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Wer intensiv Sport treibt, hat spezielle Keime im Darm, die ihm dabei helfen.

Wer intensiv Sport treibt, hat spezielle Keime im Darm, die ihm dabei helfen.
© iStock.com/Jacob Ammentorp Lund

Mi. 26. Juni 2019

Sport: "Doping" durch Darmbakterien

Marathonläufer und andere Spitzensportler beherbergen im Darm eine Art von Bakterien, die ihre Leistungsfähigkeit erhöht. Bei unsportlichen Menschen kommen die Bakterien nicht vor, denn diese Mikroorganismen ernähren sich von Laktat, das nur bei großen körperlichen Anstrengungen von den Muskeln gebildet wird.

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Die Arbeiten begannen 2015 mit Stuhlproben von Läufern, die am Boston-Marathon teilnahmen. Von ihnen sammelte Dr. Jonathan Scheiman, damals Forscher im Labor der George Church an der Harvard Medical School, einige Wochen vor und nach dem Lauf Stuhlproben und verglich diese mit Proben von Menschen, die keinen Sport trieben. Eine Bakteriengattung namens Veillonella fiel ihnen dabei auf, die bei Marathonläufern allgemein stärker vertreten war als bei den Nicht-Sportlern und sich nach dem Marathon noch deutlich vermehrte.

Bakterien der Gattung Veillonella benötigen Laktat, um zu überleben. Dies wird von Muskeln bei anstrengendem Training produziert. Bei Menschen, die sich nicht körperlich anstrengen, fehlt diesen Bakterien daher die Nahrungsquelle.

In Tierversuchen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass sich die Trainingskapazität bei Mäusen verbesserte, wenn sie die Bakterien im Darm beherbergten. Sie fanden auch heraus, wie dies funktioniert: Veillonella verstoffwechselt Laktat zu Propionat, das die körperliche Leistungsfähigkeit verbessert. Auch als die Forscher Mäusen Propionat per Einlauf in den Darm gaben, steigerte dies ihr Laufvermögen.

Die Studie, die im Fachmagazin Nature Medicine veröffentlich wurde, ist eine der ersten, die eine solche für beide nützliche Zusammenarbeit zwischen Mikroben und ihrem menschlichen Wirt zeigt. "Der Wirt produziert etwas, das diese bestimmte Mikrobe bevorzugt. Im Gegenzug schafft die Mikrobe etwas, das dem Wirt zugutekommt", sagt Dr. Aleksandar D. Kostic, der an der Arbeit beteiligt war.

ZOU

Quelle: DOI 10.1038/s41591-019-0485-4

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