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Eine Muscheltherapie könnte bei Krebs künftig zum Einsatz kommen.

Ein Zucker, der aus Herzmuscheln gewonnen wird, könnte die Krebstherapie verbessern.
© helmutvogler - stock.adobe.com

Mi. 19. September 2018

Hoffnung aus dem Meer: Neue Krebsmedikamente aus Muscheln?

Die Gemeine Herzmuschel könnte die Grundlage für künftige Krebsmedikamente liefern. Darauf deutet eine aktuelle Studie hin, in der britische Forscher zeigen konnten, dass aus der Herzmuschel gewonnene Zucker in Versuchen fast ebenso effektiv wie einige Standard-Medikamente der Chemotherapie waren, und das sogar in relativ niedriger Dosierung.

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Forscher um Dr. David Pye von der University of Salford hatten neue, aus Muscheln gewonnene Polysaccharide an Zellkulturen getestet und waren bei Leukämie, Brust-, Lungen- und Darmkrebs zu positiven Ergebnissen gekommen, wie sie im Fachblatt Marine Drugs berichten. Ähnliche, von Säugetieren stammende Zucker seien schon länger Gegenstand der Krebsforschung, so Pye. Die Ergebnisse seien jedoch nicht eindeutig gewesen. "Wir haben uns für Muscheln entschieden, nicht zuletzt weil sie günstiger, leichter zu beschaffen und zudem reich an Zuckern sind", erläutert der Wissenschaftler. Die Polysaccharide der Herzmuschel haben eine etwas andere Struktur, von der ausgehend die Forscher nun an neuen Medikamenten arbeiten wollen, die zusätzlich zur traditionellen Behandlung eingesetzt werden könnten.

Eine "Herzmuschel-Chemo" könnte speziell Kindern zugutekommen, so die Hoffnung der Forscher. Wirklich bedeutsam sei nicht die Muschel als Quelle, sondern die Chance, dass Zucker mit dieser speziellen chemischen Struktur in tolerierbaren Mengen bei Kindern effektiv sein könnten. Viele Krebsmedikamente für Kinder seien lediglich verdünnte Versionen der Medikamente für Erwachsenen, die auf die Zellteilung abzielen und diese stoppen. Da die Zellteilung jedoch ein zentraler Prozess bei Wachstum und Entwicklung ist, treffe dies die Gesundheit von Kindern unverhältnismäßig stark. "Der ‚Heilige Gral‘ in der Chemotherapie von Kindern wäre, die Zerstörung des Krebs zu maximieren, während die Schädigung von normalen Zellen und Geweben minimiert wird", sagt Pye. Zucker als therapeutische Behandlungsmöglichkeit könnten helfen, die schädlichen Nebenwirkungen zu verringern, so die Hoffnung der Autoren.

HH

Quelle: DOI 10.3390/md16020063

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