Sie sind in: Startseite Aktuelles Kurioses Norovirus: Jede elfte Auster macht krank

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Rohe Austern sind häufig mit Noroviren befallen.

Austern sind eine echte Delikatesse. Wer sie roh verzehrt, kann sich dabei jedoch leicht Noroviren einfangen.
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Mi. 24. Mai 2017

Durchfall: Austern sind schlimmer als Kreuzfahrten

Bei 0,5 Prozent aller Kreuzfahrten kommt es zu einem nennenswerten Ausbruch von Durchfall und Erbrechen durch Noroviren. Wer Austern isst, geht ein deutlich höheres Risiko ein. Das rechnete der Magen-Darm-Experte Professor Dr. Thomas Weinke des Klinikums Ernst von Bergmann in Potsdam auf einer Fortbildung für Apotheker in Meran, Südtirol, vor.

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Den auflagenstarken Tageszeitungen und Magazinen ist es immer eine fette Headline wert: Norovirus-Epidemie auf Kreuzfahrtschiffen. In der Tat: Das Virus verbreitet sich schnell, nicht nur durch Stuhlverunreinigung auf Toiletten und an den Händen, sondern auch durch Spuren von Erbrochenem. Insofern beugen die Reedereien zu Recht vor, beispielsweise mit Spendern voll Hände-Desinfektionsmitteln. Allerdings: Die Dramatik wird, zumindest was die Häufigkeit angeht, deutlich überschätzt. Nur auf 0,5 Prozent aller Kreuzfahrten tritt eine solche Epidemie ein.

Wer gerne Austern isst, wird statistisch von der elften krank. Bei einer Untersuchung von Austernmahlzeiten ergaben 9 Prozent einen Befall mit den Durchfallviren. Und eine Austernmahlzeit hat ja gerne 12 Stück auf dem Teller. Für Austernliebhaber hat Weinke aber einen Tipp: Zitronensaft degeneriert die Viren. Wer so viel Zitronensaft auf die geöffneten Austern träufelt, bis der Zitrusgeschmack den Austerngeschmack übertrifft, hat größere Chancen gesund zu bleiben. Diesen Trick mag Weinke aus Italien haben, denn von Neapolitanischen Hausfrauen weiß man, dass sie früher frische Venusmuscheln roh mit Zitronensaft servierten – trotz Verunreinigung des Golf von Napoli.

Noroviren sind zahlenmäßig die wichtigsten Durchfallerreger in Mittel-Europa. Sie treten regelmäßig in den Wintermonaten auf und infizieren dann in Deutschland bis zu 100.000 Menschen. Pflegeheime, Kindergärten und Krankenhäuser trifft es besonders. Die Therapie erfolgt rein symptomatisch. Wichtig ist die Vorbeugung zu großer Flüssigkeitsverluste mit Elektrolyten. Das allerdings verkürzt nicht das Leiden, sondern bewahrt vor der gefährlichen Dehydrierung. Wenn keine komplizierten Begleiterscheinungen auftreten, dann können Motilitätshemmer wie Loperamid genommen werden, was die Krankheitsdauer um einen Tag abkürzt. Eine Wirksamkeit von Tannin, Kaolin, Kohle und Pektin konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Für vorbeugend genommene Probiotika sei die Datenlage dünn, so Weinke.

Wer auf Reisen Durchfall bekommt und sich nicht sicher sein kann, ob Viren oder Bakterien als Verursacher schuld sind, kann vorsichtshalber mitgenommene Antibiotika einnehmen. In Frage kommen Azithromycin, Ciprofloxacin oder Rifaximin. Aber, so warnte Weinke, schleppt man mit hoher Wahrscheinlichkeit anschließend multiresistente Keime mit sich. Die Gefahr für eine Darm-Besiedlung mit sogenannten ESBL-Keimen liegt mit 80 Prozent Wahrscheinlichkeit besonders dann hoch, wenn Antibiotika und Substanzen wie Loperamid zugleich genommen wurden.

JPL

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