlungen kam.

Antidepressiva wirken antriebssteigernd

Ob diese Taten auf das Medikament oder die zugrundeliegende Depression zurückzuführen waren, kann nicht mit Sicherheit aus den Ergebnissen der Studie gefolgert werden. Es ist jedoch bekannt, dass selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer den Antrieb steigern. Das könnte bei Personen, die zu Gewalt neigen, auch solche Handlungen antreiben.

Die Patienten wurden im Durchschnitt 7,3 Jahre lang beobachtet. In dieser Zeit kam es zu 32.203 Gewalttaten bei 20.821 (2,7 Prozent) der untersuchten Patienten. Männer verübten mit 5,7 Prozent mehr Gewaltverbrechen als Frauen (1,0 Prozent).

ZOU

Quelle: DOI 10.1016/j.euroneuro.2020.03.024

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