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Paar am Strand schaut in die Ferne

Zu viel Optimismus kann auch negative Auswirkungen haben. Zum Beispiel dann, wenn man zu leichtsinnig wird.
© mauritius images

Di. 11. Oktober 2011

Optimismus kann gefährlich sein

Wer ständig eine rosarote Brille trägt, kann Gefahren nicht richtig einschätzen. Das ist das Ergebnis eines psychologischen Experiments, das im Fachblatt Nature Neuroscience erschienen ist. Demnach kann grenzenloser Optimismus dazu führen, dass man leichtsinnig wird und Vorsichtsmaßnahmen außer Acht lässt.

In einem psychologischen Experiment mit 19 Freiwilligen haben Wissenschaftler des University College in London, Großbritannien, wie der Optimismus die Wahrnehmung von Risiken beeinflusst. Die Testpersonen wurden in einem sogenannten funktionellen MRT untersucht, mit dem die Aktivität in verschiedenen Hirnregionen abgebildet werden kann. Während der Untersuchung konfrontierten die Forscher die Freiwilligen mit Lebenssituationen, die von unangenehm bis absolut katastrophal reichten: von einem Autodiebstahl über die Kündigung des Jobs bis hin zu einer tödlichen Diagnose wie Krebs. Die Testpersonen wurden gebeten, die Wahrscheinlichkeit einzuschätzen, dass ihnen ein solches Ereignis widerfährt. Dann wurden sie mit den echten durchschnittlichen Wahrscheinlichkeiten für diese Unglücke konfrontiert.

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Kurze Zeit später sollten die Testpersonen erneut ihr eigenes Risiko einschätzen. Interessant dabei: Waren die wirklichen Zahlen weniger finster, korrigierten die Freiwilligen ihre ursprüngliche Einschätzung bereitwillig. Hatten sie beispielsweise angenommen, das Risiko für eine Krebserkrankung läge bei 40 Prozent, in Wirklichkeit das durchschnittliche Risiko aber nur bei 30 Prozent liegt, verbesserten sie ihre Abwägung präzise nach unten. War die tatsächliche Wahrscheinlichkeit für einen Unglücksfall aber höher als von den Testpersonen angenommen, ignorierten sie die Statistik und blieben bei ihrer ursprünglichen Einschätzung.

Offenbar hören wir nur, was wir hören wollen, so die Forscher. Und je optimistischer wir sind, desto weniger lassen wir uns durch negative Aussagen über die Zukunft beeinflussen. Warum das so ist, zeigten die MRT-Bilder. Wann immer die realen Zahlen besser und rosiger waren als die eigene Einschätzung, zeigten die Testpersonen eine starke Aktivität im sogenannten Stirnlappen des Gehirns – einer Region, die vor allem für die Gefühlskontrolle verantwortlich ist. Die Aktivität spricht dafür, dass die neuen Informationen verarbeitet und abgespeichert wurden. Waren die wahren Zahlen hingegen deutlich schlechter als die eigene Einschätzung, zeigten extrem optimistischen Testpersonen kaum Aktivität in diesen Hirnregionen.

Optimismus kann gut für die Gesundheit sein: Er verringert Stress und Angst und steigert so unser Wohlbefinden. Allerdings kann er auch negative Auswirkungen haben. Wenn wir etwa aus dem Gedanken, dass uns schon nichts Böses widerfahren wird, ungeschützten Sex praktizieren oder keine Rücklagen für das Alter bilden, so die Experten der Studie. Wer also immer "Licht am Ende des Tunnels" sieht, sollte in Erwägung ziehen, dass das auch ein entgegenkommender Zug sein könnte.

KK

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